Freitag, 9. Mai 2014

Deniz Naki im Stress um ein Tattoo


Bei St. Pauli-Fans ist er noch heute hochgeschätzt. Nicht nur mit seinen sportlichen Leistungen, sondern auch mit seinem Auftreten neben dem Platz hatte sich Deniz Naki die Herzen des Kiezes erobert. Fans fordern sogar in der Online-Petition „Deniz Naki zurück zum FC St. Pauli !!!“ seine sofortige Rückkehr. Denn seit 2013 steht er bei bei dem Süperlig-Team Gençlerbirliği aus der türkischen Hauptstadt Ankara unter Vertrag. Sein Einstand in der Süperlig verlief jedoch enttäuschend. 13 Liga-Einsätze, doch nicht eine Begegnung konnte der Stürmer bis zum Ende spielen. Zudem wartet er weiter auf seinen ersten Süperlig-Treffer in der Süperlig. Zu mindestens im Pokal konnte er schon einen Treffer für seinen neuen Klub erzielen.

Deniz Naki trägt seit vielen Jahren am rechten Unterarm ein Tattoo mit der Aufschrift Dersim 62. Die Bedeutung dieses Tattoos war schon 2010 ein Thema in den Boulevardmedien. Der Hintergrund: Sein Vater kommt aus der türkischen Stadt Tunceli, die früher Dersim hieß. Die heutige Provinz Tunceli im Osten des Landes ist Heimat vieler kurdisch stämmiger Türken alevitischen Glaubens. Trotz der Umbenennung in Tunceli (1938) wird der Begriff Dersim von vielen bis heute im Alltag gepflegt. Zudem tragen mehrere Vereine den Namen „Dersim“. In der Türkei der Amateurklub Dersimspor und in Berlin z.B. der Kreuzberger Klub Al-Dersimspor. Die Nummer 62, auf dem Tattoo, steht für das Autokennzeichen der heutigen Provinz Tunceli.

Einige Fußballfreunde haben das Tattoo von Deniz Naki anscheinend erst neu entdeckt und seitdem wird der Fußballer mit Anfragen über soziale Netzwerke bombardiert. Die freundlicheren erkundigen sich nach Sinn und Zweck , die unfreundlicheren ergehen sich in Anfeindungen. Zuerst löschte Deniz Naki noch die schlimmeren Nachrichten auf seinem Facebook-Account, nun sah sich der Stürmer jedoch genötigt Stellung zu beziehen. Auf Deutsch veröffentlichte er folgende Message, die daraufhin übersetzt ins Türkische seinen Weg in die türkische Sport-Presse fand.

Hallo liebe Freunde...
In letzter Zeit habe ich viele Nachrichten bekommen,es ging mehr um politische Sachen .
Ob ich Türke bin oder Kurde bin... Ob ich Sunnite oder Alevite bin.
Warum ich ein Dersim Tattoo habe und warum nicht Tunceli drauf steht ...
Mittlerweile bekomme ich Kopfschmerzen von solchen Nachrichten.
Deswegen habe ich mir gedacht ich poste das, damit jeder weiß wie ich denke und was ich bin
Meine Herkunft ist DERSIM und nicht Tunceli. Ich sehe es nicht anders egal wie sehr Politiker versuchen Profit zu erschlagen. Deswegen auch das Tattoo...
Ich bin Alevite. Auch das sage ich nicht mit einem rassistischen Hintergrund sondern nur weil es viele wissen wollen..
Und stehe zu 100% dahinter...
Damit hier auch keiner was falsch versteht.
Ich habe nichts gegen andere Nationalitäten und respektiere jede Religion...

Ich hoffe, dass jetzt keine blöden Kommentare kommen... denn ich äußere mich nicht um eine Diskussionsrunde zu öffnen.

Entweder man akzeptiert mich so als Mensch oder nicht. Jedem seine eigene Entscheidung. Ich akzeptiere alle Menschen egal welcher Herkunft, SOLANGE man mich auch respektiert... Wir müssen nicht die gleiche Sprache reden um uns zu verstehen.. denn Leid , Tränen und Glück haben weder eine Sprache noch eine Farbe... Mensch ist Mensch... Lg Deniz Naki

In einem Artikel der Tageszeitung "Hürriyet" wird der Tattoo-Streit daraufhin mit den rassistischen Vorfällen in der NBA und der La Liga in Verbindung gebracht. Dort lässt Deniz dann seinem Frust freien Lauf: „Wenn ich auch von den Rängen bei Spielen ähnliche Reaktionen, wie in den sozialen Medien bekomme, werde ich die Türkei verlassen.“ Können sich da die St. Pauli-Fans etwa Hoffnung auf eine Rückkehr des Lieblings machen? Sein Vertrag bei Gençlerbirliği läuft offiziell noch bis 2017.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen