Donnerstag, 12. Juni 2014

USA: Go for it !

Außenseiter - Spitzenreiter hieß eine populäre Sendung im DDR Fernsehen, bei welcher skurriles und aberwitziges thematisiert wurde. Ich habe mich immer gefragt was wohl in der Redaktion des Realsatire-Programms im realexistierenden Sozialismus so passiert ist und wie man sich da wohl fühlte. Nun in einem US-Amtrax-Zug, der mir von meinen Bruder angekündigt wurde als Fortführung der DDR auf Schienen, sitze ich und darf meinen Vorbericht schreiben über meinen WM-Favoriten, - die USA.


Nun schon zum siebten Mal in Folge und insgesamt zum zehnten Mal nimmt eine US-Auswahl an der Fußballweltmeisterschaft teil. Und klarer als dieses Mal konnte die Qualifikation noch nie gewonnen werden. Platz Eins in der CONCACAF- Quali-Runde und Titelgewinn beim Gold-Cup: Sechs Siege in sechs Spielen. Auch die BRD-Auswahl konnte sich von den Spielqualitäten, der von Jürgen Klinsmann trainierten US-Boys überzeugen. In einem Freundschaftsspiel im Juni 2013 siegte das US-Team mit 4:3.


Die Vorbereitung nach der Bekanntgabe des Kaders lässt aufhorchen. Drei Spiele, Drei Siege. (Aserbaidschan 2:0, Türkei 2:1, Nigeria 2:1)Und dabei geben nicht nur die Spielergebnisse Anlass zur Freude. Besonders die gewitzte Spielart gefällt Fans und Kritikern. Mit welcher Leichtigkeit, das mit international erfahrenen Spieler gespickte Team ans Werk geht verdeutlicht symbolisch ab Minute 1:08 einUS Angriff mit sehenswertem Abschluß-Trick von Kapitän Clint Dempsey.





Der Klinsmann-Faktor

Auch wenn Jürgen Klinsmann nicht unbedingt die Position des Sympathen hat, symbolisiert er jedoch die Hoffnungen des Teams. Christina Becker Juristin und ehemalige Jugend-Fußballtrainerin verzieht das Gesicht wenn sie auf Klinsmann angesprochen wird. „ Kaum einer mag ihn, doch als Trainer des US-Teams ist er das Beste was passieren konnte.“ Mit seiner Erfahrung von über 100 Länderspielen und dem Gewinn der Weltmeisterschaft von 1990 ist er für die Spieler eine lebende Legende und ein Erfahrungsschatz aus dem das Team schöpfen kann. Ansonsten können nur einige US-Spieler auf bescheidene Erfolge zurückblicken. Ein paar waren dabei, als bei der WM 2010 der Einzug unter die letzten 16 gelang, einige waren nur am TV-Gerät dabei. Als Klinsmann dann vor drei Jahren das Traineramt übernahm forderte er die Spieler auf im Ausland Erfahrungen zu sammeln und versuchte seine Philosophie, seine Fußball-Ethik und seine taktischen Einstellungen zu vermitteln. Doch sein Ding ist es das Selbstbewusstsein, denn letztendlich sind die Spieler allein auf dem Platz.

Auf und Neben dem Platz

Jedes Team hat seine Spielfiguren die ein Team zusammenhalten und motivieren können. Zu diesem Kern des US-Teams zählen Keeper Tim Howard, die Mittelfeldspieler Michael Bradley und Jermaine Jones, sowie die Offensiv-Kräfte Clint Dempsey und Jozy Altidore. Alle bis auf Jones waren dabei als der Einzug unter die letzten 16 beim letzten Worldcup gelang. Und wie es sich Klinsmann gewünscht hat, haben knapp mehr als die Hälfte des Aufgebotes Erfahrungen im Ausland gemacht, zumeist in Europa. Die Stimmung im Team ist gelöst, wird öffentlich doch kein Druck gemacht. Die Fans füllten zwar die Stadien während den Vorbereitungsspielen, doch Soccer steht noch immer nicht im Blickpunkt der Mainstream Medien. So lässt es sich ganz gemütlich im Kreise von Freunden arbeiten. Die Mission Worldcup2014 ist eher eine Werbekampagne für den Sport im Land an sich. Und dazu wird reichlich die Werbetrommel gerührt. „One Nation. One Team“ , so lautet das nicht besonders einfallsreiche und für europäische Ohren unangenehme Assoziationen weckende Motto des US-Soccer-Teams. Im Land Hollywoods darf dazu eine Video-Botschaft natürlich nicht fehlen. Gleich ganze 23 Botschaften sind es dann geworden. In der Serie „One Nation. One Team. 23 Stories“ stellen sich in bester Old-School MTV-Manier die Stars des Teams und ihren Sport vor. So macht man Werbung in den Staaten für Soccer.



Denn das hier noch einiges zu tun ist, zeigt sich jedem US-Besucher dieser Tage. Es werden zwar im ganzen Land Trikots für World-Cup Teams verkauft, doch auf den Straßen finden sich die Jerseys des US-Teams nicht. Bei einem Shop in Manhatten, wurde ich auf Nachfrage nach dem US-Trikot von den Verkäufern nur ausgelacht. „US-Trikot? Die spielen doch Scheiße. Hier guck´ wir haben Trikots von Brasilien, Mexiko oder aus Europa Italien. Aber US? Das kauft doch niemand.“ Auch sonst sind die einzigen Orte an denen so etwas wie WM-Stimmung eingefangen werden kann, die Läden die Südamerikaner, oder Irish-Pubs oder Bier-Brauereien. Da verwundert es auch nicht, dass die Sprechchöre der auch in Brasilien zahlreich anwesenden US-Fans Anlehnungen aus anderen Ländern sind. So wird man hier wieder das aus der Türkei bekannte abgewandelte „lalalalalaaaaa uuuuuuussssssaaaaaa“ hören.


Die Todesgruppe

Gegner der USA sind in der Gruppe G Ghana, Portugal und die Bundesrepublik. Es hätte kaum schlimmer kommen können. Mit Ghana hat die USA ihren Angstgegner gleich als ersten Spielpartner. In der WM 2010 schied die USA genau gegen Ghana aus. Nur eine gelungene Revanche im Auftakt würde die Chancen auf ein Weiterkommen bringen. Danach gegen Portugal und Deutschland wird die Defensive entscheiden. Die Spiele gegen diese beiden Teams finden am Nachmittag statt. So wird die Fitness eine entscheidende Rolle spielen und das US-Team gilt nicht erst seit Klinsmann als eines der fittesten.

Pro USA

Für die USA zu sein ist nun nicht gerade in. Die US-Versteher bestehen zumeist aus gesellschaftlichen Randgruppen. Zuerst fallen die Konservativen oder die Trucker-Freunde ein, heut zutage ergänzt von pro-amerikanischen politischen Splittergruppen, wie den islamophoben von pi-news oder den islamophoben Anti-Deutschen. Doch im Fußball kann man bedenkenlos für die USA sein. In kaum einem Team stehen so viele offensichtlich als Freaks geborene Protagonisten und das Team hat ein erfolgreich gepflegtes Underdog-Image. Und trotz des schwer verdaulichen Team-Slogans, ist die multikulturelle Zusammenstellung des Teams sympathisch. Ein Erfolg des US-Teams würde zudem die euro- und südamerikazentrierte Fußballwelt gehörig durcheinander würfeln und dem Sport in den USA zu einem weiteren Boom verhelfen. Denn das Potential ist da, so sieht man im Land auf den zahllosen Sportplätzen nun schon auch immer mehr transportable Soccer-Tore. Außenseiter – Spitzenreiter. Go for it.



Eckdaten:
Gruppe G

Ghana vs. USA 16. Juni (Natal)
USA vs. Portugal 22. Juni (Manaus)
USA vs. BRD 26. Juni (Recife)

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