Montag, 23. Juli 2018

Nationalteams haben ein Problem: Nationalismus

Mit dem Rücktritt von Mesut Özil aus dem Auswahlteam der Bundesrepublik hat die Diskussion, die ausgelöst wurde durch einen Fototermin mit dem türkisch Staatspräsidenten Erdogan noch einmal an Fahrt aufgenommen. Dabei haben neben Sportlern, Ex-Sportlern, Sportfunktionären, Journalisten, Politikern und den Medien in Deutschland, England und der Türkei fast alle etwas zu sagen, über das Foto an sich, die mediale Aufarbeitung dessen, Reaktionen in den und um die Stadien, über das Verhalten des Verbandes und seiner Funktionäre, über Shitstorms, Sportberater und Rassismus.  Dabei wird das grundlegende Thema verschwiegen und das Dilemma von Nationalmannschaften: der Nationalismus an sich.



Die Foto-Lüge


Die Debatte um Mesut Özil und İlkay Gündoğan zeigt augenscheinlich wie der Nationalismus trennt. Dabei wurde er als moderne Staatsform geschaffen um zu einen. Doch die Einigung funktioniert nicht mehr, wenn sie denn jemals funktionierte. Warum die Debatte um Mesut Özil und İlkay Gündoğan eine Nationalistische ist lässt sich schon am Ausgangspunkt der Debatte belegen. Zu dem allseits bekannten Fototermin war neben Mesut Özil und İlkay Gündoğan noch ein weiterer Spieler anwesend. Doch auf den in deutschen Medien kolportierten Fotos waren zumeist nur Mesut Özil und İlkay Gündoğan, sowie der Staatspräsident zu sehen. Eine Google Suche nach „Foto mit Erdogan“ beweist dies. Die meisten Bilder zeigen jedoch nur ein Teil des Bildes und verschweigen die Anwesenheit von Cenk Tosun. Der 27-jährige ist ebenso wie seine beiden Fotofreunde in der Bundesrepublik geboren und spielt in der englischen Premier League. Doch die Diskussion dreht sich analog zum Bildschnitt ausschließlich um Mesut Özil und İlkay Gündoğan. Damit zeigt schon der Ausgangspunkt der Diskussion, das hier nicht kritisiert wird, wie sich Fußballer gegenüber Politikern verhalten. Es ist eindeutig keine Kritik, daran das Fußballer mit Tayyip Erdoğan kurz vor den Wahlen in der Türkei ein Foto gemacht haben. Denn wenn dies so wäre, dann hätte Cenk Tosun ebenso im Mittelpunkt der Kritik stehen müssen. Aber er ist ja noch nicht mal auf dem Bild.

Fotosuche bei Google: Fast nur Bilder mit Özil, Gündogan und Erdogan. 


Das Deutsche steht im Mittelpunkt, nicht ein Foto


Die Kritik richtet sich somit nur an aktuelle Nationalspieler. Und zwar Deutsche. Hier wird anhand eines Fotos das Deutsche diskutiert. Hier wird eine fiktive Klammer diskutiert. Und diese Klammer ist der Nationalismus: Der Deutsche. Was ist Deutsch? Was darf man als Deutscher? Muss man die Hymne singen etc. etc. Alles Fragen, die sich mit dem Deutschsein, der Nation beschäftigen. Die Klammer, die den künstlichen Nationalstaat zusammenhalten soll. Und dieser Nationalismus ist gang und gäbe, unhinterfragt und Grundlage für fast alle Länder dieser Welt. Kritik an Nationalismus ist marginal, und kommt über die Blase intellektueller und linker Debatten kaum hinaus. Und in diesen bewegen sich die wenigsten Sportler, Berater oder Sportfunktionäre.  

So wurden Mesut Özil und İlkay Gündoğan mit einer Debatte konfrontiert, die ihre Identitäten angriffen. Ihre Identitäten mit dem Background von drei Sprachen und der Verwurzelung in der Türkei, Deutschland und jetzt England. Doch der Nationalismus kennt keine Bi- oder Tri-Identitäten. Man ist Deutscher oder Türke. Immer wird man von irgendwo zu einer Entscheidung gedrängt. Eine absurde Situation. Özil hat in seiner Erklärung die Metapher von den zwei Herzen benutzt. Ein Deutsches und ein Türkisches. Ein schönes positives Bild, dabei ist die eigentliche Metapher viel tragischer. Es ähnelt eher der Situation von Scheidungskindern. Die Eltern trennen sich, waschen ihre Schmutzwäsche und ziehen an den Kindern und sie mit hinein in den Konflikt der Eltern. Da passt, dass das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland ja auch ein bisschen einer zerrütteten Ehe ähnelt. Auch kann man das Dilemma mit einem Begriff der im Deutschen und Türkischen gebraucht wird beschreiben: Haymatloz. Doch im Kontext des Nationalismus auf dem die Debatte fußt, wäre der Begriff von Bi-Nationalisten treffender. 

Zwischen den Stühlen


Dem Mainstream jedes nationalen Staates ist das Ausklinken aus dem Mainstream fremd. Und wenn man in zwei Gesellschaften lebt, die durch Nationalismus geleitet werden, ist man versucht, sich dem jeweiligen Mainstream anzupassen. Denn der Nationalismus wird ja nicht hinterfragt und man ist ja nicht, nur weil man in zwei oder mehr Kulturen verwurzelt ist, automatisch ein Anti-Nationalist, der das System in Frage stellt und andere Klammern für Gesellschaften sucht, als die fiktionale Klammer einer einheitlichen Nation. Man versucht sich irgendwie durchzuwurschteln. Es allen recht zu machen. Özils Verweis auf die Erziehung seiner Mutter bezüglich Respektes macht dort durchaus Sinn und ist sehr persönlich und intim.


Der Deutsche Nationalismus ist wie alle Nationalismen diffus, verregelt, aber eben nicht wie ein Verein, eine Partei oder eine NGO eine Gemeinschaft, die auf gemeinsamen ethischen Werten fußt. Nationalismus kehrt alle über einen Kamm, die nach dem Gesetz dazu gehören. Es gibt nur einen Nationalismus, den der Mehrheit und der ist eben Uni-Nationalismus. Der Standard ist die einfache Nationalität.  Da haben es Bi-Nationalisten mit Füßen in mehreren Kulturen schwer. Sie versuchen es allen Seiten Recht zu machen. Aber ein uni-nationaler Mainstream, erlaubt nur schwer Abweichungen von der Norm. Mesut Özil wird die Reaktionen aus der Türkei auf seine Entscheidung für das deutsche Team aufzulaufen nicht vergessen haben.



Bi statt Uni


Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen müssen sich natürlich auch kritisieren lassen für ihr tun, außerhalb ihres eigentlichen Arbeitsfeldes, deswegen bewegen sie sich ja auch mit Hilfe von Beratern in diesem Raum. Und da ist die Kritik dann berechtigt, denn gerade nach dem Fall von Lukas Podolski und seinem Tweet mit Soldatengruß vor der türkischen Fahne und den Reaktionen in Deutschland darauf, hätte auch den Beratern von Özil und Gündoğan bewusst sein können, das ein Termin mit Tayyip Erdogan im Jahre 2018 eben anders ist als die Termine vorher. Auch ist die Veröffentlichung der Stellungnahme nur auf Englisch unglücklich, denn so überlassen die Berater die Übersetzung den Journalisten und den sozialen Medien und verlieren somit die Kontrolle über die übersetzten Wörter, die dann wie beim Beispiel der Bild, dann eine ganze andere Geschichte erzählen.  Berater von internationalen Fußballern müssen heute eben immer auch interkulturelle Berater sein und die Gemengelage in verschiedenen Gesellschaften im Auge behalten. Was in der einen nationalen Klammer geht, geht eben in der anderen nicht. Dieser Spagat den Bi-Nationalisten eben tagtäglich hinlegen müssen, muss erlernt sein.

Auch der Ex-Nationalspieler Lukas Podolski hatte seinen Türkiye-Gate. Nach diesem Tweet 2015.



Deutscher, Türke, Deutsch-Türke und Almancı


Gesellschaften müssen lernen, das die alte Klammer des Nationalismus in einer globalisierten Welt, letztendlich ausgedient hat. Immer weniger Menschen passen in diese enge Fiktion einer Nation. Das zeigt sich nun einmal mehr an dem aktuellen Beispiel im Sport. Internationale Sportverbände müssten dies thematisieren, wenn die Politik dies nicht tut. Sie könnten Vorreiter sein über laxe Kampagnen gegen Rassismus hinaus.  Denn auch wenn die Fiktion der nationalen Idee, zur Zeit scheinbar an Unterstützung gewinnt, wird sie aufgefressen und zwar nicht von den bekennenden Anti-Nationalisten, sondern von den Bi- und Tri-Nationalisten, die das System ad absurdum führen. Der Sport könnte die Zeichen der Zeit erkennen und gegen steuern. Denn die aktuelle Kakophonie, bei der sich selbst die Polizei Koblenz genötigt sah ihren Senf dazu zu geben, zeigt einmal mehr, Nationalismus als einigender Faktor ist überholt. Und ein Kampf gegen Rassismus geht ohne Benennung des eigentlichen Problems des Nationalismus funktioniert für die nationalen Verbände eben nur dann wenn der Erfolg da ist. So wie Özil es in seinem Statement auf den Punkt brachte: „ Wenn ich Erfolg habe bin ich Deutscher, wenn nicht dann Türke.“ Resultat des deutschen Nationalismus. In der Türkei wäre er bei Erfolg der Türke, bei Mißerfolg der Almancı.

Samstag, 9. Juni 2018

12 Gründe, warum man am Sonntag zu Türkiyemspor vs. Hilalspor gehen sollte

Alle reden von der WM 2018. Dabei wird weiterhin noch um Punkte, um Aufstiege, Abstiege und Relegationen gekämpft. Wir fassen hier zusammen warum auch kurz vor der WM ein Live-Besuch im Stadion Sinn macht. Und zwar hier: Landesliga Berlin, 7te Liga. Sonntag 14 Uhr, Katzbachstadion Berlin. Kroytsberk-Derbi. Türkiyemspor empfängt Hilalspor.

1.  Berlin-Kreuzberg. Über 150.000 Einwohner. Das sind mehr Einwohner als z.B. die Großstädte Paderborn, Regensburg oder Göttingen haben. Wenn dort die Top-Teams der Städte aufeinander treffen, wird der Fußballplatz zum Kosmos einer Gemeinde. So auch am Sonntag, wenn sich die Kreuzberger Großstadt im Katzbachstadion einfindet. Man kennt sich, man neckst sich, man liebt sich. Und in kaum einer Großstadt gibt es so viele Clubs wie in Kreuzberg. Fußballclubs btw. 

Das Wappen von Kreuzberg. Irgendwie strahlt es nicht viel von der hippen Urbanität des Bezirks aus, oder?


2. Türkiyemspor vs. Hilalspor. Schon auf den ersten Blick wird klar, das hier Teams mit sogenannten Neu-Deutschen Background aufeinander treffen. Denn der Kreuzberger Fußball wäre ohne den Impact der Klubs mit türkischen Namen, eben kein Kreuzberger Fußball. So geht es nicht nur um die Rangordnung im Kiez, sondern auch um Prestige. Mavi-beyaz oder yeşil-beyaz. 





3.  Noch mehr Spannung kann ein Derby eigentlich nur bekommen, wenn es auch sportlich noch um etwas geht. Und das ist hier der Fall. Der Zweite der Landesliga nimmt an der Relegation um den Aufstieg in die Berlinliga teil. Beide Teams haben zwei Spieltage vor Saisonende noch die Chance auf den Relegationsplatz. Wenn Türkiyemspor gewinnt, ist ihnen die Relegation nicht mehr zu nehmen. Bei einem Unentschieden oder einem Sieg von Hilalspor wird die Entscheidung auf den letzten Spieltag vertagt.

Landesliga-Tabelle vor dem Derby. Türkiyem und Hilal trennen nur zwei Punkte. (Foto: Screenshot Fupa.net)




4.   Das Katzbachstadion. Kaum ein Stadion ist so idyllisch mitten in der Stadt gelegen. Mitten im Victoria-Park in dem sich Jongleure, Trommler und Trinkfreudige tummeln, bietet es Platz bis zu 5000 Zuschauer. Zu den Hochzeiten von Türkiyemspor hingen bis zu 10.000 Zuschauer buchstäblich in den Bäumen des 1914 eröffneten Rundes. Seit 2010 heißt das Stadion offiziell Willy-Kressmann Stadion, in Erinnerung an den ehemaligen Bürgermeisters des Bezirkes. #groundhopperpoints

Volle Ränge im Katzbachstadion. Hier beim Freundschaftsspiel zwischen Türkiyemspor und dem FC Union am 20. Mai dieses Jahres.


5.    Suçuk im Brot. Jedes Stadion hat so seine Verpflegung, bei den meisten ist es dann doch nur die Rostbratwurst, oder die Boulette. Im Katzbachstadion wartet aber auf StadiongängerIn eine Besonderheit. Suçuk (sprich: Ssud-tschuck) im Brot wird dort angeboten. Eine würzige Knoblauchwurst, die gegrillt in ein Stück Fladenbrot gelegt wird. Bekannt auch aus den Stadien in der Türkei. Süper-Lig lecker. Ein muss-try.

Suçuk in der Google-Bildersuche. Am Stück, geschnitten, roh, gebraten oder mit Ei.


6.   Auch wenn heute die Fans bei Türkiyemspor nicht mehr so sangesfreudig wie in den 80er und 90er Jahren sind. Vielleicht lassen sich trotzdem ein paar Gesänge einfangen. Der heute in allen Bundesligen Stadien geträllerte „lalalalalalalala ohhhhh soundso“ Song, wurde in Deutschland zuerst hier gesungen. Und auch die Wechselgesänge von Tribüne zu Tribüne wurden hier schon kultiviert, als in Bundesligastadion noch monolog angefeuert wurde. Eine Stück Fangeschichte der BRD.

Heute zu Hause in vielen Stadien der Welt. lalalala ooooo


7.   Das Wetter. Es kann in Berlin im Sommer ja auch schon langweilig werden, zwischen Besuchen im Cafe, chillen am Kanal und abfeiern in den Clubs des Bezirkes. Da bietet ein Stadionbesuch eine willkommene Abwechslung. Und im Katzbachstadion wird trotz Derby genug Platz sein, um sich auf der Gegengeraden genüsslich bei einem Efes zu sonnen, oder unter den Bäumen auf der Haupttribüne mit einem Cay zu chillen. Für den Spieltag werden 31 Grad vorausgesagt.
Text-Bild Schere. Die Grafik zeigt 29 Grad, im Text steht 31 Grad. Egal, warm wird es auf jeden Fall. (Foto: Screenshot wetter.com)



8.   Feiern in Kreuzberg. Bis zum nächsten 1. Mai ist es noch eine Weile hin. Der Karneval der Kulturen zog gerade erst durch Kreuzberg und das Bergmannstraßenfest ist erst in ein paar Wochen. Warum dann nicht runter von den Straßen rein ins Stadien, auch hier lässt sich Kreuzberg typisch feiern.




9.   Fußballhighlight. Hertha und Union sind schon in der Pause, auch in der Regionalliga ist die Saison schon vorbei. In der Berlin-Liga hat Blau-Weiß die Meisterschaft schon in der Tasche und auch im Abstiegskampf ist nicht mehr viel Spannung drin. Das macht die Partie zwischen Türkiyemspor und Hilalspor zur Top-Begegnung des Berliner Fußball Wochenendes. 


