Montag, 5. Oktober 2015

Staatsanwalt fordert Freispruch im Spielmanipulationsprozess

Es geht um sehr viel, bei der Wiederaufnahme dieses Verfahrens. Fenerbahçe-Boss Aziz Yıldrım und fünf weiteren Mitangeklagten wird vorgeworfen für Spielmanipulationen in der Saison 2010/2011 verantwortlich gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft fordert nun heute Freispruch für den Chef des Traditionsklubs aus Istanbul. Am 9. Oktober wird eine Entscheidung erwartet, bei dem Prozess der die türkische Sportwelt seit 2011 beschäftigt.

In erster Instanz wurde Aziz Yıldrım rechtskräftig schon zu sechs Jahren und drei Monaten Haft wegen erwiesener Spielverschiebung und Gründung einer geheimen Organisation verurteilt. Schon während dieses Verfahrens saß er knapp ein Jahr in Untersuchungshaft. Kein Prozess polarisierte die türkische Sportcommunity wie dieser. Im Zuge der Verhandlungen kam es nicht nur zu einem immensen Zuschauerschwund in den Stadien der Süperlig. Viele Fans hatten einfach keine Lust auf abgekartete Spiele. Auch die UEFA blieb nicht untätig und bestrafte Fenerbahçe mit drei Jahren Ausschluß von den Spielen der Champions League und Europa League.

Fenerbahce Chef Aziz Yıldrım. Foto aus Wikipedia, CC BY-SA 3.0 by LuCKY https://de.wikipedia.org/wiki/Aziz_Yıldırım#/media/File:Aziz_Yıldırım.jpg


Neue Feindschaften

Zudem entstand eine Feindschaft zwischen den Klubs Trabzonspor und Fenerbahçe. Denn in der Saison 2011 wurde Trabzonspor hinter Fenerbahçe Zweiter. Und in der Schwarzmeer Metropole sieht man bis heute Trabzonspor als rechtmäßigen Champion der Saison an. Doch weder wurde der Titel von türkischen Fußballverband (TFF) Fenerbahçe aberkannt, noch Trabzonspor zugesprochen. Auch wurden keinerlei der angeblich manipulierten Spiel nachträglich annulliert, wie es die Verbandsordnungen bei Manipulation eigentlich vorschrieben. Darum bergen Spiele zwischen den beiden Teams auch bis heute eine emotionalisierte Brisanz. Ob auch der bewaffnete Anschlag auf den Teambus von Fenerbahçe im April dieses Jahres in diesem Zusammenhang gesehen werden muss wird bis heute untersucht.(Siehe: Schüsse auf den Teambus von Fenerbahçe)

Hockkonjunktur für Verschwörungstheoretiker

Die türkische Gesellschaft wird in den letzten Jahren von einigen großen Gerichtsverfahren geprägt. Der Prozess gegen Aziz Yıldırım ist da nur einer von vielen. Prozesse wie „Balyoz“ und „Ergenekon“ oder die Beşiktaş Fangruppe „Çarşı“ wegen angeblichen Putschversuchen gegen die amtierende Regierung sind nur schillernde Beispiele. Im Rahmen dieser Prozesse wurde lange öffentlich über politische Einflussnahme auf die Gerichtsbarkeit diskutiert. Mit der Folge, das heute Gerichtsentscheidungen im gesellschaftlichen Diskurs kaum noch als Ergebnis einer unabhängigen Justiz wahrgenommen werden. Das bietet Raum für die in der Türkei angesagten Verschwörungstheorien. So wird schon jetzt in sozialen Medien gegen das zu erwartende Urteil gepoltert. Die Regierungspartei AKP oder wahlweise der Staatspräsident sollen mit dem möglichen Freispruch der Angeklagten im Fener-Prozess zu tun haben. Glückliche Fener-Fans wären potentielle Wähler bei den anstehenden Wahlen im November. Glücklich schwelgen die Feber-Fans tatsächlich in Vorfreude unter dem Hashtag #3TemmuzuFenerbahçeKazandı (3JuliFenerbahçeHatGewonnen) posten sie pure Gute Laune und reichlich Häme. Der Hashtag-Titel bezieht sich dabei auf das Datum an welchem der Prozess 2011 begonnen hat. Bis heute eine schwarzer Tag in der Geschichte des Klubs. Nun scheint sich das Blatt zu wenden.

Entschädigungen für Fener?

Doch für Fener steht anderes im Blickfeld. Natürlich wäre eine Freispruch Aziz Yildirims mehr als eine Genugtuung, auch würde die drohende Reststrafe gegenüber dem Präsidenten wegfallen. Doch schon im Vorfeld der Wiederaufnahme des Verfahrens kündigte Fenerbahçe an im Falle eines Freispruches auch bei der UEFA und dem internationalen Sportsgerichtshofes (CAS) zu klagen. Ziel wären millionenschwere Regressforderungen aufgrund der Sperre des Verbandes und den daraus entgangenen Einnahmen.

Aktuelle Tweets zum Thema auf twitter


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen