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Samstag, 6. August 2016

Olympia Live-TV Einigung in letzter Sekunde

Die olympischen Spiel in Rio 2016 sind eröffnet und die ganze Welt war zugeschaltet. Ob und wie Bewohner der Türkei die Spiele sehen können, war aber bis Freitag Mittag noch unklar. Erst buchstäblich in letzter Sekunde einigte sich Rechteinhaber Saran Group mit dem staatlichen TV Sender TRT, der nun auch Live Bilder im TV aus Rio sendet.


Da bahnte sich eine paradoxe Posse an, wie man sie sich kaum selbst ausdenken könnte. Wie kaum zuvor hat sich das das nationale Olympische Komitee der Türkei im Vorfeld der olympischen Spiele ins Zeug gelegt. Um die magere Medaillenausbeute der Türkei zu beenden, wird auf  eine neue Strategie gesetzt. Devşirme-SportlerInnen sind die neue Kraft in der Türkei.  Dies sind SportlerInnen, die vorher noch nicht für die Türkei angetreten sind, eingebürgert wurden und zu einem großen Teil, auch noch gar kein Türkisch sprechen. Der Begriff Devşirme, bezieht sich dabei auf einen Begriff aus der Geschichte der Osmanen. Die auf Deutsch „Knabenlese“ genannte Politik des osmanischen Reiches, beschreibt die gut 400 Jahre andauernde Rekrutierung, oft Zwangsrekrutierung von nichtmuslimischen jungen Einwohnern des Reiches zum Militär. Viele dieser machten dann erfolgreich militärische Karriere, entrissen ihrer Herkunft und Familien, waren sie durch langjährige Ausbildung mit Leib und Seele dem Militär und seinen Institutionen verfallen.  Im Sportbereich soll dieser Begriff nun für SportlerInnen stehen, die nachträglich für die Türkei eine Startberechtigung erlangt haben. Und trotz seiner rassistischen Note, wird der Begriff in den gängigen Sportmedien des Landes genutzt um die neuen SportlerInnen zu beschreiben. Knapp 25% der teilnehmenden türkischen Sportlerinnen fallen in diese Kategorie. In Zahlen von den 103 im türkischen Team, kommt jeder vierte nicht aus Bursa, Istanbul, Konya oder Ankara, sondern aus Kenia, Jamaika oder Äthophien. Mit der in Nürnberg geborenen Lara Sanders ist im Basketball, sogar eine US-Amerikanerin dabei.




Ziel dieser Maßnahme sollen mehr Medaillen sein, die das Interesse an den Sportarten im Lande fördern sollen und somit langfristig neue SportlerInnen auch in der Türkei generieren sollen. Eine ähnliche Strategie, wurde auch schon letztes Jahr im Fußball gefahren. Auch hier sollte durch die Aufhebung der Kontingente für Ausländer im Team, türkische Spieler motiviert werden und von den Erfahrungen der Migranten profitiert werden.


Sportminister mit am Tisch


Gerade im Bezug auf die Anstrengungen des nationalen olympischen Komitees war die Hängepartie um die Übertragungsrechte jedoch paradox. Was würden  wo mögliche  Medaillen bringen, wenn sie nicht im TV live zelebriert werden würden? Denn noch zwei Tage vor Beginn der Spiele, ließ TRT verkünden, dass es keine Übertragung auf dem stattlichen Sender geben werde. Erst Hashtags bei Twitter, die TRT aufforderten die Spiele zu übertragen, brachten den Sender wohl nochmal an den Verhandlungstisch mit der Saran Group zurück.  Diese richteten aber schon einmal vorsorglich eine You Tube Seite ein, zu der sie im Internet ankündigten, das türkische Sportfans auf jeden Fall in den Genuss einer türkischen Übertragung kämen, zur Not eben auf You Tube. Wieviel TRT im letzten Moment für die Übertragungsrechte nun bezahlen musste wurde nicht bekannt. Aber das die Übertragung zum Schluss zu einem Politikum wurde, zeigt die Danksagung von Selim Usta, dem Chef der Sportabteilung der Saran Group, an den Sportminister des Landes, Akif Çağatay Kılıç. Bedankte wurde sich ausdrücklich für den Einsatz des Ministers während der Vertragsverhandlungen mit dem staatlichen TV.