  

10.   40 Jahre Türkiyemspor. Seit 1978 bringt Türkiyemspor das Fußballgeschäft durcheinander. In den 80er und 90er Jahren wurden Aufstiege und Pokalsiege von Tausenden gefeiert. An die Tür des Profifußballs wurde mehrmals gepocht. Eine Insolvenz ließ den Klub bis in die Siebte Liga abstürzen. Gibt es ein Geburtstagsgeschenk zum Jubiläum? StadionbesucherInnen können das Live miterleben.



11.   Beste Torschützen der Liga. Hilal und Türkiyem lieben das Toreschiessen, zusammen haben beide Klubs bisher 112 mal gerroffen. Dabei ist allein Vahit Engin für 35 verantwortlich. Der 30- jährige Goalgetter von Hilalspor füht auch der Torschützen Liste der Liga an. Auf Platz 2 dann mit 33 Treffern Bekai Jagne von Türkiyem, dessen Einsatz aufgrund einer Verletzung jedoch fraglich ist.   Trotzdem verfügen beide Teams über Torgefahr. Und Tore sind immer gut.


Gooooool. Tor im Katzbachstadion.


12.   Support your local team. Jeden Tag wird der Kampf gegen Rassismus wichtiger, dagegen wird u.a. getanzt, demonstriert und manchmal auch diskutiert. Teams bzw. Vereine wie Türkiyemspor und Hilalspor kämpfen auf ihre eigene Art. Oft wertvoller als Demonstrationen. Die Arbeit dieser Teams kann man unterstützen mit einem Stadionbesuch und dem ein oder anderen Cent am stadiongemäßen Versorgungsstand.  





Sonntag, 3. Juni 2018

We are back - was ist derzeit angesagt?


Nach einer kleinen Funkstille meldet sich Tricks und Märchen des Sports zurück. Wie auch in der Vergangenheit präsentieren wir euch - wie unser Name schon sagt - Tricks und Märchen des Sports. Hierbei berichten wir über aktuelles, schauen aber auch auf die Märchen und Geschichten der Sporthistorie.



Hier ein kleiner Überblick über das, was aktuell angesagt ist:

Alexander Zverev

Brant heiß ist derzeit Alexander Zverev. Das Supertalent des deutschen Tennissports ist heute (03.06.2018) zum ersten Mal in seiner Karriere in ein Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers eingezogen. Bei den legendären French Open in Paris zog er auf unnachahmliche Weise in die Runde der letzen Acht ein. Gegen Karen Khachanov aus Russland feierte er einen 4:6, 7:6 (7:4), 2:6, 6:3 und 6:3 Fünf-Satz-Sieg.

Das erstaunliche daran, bereits in den letzten beiden Spielen ging Zverev über die volle Distanz von fünf Sätzen. An Power mangelt es dem erst 21-Jähren also offensichtlich nicht. In der nächsten Runde wartet nun der Österreicher Dominic Thiem auf Alexander Zverev. Wir sind gespannt ob Zverevs Siegeszug weitergeht.

NBA und NHL Finals

Die Fetzten fliegen derzeit auch in den USA. Nicht allein auf Grund der politischen Ereignisse, sondern auch in der amerikanischen Basketballliga NBA und der Eishockeyliga NHL geht es gerade Rund. Die Finalserien beider Sportarten elektrisieren die Massen.

In der NBA heißt das Finalduell zum vierten Mal in Folge Golden State Warriors gegen die Cleveland Cavaliers. „The King“ LeBron James zauberte im ersten Finalspiel über 50 Punkte auf das Parkett, doch Golden State entschied das Spiel in der Overtime für sich. In der Nacht auf Montag folgt die mit Spannung erwartete nächste Partie.

In der NHL ist Alexander Owetschkin mit den Washington Capitals auf der Jagd nach dem ersten Stanley Cup Erfolg. Die Hauptstädter führen die Finalserie gegen den Neuling aus Las Vegas die Vegas Golden Knights mit 2:1 an.

Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland

Selbstverständlich werden wir auch dieses Jahr Rund um die WM aktiv sein. Die Spannung auf einen grandiosen Fußballsommer ist überall auf der Welt zu spüren.

Türkiyemspor Berlin 1978 e.V.

Der Berliner Fußball Verein feiert dieses Jahr 40. Geburtstag und wir werden einen Blick werfen auf 40 Jahre verrückte Geschichten rund um den Fußball in Berlin.




Der Autor, Rechtsanwalt Vincent Aydin, ist Mitglied von MEA Rechtsanwälte in Kooperation. Rechtsanwalt Aydin vertritt Sie in straf- und zivilrechtlichen Angelegenheiten. Seine Kanzlei befindet sich in der Nähe des U-Bhf. Südstern. http://kanzlei-am-suedstern.de/

Freitag, 13. Oktober 2017

Buchempfehlung "Hooligans"

Seit die rechten „Hooligans gegen Salafisten“ im Oktober 2014 in der Kölner Innenstadt randalierten, stehen sie immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Doch Hooligans entsprechen nicht mehr dem Bild alkoholisierter Fußballrowdys, die Szene hat sich ausdifferenziert. Es gibt inzwischen viele Fraktionen: Gruppen, die sich an sogenannten Drittorten zu verabredeten Matches treffen, durchtrainierte Kampfsportler, die eigene Mixed-Martial-Arts-Turniere veranstalten, oder wie man sie bei der Europameisterschaft 2016 auf Seiten der Russen in Marseille beobachten konnte.



Der rennommierte Fanforscher Robert Claus erzählt in seinem Buch die Geschichte der Hooligans. Sein Fokus liegt dabei auf den aktuellen Entwicklungen. Er analysiert die internationalen Netzwerke und beleuchtet die Verbindungen in die Rocker- und Kampfsportszene in spannenden Reportagen. So ist Claus ein ausführliches Porträt einer Szene gelungen, die einzig ihre Lust an Gewalt eint und über die bislang viel zu wenig bekannt ist.

Zu Wort kommen in seinem neuen Buch ehemalige und aktive Hooligans, Neonazi-Aussteiger, Kampfsportler, Kenner des osteuropäischen Hooliganismus sowie der Rockerszene, Berater von Opfern rechter Gewalt, Polizisten und Politiker, Fanarbeiter, Wissenschaftler, Fußballfans und weitere Experten. So entstand ein detailliertes Bild dieser gewalttätigen und zum Teil rechtsextremen Szene. Ihm ist ein wunderbar sachliches und differenziertes Portrait der Szene gelungen, höchst flüßig zu lesen.

Hier geht es zum Buch beim Verlag.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Update: Außenminister lässt US- Sportlerinnen einreisen

Emma Cannon und Brionne Jones Spielerinnen des russischen Basketball Europaligisten dürfen nun doch in die Türkei zum heutigen Spiel gegen Fenerbahce einreisen. Zuvor war ihnen die Einreise aufgrund eines Einreisverbotes gegen US-Amerikaner verboten worden. Nun hat der türkische Außenminister zu mindestens für Emma Cannon und Brionne Jones ein Außnahme gemacht. 


Am gestrigen Dienstag erschütterte die Nachricht des Einreiseverbotes von Cannon und Jones den russisches Sport. Als Skandal betitelte Klubchef Oleg Hramkin das Einreiseverbot. (siehe Einreiseverbot für US-Sportler )  Auch vorherige Kontaktaufnahme zum internationalen Basketballverband (FIBA) half den Russen nicht. Die türkische Seite stellte sich stur und beharrte darauf, dass seit dem 8. Oktober keine US-Bürger mehr in das Land einreisen dürfen, die nicht über ein zuvor ausgestelltes Visum verfügen. Neue Visa werden an US-Bürger nicht vergeben, heisst es dort.

