Mittwoch, 15. Juni 2016

EM-Sponsor wird zensiert

Der de-facto geteilte Inselstaat Zypern nimmt zwar nicht an der Europameisterschaft teil, denn wie gewohnt wurde die Quali-Phase nicht überstanden, doch sorgt Zypern für eine Krise bei der UEFA. Denn kurzerhand greift der öffentlich-rechtliche Sender CyBC und Rechteinhaber für Zypern in die zentrale Übertragung der EM ein und zensiert die Werbeeinblendungen des offiziellen EM-Sponsors Turkish Airlines.

Überall auf der Welt ist die Übertragung der Europameisterschaft gleich. Logos und Einblendungen werden durch den Rechteinhaber der UEFA und seiner Vermarktungsagentur CAA11 vorgegeben und sichern einerseits eine unverwechselbare internationale Übertragung, als auch eine weltweite einheitliche Vermarktung. Nur eben nicht in Zypern. Cyprus Broadcasting Corporation, kurz CYBC, weigert sich die Einblendungen des Sponsors entgegen der Rechtslage auszustrahlen. Die Sendeanstalt sendet anstatt dessen zu bester Sendezeit spezielle Spots und zensiert somit die Werbung der türkischen Luftfahrtgesellschaft. Dies hat die Sendeanstalt schon zeitnah nach Bekanntgabe der Sponsor Partnerschaft von Turkish Airlines im Dezember 2015 per Brief  der UEFA und CAA11 mitgeteilt. Sportchef des Senders, Savvas Aristodimonou, nannte gegenüber der griechisch-zypriotischen Presse rechtliche und politische Gründe für die ungewöhnliche Maßnahme, mit der der Sender millionenschwere Regressforderungen provoziert.  


Flughafen Ercan in Nordzypern provoziert Konflikt bei EM
Foto by UnicornuS - Turkish Wikipedia GFDL


Zypernkonflikt trifft UEFA


Hintergrund dieser einmaligen Zensurmaßnahme ist der seit den sechziger Jahren schwelende Zypernkonflikt. Der nach einem griechisch-zypriotischen Militärputsch in den 70er Jahren eine ebenso militärische Reaktion der Türkei hervor brachte, die zum Einmarsch des türkischen Militärs auf die Insel führte, mit dem Ziel die türkisch-zypriotische Minderheit zu schützen. Infolge dessen wurde die Insel in zwei Teile gespalten. In den griechisch-zypriotischen Südteil und den türkisch-zypriotischen Nordteil. Der Süden gilt bis heute offiziell als Zypern und hat den Anspruch das ganze Land zu regieren, die türkische Republik Nordzypern ist auf dem von der türkischen Armee besetzen Nordgebieten des Landes installiert, wird aber als Land nur von der Türkei anerkannt. Zudem sind noch UN-Friedenstruppen und eine britische Garantiemacht auf der Insel mit Truppen zugegen um den wackeligen Frieden zu sichern.  

Internationaler Flughafen stört


Aktueller Stein des Anstoßes für CyBC ist der internationale Flughafen Ercan im Norden des Landes, der zwar nur aus der Türkei und von Fluggesellschaften mit Sitz in der Türkei angeflogen wird, jedoch international ebenso wie das Land an sich nicht anerkannt wird. Zypern, also der Südteil beansprucht die einzige Instanz zu sein, der es erlaubt ist internationale Häfen und Flughäfen auf der Insel zu betreiben. In dem Brief an die UEFA erklärt CyBC die Zensur dann auch eindeutig mit der politischen Lage des Landes. Der Flughafen sei illegal, auf Gebiet von griechischen Zyprioten errichtet worden und Turkish Airlines würde den Flughafen illegaler Weise anfliegen, bzw. sei auch bei der Errichtung des Flughafens unterstützend tätig gewesen. Unterstützt wird diese Maßnahme wohl auch von Seiten der griechisch-zypriotischen Politik. CyBC berichtet das u.a. Regierungsprecher Nikos Christodoulides in den Prozess eingeweiht sei.

Wachtürme und Mauern trennen Südzypern und Nordzypern



CyBC torpediert Friedensverhandlungen


Turkish Airlines ist die erste Fluggesellschaft die als Sponsor der Europameisterschaft fungiert. Im Rahmen der Partnerschaft werden alle Teams der EM zu den Spielten in Maschen der türkischen Gesellschaft geflogen. Eine Teilnahme Zyperns an den Spielen hätte einen womöglich noch größeren Konflikt provoziert. Kaum vorstellbar , das das griechisch-zypriotische Team sich in Maschinen von Turkish Airlines gesetzt hätte, wenn schon Werbespots nicht tolerierbar sind. Zudem setzt CyBC nicht nur Turkish Airlines unter Druck, sondern auch die seit 2015 laufenden Friedensverhandlungen beider Seiten, die durch die Präsidenten des geteilten Landes Nicos Anastasiades und Mustafa Akinci geführt werden.  Und nicht nur Turkish Airlines ist von der eigenwilligen Sendepolitik betroffen, auch Carlsberg Spots gibt es in Zypern nicht zu sehen. Hier ist der Grund freilich banaler. Auf Zypern, also im Südteil, ist Alkohol Werbung im Tagesprogramm einfach nicht gestattet. 

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