Eine Nichtübertragung der Spiele wäre ja nicht nur kontraproduktiv für die Ziele des NOC, sondern auch peinlich für die Türkei. Schließlich hatte sich das Land zuletzt mit Istanbul fast jedes mal  seit der Jahrtausendwende  um die Austragung der Spiele beworben (2000,2004,2008, 2012, 2020). Für die Spiele 2020 war Istanbul für die Türkei, sogar erstmals in der finalen Abstimmungsrunde gelandet, scheiterte dann letztendlich an Tokio. Das die Türkei auch bei der nächsten Bewerbungsrunde wieder dabei sein wird, steht so gut wie außer Frage, da wäre eine Nichtübertragung der Spiele aus Rio, schon ein Grund für ein frühes Ausscheiden. Motto: Wer die Übertragung der Spiele nicht hinbekommt, wie kann er sie dann adäquat beheimaten?

Liste aller Broadcaster von #RIO2016



Samstag, 28. Mai 2016

Copa America 2016 beginnt am Freitag



Während die Europäer gespannt auf den EM-Auftakt am 10. Juni 2016 in Paris warten, können sich die Fußballfans auf der anderen Seite des Atlantiks schon eine Woche früher über den Start der Copa America freuen. Am 3. Juni eröffnet der Gastgeber USA gegen Kolumbien das Turnier. Gastgeber USA? Ja, richtig gelesen. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des südamerikanischen Fußballverbandes CONMEBOL findet die Copa erstmals außerhalb Südamerikas statt. 

Turnusgemäß hätte erst im Jahr 2019 die nächste Copa America stattgefunden, doch um den runden Geburtstag standesgemäß zu feiern, beschloss der CONMEBOL eine Sonderausgabe zu veranstalten. Sehr zur Freude aller Fußballfans in Nord- und Südamerika, denn neben dem ungewöhnlichen Austragungsort bietet die Sonderausgabe Copa America 2016 weitere Neuerrungen. So ist es zwar seit 1993 zur Gewohnheit geworden, dass ein oder zwei Gastmannschaften des nord- und mittelamerikanischen Verbandes CONCACAF an der Copa teilnehmen, - auch Japan wurde 1999 schon ein Mal eingeladen - aber in diesem Jahr sind neben dem Gastgeber USA noch fünf weitere CONCACAF-Mannschaften dabei. Costa Rica, Haiti, Jamaika, Mexico und Panama komplettieren das Teilnehmerfeld. Somit gehen erstmals in der Geschichte 16 Mannschaften auf die Jagd nach dem Titel.

Ob es diesmal auch den ersten nicht südamerikanischen Champion geben wird, bleibt abzuwarten.  Mexico - mit zwei Finalteilnahmen die erfolgsreichste Gastmannschaft - könnte den Südamerikaner noch am ehesten die Show stehlen. Die Debütanten Haiti und Panama und auch Jamaika (eine Teilnahme) gehen als krasse Außenseiter ins Turnier. Costa Rica geht in seine fünfte Copa, ist bisher jedoch noch nicht über das Viertelfinale hinausgekommen. Bleiben noch die von Jürgen Klinsmann trainierten US-Boys (drei Teilnahmen). Sicherlich hat der US-Fußball in den vergangenen Jahren enorm zugelegt, aber schon eine Wiederholung des Wunders von 1995, als die USA bis ins Halbfinale einzogen, wäre eine kleine Sensation für den Gastgeber. Wer Klinsmann kennt, weiß, dass er genau solche Momente liebt. Seine Jungs zeigen sich jedenfalls in entsprechender Form. Die Testspiele gegen Puerto Rico und Ecuador gewann die US-Elf souverän.

Turnierfavoriten sind aber andere. Argentinien und Brasilien sind hier immer an erster Stelle zu nennen. Wobei die Brasilianer zuletzt enttäuschten. Seit ihrem Triumph 2007 haben sie das Halbfinale nicht mehr erreicht. In den letzten Jahren haben der wiedererstarkte Copa-Rekordchampion Uruguay (15 Titel) und der von Bayern-Star Arturo Vidal angetriebene Titelverteidiger Chile den Etablierten die Plätze streitig gemacht. Paraguay und Peru haben ebenfalls mit regelmäßigen Halbfinalteilnahmen das gewohnte Bild durcheinander gewirbelt.

Wer bei der Jagd auf den Jubiläumstitel der Copa America live dabei sein möchte, kann alle Spiele im Live-Stream bei ran.de schauen.

Samstag, 19. März 2016

Die unglaubliche Geschichte des Roberto Rojas

Wir befinden uns im Jahr 1989. WM-Qualifikationsspiel zwischen Brasilien und Chile. Mit einem Sieg könnte sich Chile für die Weltmeisterschaft 1990 in Italien qualifizieren. Doch Brasilien führt Mitte der zweiten Halbzeit mit 1:0. Und dann geschieht es, ein Feuerwerkskörper fliegt aus dem Publikum in Richtung Chiles Nummer 1 - Roberto Rojas. Dieser geht sofort zu Boden und hält sich sein Gesicht. Die Kamerabilder zeigen einen blutüberströmten Rojas am Boden liegend. Die Chilenen verlassen daraufhin das Spielfeld und das Spiel wird abgebrochen.



Doch der zunächst so bemitleidenswerte Roberto Rojas  entpuppt sich später als einer der größten Schauspieler in der Fußballgeschichte. Die Auswertung aller Videoaufnahmen belegt, dass der Feuerwerkskörper Rojas gar nicht getroffen hat. Nachdem Rojas zunächst alles geleugnet hat, gestand er 1990, dass er sich die Verletzung mit einer eigens dafür im Torwarthandschuh versteckten Rasierklinge selbst beigebracht hat.

Das Spiel wird 2:0 für Brasilien gewertet und Chile verpasst dadurch nicht nur die WM 1990 in Italien, sondern wird auch für die WM in den USA 1994 gesperrt. Rojas erhielt sogar eine lebenslange Sperre, welche 2001 nach einem Gnadengesuch aufgehoben wird.

Besondere Brisanz hatte der Fall, da Rojas seit 1987 in Brasilien beim FC Sao Paulo spielte. Er wurde von den brasilianischen Medien "zerfleischt". Besser erging es da Rojas "Komplizin" Rosenery Mello. Sie hatte den Feuerwerkskörper geworfen und ging  als  "Fogueteira do Maracanã" in die Geschichte ein. Zudem zierte sie noch im selben Jahr das Titelbild der brasilianischen Ausgabe des Playboys.

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Twitter Top Ten: Real Madrid und Barcelona spitze

Auf den ersten Blick keine Überraschung bei den totalen Twitter Follower Zahlen der Fußballvereine. Real Madrid und Barcelona stehen ganz weit oben in der Gunst der Twitter Community. Stark auch die Klubs aus der englischen Premier League. Vertreten mit gleich vier Vereinen. Zu den spanischen und englischen Klubs gesellen sich dann noch jeweils zwei Klubs aus der Türkei und Brasilien. Teams aus der Bundesliga sind in der #TwitterFollowerTopTen nicht vertreten.

Die internationale Beliebtheit von Real Madrid und dem FC Barcelona steht außer Frage. Nicht nur sportlich spielbestimmend, auch wirtschaftlich sind es die beiden erfolgreichtsen Fußballklubs der Welt. Doch die absoluten Follower Zahlen im Vergleich zur Konkurrenz sind überraschend deutlich. Nur Arsenal, Manchester United und Chelsea zusammen gerechnet würden es schaffen mehr Follower auf sich zu vereinen.


Zahlen beziehen sich ausschließlich auf offizielle Hauptaccounts der Vereine. Follower von anderen offiziellen Accounts der Vereine wurden nicht berücksichtigt.


10 Millionen Follower Vorsprung


Knapp 18 Millionen interessieren sich für Ronaldo und Co. . Barcelona mit über 16 Millionen folgt. Top 3,4 und 5 halten gebührend Abstand. Etwa zehn Millionen User weniger interessieren sich für die Top-Teams der Premier League bei Twitter. Überraschend hingegen ist die hohe Follower Anzahl von Galatasaray und Fenerbahçe. Mit  knapp 6 Millionen Followern ist Galatasaray Top 6 in der Welt. Fenerbahçe mit fast 5 Millionen immerhin noch Top 8. Ebenfalls beachtenswert die brasilianischen Teams Corinthas und Flamengo, die mit jeweils über 3 Millionen Followern zu den Top 10 der Fußball-Twitter Welt gehören.

Top Ten ohne Bayern, Mailand und Turin


Die absoluten Zahlen besonders der Klubs ohne englischsprachigen Hintergrund, sind auch im Bezug auf die User und ihren Sprachhintergrund interessant. Nicht nur das Englisch die Weltsprache ist, auch bei Twitter findet über 50% der Kommunikation auf Englisch statt. Eigentlich ein Vorteil für die Klubs aus der Premier League. Denn Spanisch ist erst nach Japanisch die Nr. 3 im twitterschen Babylon. Trotzdem stehen die spanischen Klubs unangefochten ganz oben. Und das in der Türkei und Brasilien Twitter ein beliebtes Kommunikationsmittel ist nicht erst seit den Straßen Protesten von 2013 bekannt. Doch das jeweils zwei Teams aus beiden Ländern in den Top 10 sind und internationale Top-Marken wie Bayern München, AC Mailand und Juventus Turin hinter sich lassen überrascht. So sind die drei letztgenannten doch alle in der Top-Ten der wirtschaftlich erfolgreichsten Klubs.

Entwicklungsland Deutschland



Twitter fristet in Deutschland ein Schattendasein. So verwundert es nur im ersten Moment das Bayern oder Dortmund nicht in den Top-Ten sind. 2,4 Millionen Follower wie bei Bayern oder 1,8 Millionen wie bei Dortmund reichen eben nicht zur virtuellen Spitze. Dabei scheint bei Bayern zumindestens erkannt worden zu sein, das die Konzentration auf den deutschsprachigen oder deutschaffinen Markt alleine nicht reicht und bietet mit @FCBayernEN oder @FCBayernES offizielle Kanäle in anderen Sprachen an. Doch beide Accounts haben zusammen gerechnet bisher gerade mal 600.000 User generiert. Der @BVB hingegen setzt weiterhin auf Mixed-Content. Hier wird neben dem Deutschen auch auf Englisch getwittert. Richtig erfolgreich war das bisher auch nicht. Platz 21 in der Twitter Follower Liste. So wird offensichtlich weiterhin nach der richtigen interkulturellen Kommunikationsstrategie in der Bundesliga gesucht.

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Bayern Top, auch bei Twitter


Während die Bundesliga gerade gestartet ist, steht der Meister im Twitter Follower-Ranking schon fest. Klar führt hier der FC Bayern vor Borussia Dortmund. Die anderen Teams sind weit abgeschlagen. ...
Hier zum kompletten Artikel

tumds.blogspot.de - 20 August 2015, Donnerstag
© tumds.blogspot.de

Hertha Top im Berliner Twitter Ranking

Was machen die Berliner Klubs außerhalb des grünen Rasens? Wir haben einen kurzen Blick auf die Zahlen bei twitter geworfen. Und das Ergebnis ist ernüchternd. Von den über 400 beim Berliner Fußballverband registrierten Vereinen ließen sich nur 15 Twitter-Accounts eindeutig einem Verein bzw. einer Fußballabteilung eines Klubs (@fuechsefussball) zu ordnen. Und auch die Follower-Zahlen sind niederschmetternd. ...
Hier zum kompletten Artikel

tumds.blogspot.de - 4 August 2015, Dienstag
© tumds.blogspot.de

Du hast Fragen zu den Top Ten? Dann schreibe doch dem Autor.

Donnerstag, 31. Juli 2014

Was hat Einbahnstraßenfußball mit Fußball zu tun?

Einbahnstraßenfußball ist eine schmerzliche Angelegenheit. Wer einmal selbst unter dieser Form des Fußballs litt, wird diese Demütigung nicht vergessen. Natürlich kommt es darauf an auf welcher Seite man steht. Denn praktizierst du mit deinen Ballfreunden den Einbahnstraßenfußball, also seid ihr bist aktiv, spielt ihr euch s in einen Rausch. Es gelingen die unglaublichsten Pässe, Tricks und Aktionen, selbst der schlechteste Spieler in deinem Team ist heute ein Maradona. Der Platz gehört euch, es geht nur in eine Richtung.
Nur genau hier liegt das Dilemma der passiven Einbahnstraßenfußballer. Stehst du einmal auf der falschen Bahn, wirst du hinweggespült und an den Rand gedrängt. Selbst wenn du und dein Team sich mit Händen und Füßen wehren ist alles vergebens. Du rennst wie verrückt und jagst selbst verlorenen Bällen noch nach, doch je mehr du dich anstrengst, je mehr ihr kämpft umso mehr baut ihr den Gegner auf, verliert an Kraft und gebt eurem Gegner neue Räume. Es ist ein psychologischer Moment, der hier regiert. Jeder kleinste Fehler macht dich nur nervöser. Das ganze Team steckt fest in einem Perpetuum mobile der Hilflosigkeit.

Egal wo und egal was drauf steht. Diese Schilder erkennen alle. Aber nutzen Sie auch im Fußball was?

Darum werde ich nie ich meinen ersten Einsatz für das Neuköllner Straßenteam „Red Zombies“ vergessen. Obwohl! Eigentlich kann ich mich an nichts erinnern, außer an die Minuten vor meinem Einsatz. Die Zombies entstanden Ende der 80´er Jahre in der fußballfeindlichen Westberliner Alternativszene und kickten sich zuerst durch schrammelige Mottoturniere. Der große Wurf gelang mit der Teilnahme am regulären Spielbetrieb der Berliner Uni-Liga in den 90´er Jahren. Mein Studienfreund und ich waren gerade neu dabei. Nachdem wir an diversen Trainingseinheiten teilgenommen hatten und warteten wir nun an der Bande in frischen Trikots mit kryptischen Rückennummern, wie „der liegenden Acht“ und „666“, auf unseren Einsatz in einer Dahlemer Sporthalle. Unser erstes Spiel beginnt. Anstoß Zombies. Ein direkter Pass in den Fuß des Gegners - 0:1. Erneut Anstoß Zombies, der zweite Pass und 0:2. Nach 32 Spielsekunden zeigt die vermaledeite Anzeigetafel in leuchtend roten Lettern: 0:3. Mein Bankgenosse und ich sehen uns seufzend tief in die Augen. Irgendwann kam auch ich zu meinem Einsatz. Dabei fühlte ich mich wie eine Ameise, die ein nerdiger Teenie zum Spaß aus einem Ameisenhaufen in einen fremden transportierte. Ich wurde rumgeschubst und lief gegen andere Ameisen. Ich fühlte mich ausgestoßen und fehl am Platz.

Früher nannte man die Einbahnstraße: Einrichtungsstraße. Auch passend, denn es geht nur in eine Richtung, ob man nun will oder nicht. An Tagen wie diesen gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder ergibt man sich seinem Schicksal oder man lässt die aufkommende Aggressivität raus. Doch auch dies baut den Gegner weiter auf und jede Äußerung oder Aktion wird ironisch kommentiert und schlimmstenfalls direkt mit Toren bestraft. Die erlebte Verletzung steigert sich in eine schützende Ohnmacht. So gibt es nur nur eine Chance: Aus einer Einbahnstraße kommt nur raus wer mitschwimmt. Ist Aufgeben auch verpönt im Fußball, so ist die aus der Psycho-Therapie bekannte Problemakzeptanz ein erster wichtiger Schritt. Deshalb werden in unteren Ligen Einbahnstraßen-Spiele schon mal vom Schiedsrichter abgebrochen, wegen erdrückender Überlegenheit. Zu Recht! Denn Einbahnstraßenfußball hat eigentlich nichts mit mehr mit einem Fußballspiel zu tun.Es ist eher ein Training, mit einem angeschlagenen Sparrings-Partner.

Siehe auch Brasilien vs. BR Deutschland Halbfinale WM 7:1.Nett zu sehen hier im Video von BBC. Um die Trainingsperspektive zu verdeutlichen wurden die brasilianischen Spieler einfach heraus retuschiert.



Montag, 30. Juni 2014

Ein würdiger Abschied

Chile verlangte Brasilien alles ab. Am Ende entschied das Glück.

"Schade, Chile, sehr schade", möchte man dem team hinterher rufen. Denn Gastgeber Brasilien hatte mit dem voller Einatz und Leidenschaft aufspielenden Team aus Chile im Achtelfinale der WM jede Menge Schwierigkeiten. Chile stellte sich nicht hinten rein, sondern biss sich in die Zweikämpfe und spielte stets schnell nach vorne. Doch leider klatschte der Schuss von Pinilla in der 116. Spielminute geradeaus an die Latte, bevor kurz darauf das entscheidende Elfer-Schießen anstand. Wie das ausging, ist bekannt. Adios Chile, ihr habt Spaß gemacht!

Mittwoch, 25. Juni 2014

Brasilien vor dem Aus!

Chile schreitet weiter im Turnier voran und trifft im Achtelfinale auf das Team des Gastgebers vom Zuckerhut. Schade eigentlich, dass Neymar & Co. so bald "nach hause" fahren, tut es Turnieren doch meistens gut, wenn die Heimmannschaft weit kommt. Doch dafür hätte das Team von Felipe Scolari den in der Vorrunde groß auftrumpfenden Chilenen aus dem Weg gehen müssen. Nun könnten unsachliche Statistik-Nerds einwenden, die Länderspielgeschichte der beiden südamerikanischen Länder spreche nicht gerade für einen Sieg der Blau-Rot-Weißen. Denn aus den 68 Partien ging Chile nur sieben Mal als Sieger vom Platz, holte 13 Unentschieden und ... verlor halt auch des Öfteren. Und ja, sowohl 1998 in Frankreich als auch 2010 in Südafrika bedeutete das Achtelfinale gegen den Rekordweltmeister jeweils das Aus. Na und, das ist Geschichte! Denn wer hat den amtierenden Weltmeister Spanien mit Laufbereitschaft und Spielwitz aus dem Turnier vidalt? Chile! Und wer wirds mit den Brasilianern ähnlich tun? Watch yourself: Samstag, 28.06., 18 Uhr in Belo Horizonte.

Sonntag, 22. Juni 2014

Der zweite Streich

Während Chile noch immer über den klaren Sieg gegen Spanien jubelt, ist hier mal Zeit für Klugscheisserei. Dazu ein Zitat aus dem Vorbericht aus diesem Blog: "Wenn die 20. Fußball-WM der Herren am 12. Juni beginnt, ist es einfach auf die „Großen“ zu setzen. Und zeugt eher davon, medial beschwatzt worden zu sein, als sich an die unübersehbaren Fakten zu halten", hieß es da und sprach Wahrheit. Spaniens Leistung war das Flugticket nach Brasilien nicht wert und die tattoowierte Gang um Arturo Vidal hat dies überdeutlich gemacht. Weitere Demonstrationen werden folgen. Denn das Team ist topfit, rannte gegen Spanien 136 Kilometer und damit 9 mehr als Spanien. Als nächstes warten die Niederlande im Spiel um den Gruppensieg. Je nach Ergebnis geht es im Achtelfinale dann gegen Brasilien, Mexiko oder Kroatien, welche alle noch um die Plätze in der Gruppe A spielen, während Kamerun dort bereits ebenso nach hause fährt wie Spanien und Australien. Es bleibt spannend.

Dienstag, 10. Juni 2014

Argentina - Wo Fußball mehr ist als eine Religion

Bei uns bzw. bei denen „ist Fußball wie eine Religion“. Wie oft hat man dieses Satz schon gehört, gilt er doch bei Brasilianern ebenso wie bei Südafrikanern, Kroaten oder – vergleicht man die schwindende Anzahl der Kirchgänger mit den steigenden Zuschauerzahlen in der Bundesliga – am Ende auch bei uns Deutschen.

Ein Tag in Buenos Aires jedoch zeigt, dass Fußball auch mehr sein kann als Religion. Fußball ist überall, Fußball ist Thema Nr. 1, Fußball ist alles, was zählt. Die Stadt, die als Welthauptstadt des Fußballs gilt, atmet Bälle, Taktiken und Spielzüge. Vierzehn der zweiundzwanzig Vereine der ersten argentinischen Liga kommen aus Buneos Aires und jeder einzelne wird hingebungsvoll vergöttert, sei es River Plate, die Boca Juniors oder auch „kleinere“ Vereine wie Racing oder Independiente. Welche Magie dieser geballte Fußballwahn ausübt, aber auch welche Konflikte dadurch in einer Stadt mit gefühlt 500 Derbys pro Saison aufkommen, zeigt z.B. die Dokumentation „Ekstase und Schock – Die Fußballhauptstadt Buenos Aires“ recht eindrucksvoll.

Aber all die Rivalität, die der argentinische Fußball nach innen ausstrahlt, wird in den nächsten Wochen keine Rolle spielen, denn da thront über allem nur eines: La Albiceleste! Stellt man sich vor, all die Energie, die die Argentinier in ihren alltäglichen Fußball einbringen, wird für vier Wochen gebündelt und auf die „Weiß-Himmelblauen“ übertragen, muss einem fast Angst und Bange um eine ganze Nation werden, egal was passiert. Wie das dann auf den Rängen aussehen kann, sieht man z.B. in Ansätzen hier (Man beachte den prominenten Mitsinger und den verdutzten Holländer):

 
Ein weiterer Grund, warum Fußball in Argentinien mehr ist als eine Religion, zeigt sich in der Verehrung ihrer Gottheit. In den Straßen von Buenos Aires hängt sie in jedem Laden, ziert 9/10 aller Souvenirs und strahlt von jeder Hauswand. Die Rede ist von „El Diez“, „Pibe de Oro“, der „Hand Gottes“, the one and only: Diego Armando Maradona. Dem kleinen, leicht pummeligen Ballkünstler mit dem Hang zu leistungsfördernden und bewusstseinserweiternden Mittelchen wird eine Vergötterung zuteil, der der Begriff kaum gerecht wird, da wohl jeder Gott dieser Welt im Verhältnis nur neidisch sein kann. Und auch die große Anzahl der „Maradonistas“ rund um den Globus unterstützt die Annahme, schaut euch nur mal die Anzahl der Diegos an, die heute in Neapel registriert sind und jeden Morgen das "Diego unser" beten. Es gibt nicht nur ein Lied über Maradona, es gibt sogar eine „Top Ten der besten Lieder über Maradona“. Mein Favorit ist Manu Chao, „La vida tombola“. Das Leben ist eine Lotterie. Treffsichere Poesie.
Heute, so könnte man meinen, sollte längst ein anderer argentinischer Fußballer den Gottesstatus erreicht haben: Lionel Messi. In den letzten Jahren (abgesehen von diesem) stets zum besten Fußballer des Universums gekürt, ist er prädestiniert dafür, Maradona vom Gottesthron zu stoßen. Allerdings wollte ihm das bisher nicht so recht gelingen, konnten die Leistungen von „La Pulga“ (dem Floh) im Dress der Albiceleste doch nie so richtig an die beim FC Barcelona anknüpfen. Ob es am hohen Erwartungsdruck oder dem abweichenden Spielsystem liegt, weiß keiner genau. Aber es wird definitiv Zeit, dass sich das ändert. Der wertvollste Spieler der Welt ist er weiterhin mit großem Abstand – Da kann CR7 so viel posen, wie er will und Real noch so viel für ihre walisische Elfe hinblättern.
So, genug Blabla. Kommen wir zur entscheidenden Frage hier bei der VAHA-WM: Warum wird Argentinien Weltmeister? Dazu gibt es ein paar Hypothesen:
Hypothese 1 – Übernatürliche Kräfte
Wie schon im ersten Absatz beschrieben, lässt sich für unsereins kaum erahnen, welche Energie und grenzenlose Euphorie bei den Fans der „Gauchos“ (nennt sich oder die Mannschaft in Argentinien keine Sau) freigesetzt wird, wenn es endlich los geht. Schlagkräftig ist die Unterstützung bisweilen auch. Wenn dazu auch noch der Übergott mit Sixpack antanzt und den Sieg prophezeit kann eigentlich kaum noch was schiefgehen. 
Hypothese 2 – Der Südamerika-Faktor
Fakt 1: Weltmeisterschaften in Südamerika können nur südamerikanische Teams gewinnen.
Fakt 2: Brasilien kann zuhause keine WM gewinnen.
Fakt 3: Argentinien ist mindestens die zweitbeste Mannschaft Südamerikas.
Fakt 1+2+3= Argentinien wird Weltmeister
Nicht zu vergessen, die Rivalität zwischen beiden Mannschaften und wie süß der Erfolg schmeckt, wenn der Cup im Land des Erzrivalen geholt wird.
Hypothese 3 – Die ÜberOffensive
Ein schöner Vergleich ist bspsw. die Stürmer-Spalte im deutschen und argentinischen Kader. Unserem alten Haudegen Miro Klose stehen auf argentinischer Seite Namen wie Gonzalo Higuaín, Ezequiel Lavezzi, Sergio Agüero und natürlich Messi gegenüber. Einen Carlos Tevez ließ man gar ganz galant gar zuhause. Ein Traum, sich so etwas leisten zu können. Dahinter lauert unter anderem Angel di Maria, für mich der überragende Akteur im Champions League Finale. Und auch wenn sich die Defensive nicht ganz so prominent liest, sind mit Zabaleta und Garay auch zwei Kanten dabei, auf die kaum ein Team der Welt verzichten könnte.
Hypothese 4 – It’s Messi Time
Hört sich im ersten Moment komisch an, aber Messis kleines Tief in der vergangenen Saison könnte der ausschlaggebende Faktor für Argentiniens dritten WM-Titel werden. Es ist ein wenig ruhig geworden um den kleinen Floh, was wiederum zur Folge haben könnte, dass er endlich einmal entspannt aufspielen kann, ohne die maradonsche Last auf seinen Schultern. Außerdem hat er nach dem verlorenen Goldenen Ball noch etwas gut zu machen. WM-MVP wäre da doch schon etwas. Und wer sonst, als Lionel Messi hätte diesen Titel verdient (ohne jetzt gespielt zu haben)? Neymar? Ich geh mal kurz brechen.