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Sonntag, 25. Oktober 2015

Antalya-Arena: Sonnenstadion in der Touri-Hochburg

Der türkische Erstligist Antalyaspor hat ab Montag ein neues zu Hause. Der Liga-Achte empfängt dann den Tabellenführer Beşiktaş in der frisch fertiggestellten Antalya Arena. Die ovale Sportarena im Zentrum der Tourismusregion der Türkei, wurde in knapp zwei Jahren erbaut und ist weltweit das  Stadion welches am meisten Energie produziert. In Antalya natürlich per Sonnenenergie.

Screenshot: Blick auf die Antalya-Arena und die Solarzellen auf dem Dach

Die Heimatlosigkeit, des mit internationalen Stars wie Eto gespickten Süperligisten Antalyaspor hat ab dem 26. Oktober 2015 ein Ende. Das seit Juni 2013 im Bau befindliche Stadion, wird nun mit 192 Tagen Verspätung eröffnet. Der Baufirma werden dafür auch gute 7 Millionen türkische Lira wegen Terminversäumnis in Rechnung gestellt, bei insgesamten Baukosten von 79.400.000 türkischen Lira ( ca. 24.800.000 Euro). Länger als die Bauzeit gestaltete sich jedoch die Planungsphase. Ausschreibungen wurden veranstaltet, gerichtlich zurückgezogen, neu ausgeschrieben und wieder zurückgezogen. Das Bauland wechselte den Besitzer, wechselnde Stadtverwaltungen unterstützten mal die Planungen oder torpedierten sie. Letzoendlich wurde das Ministerium für Jugend und Sport des Landes Bauträger und die Ausschreibung stellte das staatliche Bauunternehmen TOKI aus.

Neue Heimat für Antalyaspor

Nutzniesser ist nun vornehmlich Antalyaspor. Passend dazu die Farben der Sitzschalen. Rot-Weiß wie Antalyaspor strahlt der neue Fußballtempel. Das Stadion ist eng und steil gebaut. Angelehnt an die Steilen Tribünen in antiken Arenen.Das kann bei ausverkauften Haus auch stimmungsmäßig interessant werden. Ob dies bei der Eröffnung heute Abend (20 Uhr Ortszeit) erreicht werden kann scheint fraglich.  Der Ticket-Verkauf über das elektronische Ticketsystem Passolig läuft nur schleppend. Über 20.000 Zuschauer sollten beim Auftritt von Beşiktaş dann doch zusammenkommen. Das wäre dann immerhin eine Auslastung von ca.70% bei einer Kapazität von 33.032 Zuschauern. Den großen sportlichen Auftritt dürfte der Arena dann mit der Austragung des türkischen Pokalendspiels am 25. Mai 2016 beschert werden. Dann ohne Passolig und wahrscheinlich vollen Rängen.

Streitpunkte

Auch mit Abschluß der Bauarbeiten verstummt die Kritik nicht, dabei stehen nicht nur die politischen Wirren im Rahmen der Bauplanung und Durchführung unter Kritik. Denn Antalya ist nicht nur Tourismus-Hochburg, sondern auch besonders im Winter Fußball-Hotspot. Un kaum einem anderen Platz der Welt geben sich so viele Fußballteami beim Winter Trainingscamp die Klinke in die Hand. Mit einem dementsprechend nach internationalen Standards ausgerichteten Stadion könnte Antalya sich noch mehr in Szene setzen. Doch die Kapazität der neuen Arena reicht noch nicht einmal für die Mindestkriterien der UEFA. Weiterer Kritikpunkt ist der Standort. Im Gegensatz zum weltweiten Trend Fußball-Arenen aus den Stadtzentren an die Peripherie zu versetzen, wurde hier im Zentrum der Stadt der neue Sporttempel errichtet. Eine Verstärkung des bestehenden Verkehrschaos befürchten die Kritiker. Die Fans hingen freut dies, so entwickeln Stadien in Stadtzentren doch auch durch die Anbindung an Wohn- und Geschäftsviertel, also dem Leben in einer Stadt, eine gänzlich andere Athmosphäre, als die Satelliten auf der Wiese. Zudem wird die ad-hoc Eröffnung in Frage gestellt. Das Stadion sei ungenügend fertiggestellt, so habe der Sitzeinbauer in quasi letzter Minute den Einsatz der Sitzschalen vollzogen, jedoch die einheitliche Farbgebung in der Hektik vernachlässigt. Außerdem wäre ein adäquater Test auf dem neuen Belag für das Team nötig gewesen. Nun wird live bei der Premiere getestet. Gewünscht wäre hier eine geplante Eröffnung mit Vorlauf für Team und Verein, so daß mit einem internationalen Gast eine echte Eröffnungsfeier hätte geplant werden können. Nicht unter ferner liefen im aktuellen Spielbetrieb und in Konkurrenz zu DEM DERBY Fenerbahce – Galatasaray.

