Dienstag, 30. August 2016

дружба means Dostluk

Seit dem Abschuss eines russischen Jets über Syrien seitens der türkischen Armee am 24. November 2015 lagen die türkisch-russischen Beziehungen auf Eis. Boykotte, Schuldzuweisungen und verbale Angriffe bestimmten das Verhältnis. So schnell die Krise kam, so schnell nähern sich nun die beiden Staatschefs und damit auch die beiden Länder wieder aneinander an. Der plötzliche Wandel und die zarte neue türkisch-russische Freundschaft soll jetzt mit einem eiligst geplanten Fußball-Freundschaftsspiel zwischen den Auswahlteams beider Länder am Mittwoch in Antalya öffentlichkeitswirksam begangen werden.    


Kaum ein Jahr ist vergangen seit dem Abschuss des russischen Jets. Doch in diesem Zeitraum blieb nichts wie es war im russisch-türkischen Verhältnis. Die türkische Seite dachte nicht an eine von Russland geforderte Entschuldigung für den Abschuss des Jets und wiederholte mehrmals, auch in Zukunft in einer ähnlichen Situation erneut mit einem Abschuss zu handeln. Die russische Seite reagierte und zeigte mehr als die kalte Schulter. Die bis Winter 2015 guten Beziehungen wurden von russischer Seite aufgekündigt. Es hagelte Import-Verbote z.B. für türkisches Obst und Gemüse. Ein staatlich gelenkter Tourismus Boykott gegenüber der Türkei wurde initiiert. Ebenso wurde u.a.  türkische Bauunternehmer nicht mehr mit Aufträgen bedacht. Zu dem wurden über regierungsnahe russische Medien Anschuldigen gegenüber der Türkei lanciert, denen zu Folge die Türkei die religiöse Terrorbande Isis unterstützen würde. Auch sportliche Begegnungen beider Länder wurden seit dem zu einem heissen Ritt in einer Art kalter Kriegsstimmung. 
(Siehe: Sport wird zum Spielball in türkisch-russischer Krise)


Fußball-Fans mit brennenden und noch nicht brennenden türkischen Fahnen im Dez. 2015 in Moskau.
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Dabei sind beide Länder eng miteinander verknüpft, nicht nur das Russland für die Importeure in der Türkei ein wichtiger Absatzmarkt ist, auch der türkische Tourismus lebt von seinen russischen Kunden. Ebenso im Energie Bereich. Beide Länder brauchen einander. Russland liefert das Gas, welches die Türkei dringend braucht. Zudem ist für den Bau eines Atomkraftwerkes im türkischen Akkuyu ein russisches Konsortium verantwortlich. 


Fußballspiel soll Freundschaft besiegeln


Nun hat die türkisch-russische Krise, so schnell wie sie entstand ihr Ende gefunden. Die türkische Seite entschuldigte sich und ein Besuch Erdogans bei Putin Anfang des Monats rundete den neuen Freundschaftsprozess ab. So braucht man sich über Energiefragen in der Türkei in naher Zukunft keine Sorgen mehr zu machen. Das Gas wird auch in Zukunft fließen und das Atomkraftwerk soll nun schnell auf den Weg gebracht werden. Ebenso wurde der Tourismus-Boykott in die Türkei aufgehoben. Enorm wichtig, denn bis 2015 stellten die Russen noch hinter den Deutschen mit 3.649.000 Besuchern die Nr. 2 in der Türkei. Dieser Markt war komplett weggebrochen. Bis Mai 2016 besuchten 96 % weniger Russen Hot-Spot Antalya als 2015. Nun soll der Rubel also in Antalya und Umgebung wieder rollen.


Türkisch-Russische Freundschaftsschals warten auf Abnehmer an der Antalya Arena



Um den schnellen Wechsel im beiderseitigen Verhältnis auch der jeweiligen eigenen Bevölkerung, die durch monatelange Propaganda Auswüchse der jeweiligen Regierungsmedien aufgeheizt wurde, schmackhaft zu machen, wurden bei dem Putin-Erdogan Treffen die Weichen für das nun stattfindende Freundschaftsspiel gestellt. Das die Eiszeit vorbei ist, sollen die jeweiligen Fußballauswahlteams unter Beweis stellen. Live und in Farbe. Zuletzt spielten beide Team vor 18 Jahren gegeneinander.


Antalya: Spielort mit Symbolkraft


Als Spielort wurde Antalya ausgewählt, denn hier im Touri-Paradies der Türkei wohnen nicht nur ca. 40.000 russische Bürger dauerhaft. Noch vor Beginn der Krise wirkten weite Teile von West-Antalya, wie eine türkische-russische Parallelgesellschaft. Heute hingegen sind Orte wie Kemer fast ausgestorben. Hier soll der Fußball in Antalya nun seine Wirkung entfachen und den potentiellen russischen Touristen zeigen: Eure zweite Heimat ist wieder besuchbar! Den türkischen Händlern soll, im Gegensatz dazu, Mut gemacht werden für den Rest der Saison und auf den Sommer 2017. Das soll dann wieder ein Sommer werden, wie vor der Abschuss-Krise, wo die Russen noch lernten was Dostluk heisst und die Türken дружба (Druschba).  

So können sich Antalya Touristen und Groundhopper morgen vom harten Strandurlaub bei 38 Grad mal eine Pause gönnen und das Ende einer politischen Eiszeit live verfolgen. Damit das Stadion voll wird, haben die Organisatoren die Preise auf niedrig Niveau gesetzt. Das billigste Ticket gibt es schon für umgerechnet 3 Euro und auch das teuerste ist erschwinglich. Es kostet nur 15.  


Terim setzt auf neues und junges Team



Für die Türkei ist die Partie gegen Russland auch sportlich von Bedeutung. Während
Russland als Gastgeber der WM 2018 keine Qualifikationsspiele zu bestreiten hat, geht es für die Türkei am 5. September im ersten Gruppenspiel gegen Kroatien schon wieder um Punkte in der Quali. Dabei hat das Team noch an dem, zu mindestens in der Öffentlichkeit, als schwach wahrgenommen Abschneiden bei der EM in Frankreich zu arbeiten. Und das, obwohl der türkische Beckenbauer, aka Auswahlcoach Fatih Terim, nicht müde wird zu betonen, dass allein die Qualifikation zur EM in Frankreich schon ein Erfolg gewesen sei. Die mit Spanien, Kroatien und der tschechischen Republik gespickten Gruppe sei einfach sehr stark besetzt gewesen.

Trotzdem vollzieht Terim jetzt einen Wandel. Neben dem monetär gesehen wertvollsten Spieler der türkischen Fußballgeschichte, Arda Turan, sind mit Gökhan Gönül, Selçuk İnan, Semih Kaya, Hakan Balta, Caner Erkin und Burak Yılmaz gleich 6 weitere Spieler aus dem EM-Aufgebot nicht mehr dabei. Er setzt auf junge Spieler und holt Salih Uçan, Ahmet Oğuz, Çağlar Söyüncü, Kaan Ayhan, İrfan Can Kahveci, Okay Yokuşlu, Cengiz Ünder und Enes Ünal ins Team. Die Bundesliga ist mit Nuri Şahin (BVB), Emre Mor (BVB) Hakan Calhanoglu (Leverkusen),  Kaan Ayhan (Schalke), Yunus Malli (Mainz) Caglar Söyüncü (Freiburg) sechsmal vetreten. Auf Deutsch unterhalten könnten sie sich mit dem wieder berufenen Gökhan Töre, dem Ex-Frankfurter Cenk Tosun, dem Düsseldorfer Olcay Şahan und dem Ex-Herthaner Tolga Ciğerci. Dieser rutschte erst diese Woche in das Aufgebot, aufgrund der Verletzung von Oğuzhan Özyakup. Doch empfahl er sich bei den ersten beiden Saisonspielen für Galatasaray mit Traumqouten von über 90% ankommenden Pässen.


Putin kommt nicht




Ohne einen kleinen Wehrmutstropfen wird jedoch auch die öffentliche Zurschaustellung der Freundschaft nicht von statten gehen. Türkische regierungsnahe Medien vermeldeten seit Wochen das auch Putin zu dem Kick am Mittelmeer anreisen würde. Das wurde nun offiziell dementiert. Putin würde von zu Hause mit seinem Team mitfiebern, heisst es. Vielleicht auch besser so, denn was Putin im Austragungsort der neuen Antalya Arena neben Fußball und Politik noch zu  sehen bekommen könnte, würde ihm nicht so sehr in den Kram passen. Denn das Stadion versorgt sich selbst mit Energie und zwar durch Sonnenenergie. Eine Energiequelle, die clever genutzt die Türkei langfristig aus der Energieabhängigkeit gegenüber Russland führen könnte. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Erst mal sind wieder Gas, Atom und Fußball angesagt. Die Sonne scheint vorerst nur für die heiß erwarteten russischen Türkei Urlauber.


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