Sonntag, 6. September 2015

#Deflategate – Die platten Eier des Tom Brady



Am vergangenen Donnerstag kam die Nachricht über den juristischen Paukenschlag, den das südliche Bezirksgericht in New York City verkündet hatte: Tom Brady, Quarterback des aktuellen NFL-Champions New England Patriots und lebende Football-Legende, darf wider Erwarten in den ersten Spielen der neuen Saison auf dem Platz stehen, nachdem ihn die Liga im Mai im Rahmen des „Deflategate“ für die ersten vier Saisonspiele gesperrt hatte.

Aber was war da überhaupt passiert?

Eine verräterische Interception


Im AFC Championship Game, dem letzten Spiel vor dem großen Superbowl Finale, fegten die New England Patriots mit Tom Brady die Indianapolis Colts mit sage und schreibe 45 zu 7 vom Feld. Im weiteren Verlauf sollten die Patriots im Finale die Seattle Seahawks knapp aber verdient schlagen und Tom Brady sich seinen vierten Super Bowl Ring und den dritten Final-MVP-Titel ergattern. Was normalerweise zu überschwänglichen Lobhudeleien für den sympathischen Quarterback geführt hätte, lief in diesem Jahr anders: Nicht wenige Fans und Medien meinten, die Patriots hätten niemals im Finale stehen dürfen.

Zurück zum Spiel gegen die Colts: Kurioserweise beginnt der Skandal mit einem seltenen Fehlwurf von Tom Brady.  In der ersten Hälfte fängt Colts Linebacker D'Qwell Jackson einen Ball beim gegnerischen Spielzug ab. Nach der Interception gibt er den Ball als Souvenir an einen Zeugwart der Colts. Später darauf angesprochen sagt dieser, dass er ihm gleich im ersten Moment deutlich schwächer aufgepumpt erschien, als dies üblich und notwendig ist. Obwohl die Statuten dies verbieten, prüft der Zeugwart den Druck auf dem Ball und siehe da: Der Ball lag tatsächlich deutlich unter den vorgeschriebenen 12.5 - 13.5 pounds per square inch (psi). Die daraufhin informierten Offiziellen der NFL prüften in der Halbzeit des Spiels (Stand 17 zu 7 für die Patriots) die restlichen 12 Bälle. Elf von zwölf waren unter der vorgeschriebenen Menge an Druck aufgepumpt. Was danach geschah, ist bis heute nicht aufgeklärt: Angeblich wurden im weiteren Verlauf des Spiels die Ausweichbälle der Patriots genutzt (zur Info: das Heimteam stellt bei jedem Spiel die Bälle). Wie hoch der Druck hier war, kann niemand sicher sagen. Unabhängig davon gelang den Colts in der zweiten Hälfte kein einziger Punkt mehr, wohingegen Brady und seine Patriots noch viermal das Ei in die Endzone brachten und souverän ins Finale einzogen.

Platte Bälle – Vorteil für gute Werfer


Ok, aber was sollen die platten Bälle nun gebracht haben?
Footballs mit weniger Druck verhalten sich anders: Sie lassen sich wesentlich besser greifen, dadurch besser werfen und auch deutlich besser fangen.

Ok, aber haben dadurch nicht beide Teams den gleichen Vorteil?
Jein, mit Betonung auf dem Nein. Zum einen bringt ein platter Football vor allem guten Werfern einen Vorteil. Und ohne Colts Quarterback Andrew Luck zu nahe treten zu wollen – Tom Brady ist der König der Werfer. Und ein Tom Brady mit einem für ihn optimalen Ball ist kaum zu stoppen. Was jedoch wesentlich schwerer wiegt, als der platte Ball an sich, ist die Tatsache, dass Tom Brady mit hoher Wahrscheinlichkeit davon wusste. Football ist Taktik durch und durch. Hunderte Spielzüge werden eingeübt und am Gegner orientiert im Spiel angewandt. Weiß man nun, dass der Ball gut fliegt und mein Quarterback ihn sicher zum Mann bringt, kann man sich getrost auf seine Pass-Spielzüge verlassen. Weiß man es aber nicht, probiert man es vermehrt auch mit Rush-Spielzügen und vergeudet so viel Potenzial.

Man stelle sich z.B. vor, in einem Fußballspiel wird ein Ball eingesetzt, der optimal für Fernschüsse ist. Dazukommend hast du den besten Fernschützen überhaupt im Team und deine Mannschaft ist die einzige, die von dem Ball weiß. Während es das andere Team immer wieder mit Spielzügen zur Grundlinie versuchst, ballerst du ihnen einfach die Dinger vom 16er aus rein.

NFL bestraft - Ordentliches Gericht hebt auf


Die NFL hat den Wettbewerbsvorteil für die Patriots erkannt und entsprechend sanktioniert: 1 Mio Dollar Strafe und – was wesentlich schwerer wirkt – der Verlust des Erstrunden-Picks 2016 und des Viertrunden-Picks 2017. Brady selbst tat die Ermittlungen noch lange als „schwachsinnig“ ab. „Man sei doch nicht ISIS“. Als er dann aber im Verlauf der Ermittlungen sein Handy zerstörte, damit die Ermittler nicht auf seine SMS zugreifen können, war auch er fällig: Vier Spiele Sperre ohne Gehalt in dieser Zeit. Begründet wurde dies vor allem mit seinem fehlenden Willen zu Kooperation.

Was dann folgte, war abzusehen: Einspruch und der Gang zu einem ordentlichen Gericht. Dieses entschied nun zu Bradys Gunsten – Es konnte ihm nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, von den platten Eiern gewusst zu haben. Ein funktionstüchtiges Handy hätte hier vielleicht mehr zu Tage bringen können...


Die NFL hat ihrerseits bereits erneuten Einspruch angekündigt. Es bleibt also spannend im Deflategate.

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