Das ein Einreiseverbot von Sportlern, aufgrund ihrer Herkunft gegen die Grundlagen des Sport verstößt war den Entscheidern gestern noch egal. Heute jedoch wurde zurück gerudert. Stunden vor Spielbeginn wurde den beiden Sportlerinnen erlaubt ihrem Team hinterher zu reisen. Der Klub Orenburg sah aber davon ab die Spielerinnnen ihrem am Dienstag in die Türkei geflogenen Team nach reisen zu lassen und tritt nur mit einem 8-köpfigen Kader in Istanbul an. Somit bleibt auch weiterhin möglich, das der Klub sich aufgrund der Benachteiligungen durch die türkische Regierung im Anschluß an die Partie an die FIBA wendet um eine Bestrafung des türkischen Klubs bzw. des Verbandes zu erlangen.  

Meldung zum Spiel gg. Fenerbahçe auf der Homepage von Orenburg

US-Sportler aufgepasst


Fakt ist jedoch, das mit Emma Cannon und Brionne Jones zu mindestens zwei Sportlerinnen in die Türkei einreisen durften, während der US-Bann weiterhin besteht und alle US-Amerikaner an den türkischen Grenzen abgewiesen werde, sofern sie nicht über ein Visum verfügen, welches vor dem 8. Oktober erstellt wurde. Für Sportvereine und Sportler gilt bei Reisen in die Türkei gut zu planen. Kontaktaufnahme zur Presse und zum türkischen Außenminister direkt scheinen erfolgsversprechender zu sein als die Kontaktaufnahme zu den internationalen Sportsverbänden, welche anscheinend ratlos dem Visa-Krieg zwischen der USA und der Türkei gegenüberstehen.

Live im Internet

Die Partie zwischen Fenerbahce und Orenburg wird um 19 Uhr (20 Uhr Ortszeit) angepfiffen und auf dem Haussender des Istanbuler Klubs, FB TV, live übertragen.




Ergänzung: In einer älteren Version dieses Artikels gingen wir noch davon aus, das Orenburg versucht nachträglich die Spielerinnen in die Türkei einfliegen zu lassen. Dies stellte sich jedoch im Laufe des Abends als falsch heraus. Die Spielerinnen mit US-Pass blieben zu Hause in Russland. Der Artikel wurde dementsprechend aktualisiert.


Weiterführende Artikel


Am heutigen Dienstag wurde Emma Cannon und Brionne Jones, zwei Spielerinnen des russischen Basketball Europaligisten Nadejda Orenburg, die Einreise in die Türkei verboten. Ihr Team soll am morgigen Mittwoch gegen den türkischen Klub Fenerbahçe antreten. Hintergrund des Einreiseverbotes ist eine Maßnahme der Türkei, die seit Sonntagnacht, die Einreise von US-Bürgern, die nicht über ein vor dem 8.10.2017 erteiltes Visum verfügen verbietet. Ein US-Bann. ...

tumds.blogspot.de - 10. Oktober 2017, Dienstag




Dienstag, 10. Oktober 2017

Einreiseverbot für US-Sportler

Am heutigen Dienstag wurde Emma Cannon und Brionne Jones, zwei Spielerinnen des russischen Basketball Europaligisten Nadejda Orenburg, die Einreise in die Türkei verboten. Ihr Team soll am morgigen Mittwoch gegen den türkischen Klub Fenerbahçe antreten. Hintergrund des Einreiseverbotes ist eine Maßnahme der Türkei, die seit Sonntagnacht, die Einreise von US-Bürgern, die nicht über ein vor dem 8.10.2017 erteiltes Visum verfügen verbietet. Ein US-Bann.