Athmosphäre siegt

Bei all der Kritik gerät eine Besonderheit schnell außer Sicht. Die Antalya-Arena produziert ihren eigenen Strom. Mit den 1.4 Megawatt Solarzellen auf 12.000 Quadratmetern der Dachoberfläche wird nicht nur an einem Tag soviel Energie erzeugt wie das Stadion in einem Monat verbraucht, es ist auch mit einer Leistung von 7200 kw pro Stunde der Sportkomplex, der am meisten Strom produziert, weltweit. So lassen sich beim Fußball in Antalya neben Liga oder Groundhopper Punkten ab jetzt auch CO2- Punkte sammeln.

Info-Video zum Stadion Antalya-Arena

Freitag, 3. Juli 2015

Türkei: Top 5 der Sommerpausen-Skandale

Deutschsprachige Sportmedien hatten mit der U21 EM und der Fifa-Weltmeisterschaft 2015 genug Themen um den Start der Sommerpause zu überbrücken ohne ausschließlich auf Transfergerüchte eingehen zu müssen. Türkische Medien hatten es hier um einiges schwieriger. Die etlichen Sporttageszeitungen und die boulevardesken Sportseiten der Tagespresse sind wie gewohnt gefüllt mit den abenteuerlichsten Storys aus dem Transferdschungel. Da lockern Sommerpausen-Skandale die Stimmung auf. Wir haben die Top 5 der letzten Tage zusammengefasst.

Top 5: Alkohol-Krise

Der frischgebackene Aufsteiger in die Süperlig Antalyaspor aus der Tourismus Hochburg des Landes macht vor wie man es nicht machen sollte. Eine Delegation von Vereinsverantwortlichen war unterwegs um den Transfer mit Altstar Eto´o abzuschließen. Standesgemäß in einem extra angeheuerten Flieger. Vom Flug wurden Fotos veröffentlicht, welche gut gelaunte Vereinsbosse zeigten. Doch auf einem Foto waren nicht nur fröhliche Gesichter zu sehen. Die Führungsriege saß um einen gut gedeckten Tisch. Schon ein Foto von essenden Verantwortlichen während des Fastenmonates Ramadan hätte für genug Wirbel gesorgt. Doch anscheinend stießen die glücklichen Funktionäre noch mit Sekt auf den anstehenden Deal an. Und Alkohol mitten im Ramadan ist nun mal für viele in der Türkei ein absolutes No-Go. So muss sich Antalyaspor trotz der spektakulären Verpflichtung mit scharfer Kritik auseinandersetzen. Antalyaspor sucht wohl jetzt eine/n Social-Media-BeraterIn.

Screenshot: Facebook-Seite der Sportzeitung Fanatik: Feiernde Funktionäre mit Alkohol im Ramadan?



Top 4: Fahnenkrieg

Es ist eine Tradition in Istanbul, das Fans der Meisterklubs die Bosporus-Brücke entern und nach der gewonnen Meisterschaft eine Vereinsfahne aufhängen. Früher illegal in Nacht und Nebel Aktionen auf der windigen und wackligen Brücke. Stadtverantwortliche kapitulierten jedoch schnell vor der anarchistischen Liebe der Fans zu ihren Klubs. So dürfen die Fans in Feierlaune nun schon seit Jahren mit offizieller Erlaubnis ihren Verein auf diese Weise prominent ins Stadtbild bringen. Traditionell wehten dann auch mit dem Gewinn der Meisterschaft die Farben Galatasarays von der Verbindung zwischen Europa und Asien. Doch am Mittag des 20. Juni schmückten die Farben rot und grün statt rot und gelb das Stadtsymbol. Fans des Klubs Karsiyaka aus Izmir hatten die Erlaubnis bekommen ihre Vereinsfarben zu präsentieren um die Meisterschaft im Basketball auch in der Bosporusmetropole gebührend darzustellen. 28 Jahre mussten die Fans aus Izmir auf diesen Moment warten. Und während der Fußball in Izmir sich zwar weiterhin großen Fanzuspruchs erfreut, spielen die Klubs aus der drittgrößten Stadt des Landes doch schon lange keine Rolle mehr im Erstliga-Fußball des Landes. So ist die Meisterschaft im Basketball nach dann auch für die gebeutelten Fans aus der Ägäisstadt eine Party-Höhepunkt. Des einen Freud des anderen Leid. Während die farbenmäßige Eroberung Istanbul in Izmir gefeiert wurde, waren Istanbuler Fans entsetzt über die Entweihung. Fans von Fenerbahce brachten flugs die Istanbuler Farbenwelt wieder in Ordnung. Wie früher in einer Nacht und Aktion wurde die Fahne abgeschnitten und entsorgt.

Da war die Istanbuler Sportwelt noch in Ordnung. Galatasaray Fahne hängt an der Bosphorus-Brücke


Top 3: Enes Kanter-Krise

Schon wieder Basketball: Die EM steht im September an und auch der türkische Auswahltrainer Ergin Ataman gab sein Team bekannt und die sozialen Medien liefen heiß. Enes Kanter, der bei Oklahoma City spielende NBA-Star stand erneut nicht im Aufgebot. Hintergund ist ein lange schwelender Konflikt zwischen Spieler und Verband. Wer hier wen und wann berufen oder eine Einladung ausgeschlossen hat gerät bei der Debatte schnell in den Hintergrund. Denn Enes gilt als Anhänger des religiösen Predigers Fetullah Gülen. Die Gülen-Gemeinde, steht jedoch seit bald zwei Jahren in einer politischen und juristischen Auseinandersetzung mit der türkischen Regierungspartei AKP. Die einstigen Bündnispartner diffamieren sich öffentlich auf verschiedenen Kanälen, gegen die Gemeinde läuft aktuell sogar ein Ermittlungsverfahren aufgrund des Verdachtes der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Enes Kanter meldete sich per twitter mit einer Eklärung zu Wort. Hier kritisiert er die verbandsentscheidung und macht sich sorgen um die Zukunft der Türkei. Ebenso bestreitet er ein unterstelltes Desinteresse am Auswahlteam und führt seine Nicht-Berufung auf seine Werte, an die er glaubt, als auch auf seinen politischen Standpunkt zurück. Auch wenn ihn die Türkei nicht haben will, steogt der gebürtige Züricher in den NBA-Olymp auf. Sein Klub soll ihm ein Vertragsangebot unterbreitet haben, nachdem er im Jahr 15 Millionen Dollar bekommen soll. Damit wäre er unter den Top-Verdienern der Branche, auch ohne Auswahlberufung.

Erklärung von Enes Kanter zu seiner Nicht-Berufung in die türkische Auswahl


Top 2: Hundefeind Fatih Terim?

Kaum ein Tag vergeht an dem Fatih Terim, Trainer der türkischen Fußballauswahl, nicht in den Medien seine Meinung zu Zustand und zur Zukunft des türkischen Fußballs kundtut. Doch selten wurden Fatih Terims Äußerungen in den sozialen Medien so sehr diskutiert wie dieser Tage. Nur stand nicht sein Fußballsachverstand im Diskussionsmittelpunkt. Die Beilage „Makaron“ der türkischsprachigen Tageszeitung Vatan schlagzeilte mit einer Story, in der Fatih Terim, in seinem neuem Sommerhausdomizil in Çeşme Straßenhunden den Kampf ansagt. Offensichtlich fühlte sie der Trainer von Hunden in der Umgebung gestört. So soll er zuerst Druck auf Hundehalter in der Umgebung aufgebaut haben, mit dem Ziel die Hunde entfernt von seinem Ferienhaus zu halten. Doch damit nicht genug, so soll Fatih Terim über seine Angestellten geäußert haben, dass auch die von den Nachbarn gefütterten Straßenhunde weg sollten, sonst würden sie auf der Autobahn landen. Von der Homepage der Vatan verschwand der Artikel ganz schnell nach Veröffentlichung und fand über nur die gedruckte Ausgabe und soziale Medien seine Verbreitung. Tierfreunde im ganzen protestierten. Der Autor Öncel Özicer reagierte auf die Zensur seines Arbeitgebers per twitter und bekundete hinter dem Artikel zu stehen und verbürgte sich für seinen Wahrheitsgehalt. Fatih Terim hingegen meldete sich über die Tageszeitung Hürriyet zu Wort und stritt alle Vorwürfe vehement ab.

Foto der Printausgabe von "Makaron" und der Titelgeschichte um angebliche Hundefeindliche Äußerungen von Fatih Terim.


Top 1: Der Prozeß

Ein richtiger Skandal befindet sich auf Top 1. Ein Skandal der sowohl Sportmedien, als auch politische Medien im In- und Ausland beschäftigt. Der Prozeß gegen Çarşı, die größte Fangruppe von Beşiktaş Istanbul, aufgrund von Putschvorwürfen und Terrorverdächtigungen, ist nicht nur in seiner Ausrichtung einmalig. Auf solche Art stigmatisierte Fangruppen sind wohl hauptsächlich aus Ägypten bekannt. Skandalträchtig ist nicht nur das Verfahren an sich: Anklageschrift, Zeugenaussagen und Richterwechsel sind auch für das arg strapazierte türkische Rechtssystem in der Häufigkeit außergewöhnlich. Nun fand die 3. Sitzung des Verfahrens am letzten Freitag statt. Und nach zehn Minuten hatte der Skandalprozess, seinen nächsten Skandal. Denn das Verfahren wurde erneut flugs vertagt. Verwunderung bei allen Beteiligten, doch die Fans lassen sich wohl nicht unterkriegen. Der Berliner Prozeßbeobachter, Bundestagsabgeordneter Özcan Mutlu, fasste seine Eindrücke auf twitter zusammen und postete ein Kurzvideo vom Auszug der singenden Fangruppe aus dem Gerichtsgebäude.