Das Einreiseverbot für US-Bürger ohne Visum ist eine Reaktion der türkischen Regierung, auf die am Sonntag angekündigte Schließung der US-Vertretungen in der Türkei für Publikumsverkehr. In einer u.a. auf Twitter verbreiteten Erklärung, stellt die US-Botschaft fest, dass der Publikumsverkehr für alle Visa, außerhalb der Migrations-Visa vorübergehend eingestellt sei. Damit soll die Sicherheit der Angestellten und der Missionen gewährleistet werden. Dem vorausgegangen war eine Festnahme eines Angestellten des Konsulates in Istanbul. Dem türkischen Mitarbeiter wird, wie so oft in der Türkei, der Vorwurf der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung gemacht. In diesem Falle, wohl die Organisation um den Prediger Fetullah Gülen, der in der USA lebt und von der türkischen Regierung für den gescheiterten Putschversuch 2016 verantwortlich gemacht wird.  Zuvor gab es auch schon im türkischen Adana eine Festnahme eines US-Mitarbeiters.

Homepage von Orenburg mit der Meldung zum Einreiseverbot


Einreiseverbot für US-Bürger


Die US-Botschaft weißt daraufhin, dass türkische Staatsbürger überall auf der Welt weiterhin ein Visum für die USA beantragen können, eben zur Zeit nur nicht in der Türkei und das es sich somit nicht um ein Einreiseverbot gegenüber türkischen Staatsbürgern handelt. Die türkische Seite nahm  jedoch die Teil-Schließung der US-Missionen zum Anlaß, ein fast gleichlautende Erklärung zur verfassen, nur mit dem Zusatz, das alle Visa, für US-Bürger nun nicht mehr erteilt werden. Dies traf nun auch, wie viele Reisende, die beiden Sportlerinnen. Denn bis zum Sonntag wurden Visa für US-Bürger an der Grenze selbst bei der Einreise gegen einen Betrag von 30 Dollar erteilt. Nun ist eine Einreise für US-Bürger in die Türkei nicht mehr möglich. 


Fast wortgleiche Erklärungen der Botschaften, der letzte Satz in der Türkischen führte zum US-Bann


„´Geschenk` Erdogans“


Der russische Klub reagierte verärgert. Der Klubchef Oleg Hramkin bezeichnet gegenüber der russischen Agentur Tas das Verhalten der Türkei als Skandal, will jedoch trotzdem gegen Fenerbahce antreten und geht zudem weiterhin von einem Sieg aus. Auf der Homepage des Klubs, wird die Nachricht über das Einreiseverbot der Sportlerinnen mit „´Geschenk` Erdogans“ betitelt. Im Bericht wird daraufhin gewiesen, dass der Klub sich im Vorfeld an den internationalen Basketballverband (FIBA) wandte, doch von der FIBA an die Türkei verwiesen wurde. Auch wenn Vereinschef Hramkin fest an einen Sieg glaubt, wird sich die FIBA wohl spätestens bei einer Niederlage von Orenburg mit dem Fall beschäftigen müssen. Ein Einspruch gegen die Wertung im Nachhinein scheint fast unausweichlich.

Sportverbände gefragt



Auch andere Vereine müssen ihre Spielerinnen und Spieler noch einmal checken vor einer Reise in die Türkei. Kaum zu glauben, das die Sportverbände diese Vorgehen der Türkei so durchgehen lassen.  Wettbewerbsverzerrung ist hier nur ein Stichpunkt. Desweiteren stellt dies einen Eingriff in die Transferpolitik aller Klubs dar. Auch internationale Sportereignisse in der Türkei stehen nunmehr unter einem schlechten Stern. Die Turkish Airlines Open im November oder der internationale Marathon in  Istanbul im Oktober ohne US-Akteure? Dass der Sport internationaler ist, als es die Politik wahrhaben möchte, zeigte sich zuletzt erst in den USA. Denn selbst Trump musste bei seinen Versuchen einen Muslim-Bann in seinem Land einzuführen vor der Macht des Sportes zurückweichen.  Nationale Sportverbände und das nationale olympische Komitee riefen den US-Präsi schnell zurück.  Dass die nationalen Sportverbände in der Türkei offen die Regierung kritisieren und zu einer Kursänderung bewegen scheint unwahrscheinlich, doch ist mit dem Einreiseverbot von Cannon und Jones das Thema erst mal auf dem Tisch.