Mit einer langen und politischen Erklärung reagiert Ex-St. Pauli Stürmer Deniz Naki auf Darstellungen seitens seines Ex-Vereins, dem türkischen Süperligisten Genclerbirligi.
Am Dienstag wurde der Vertrag zwischen beiden Parteien vorzeitig im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst (siehe Nach Gewaltangriff: Deniz Naki kehrt zurück nach Deutschland). Doch das Einvernehmen hielt nicht mal 24 Stunden. Gençlerbirliği veröffentlichte eine Erklärung, in welcher sich der Verein zwar gegen Diskriminierungen allgemein äußerte, jedoch auch Zweifel formulierte. Pressesprecher Hakan Kayan wurde dann gegenüber der Presse deutlicher und äußerte Zweifel am Tatort, kritisierte die späte Meldung des Falles an den Verein und wiederholte die Frage warum der Fall nicht zur Anzeige gebracht wurde (siehe Reaktionen auf den Angriff auf Deniz Naki).
Deniz Naki antwortete nun über Facebook mit einer ausführlichen, emotionalen, als auch politischen Erklärung, in der er zu den Vorwürfen die von Vereinsseite gemacht wurden klar Stellung bezieht. Hier schildert er detailliert noch einmal den tätlichen Übergriff. Zudem betont er, dass er den Verein unverzüglich über den Vorfall informiert hätte und dass er dann Tage später darum bat den Vertrag aufzulösen. Entscheidend seien hier die mangelnde Unterstützung des Klubs auch bei vorherigen verbalen Angriffen wegen eines Tattoos (siehe: Deniz Naki im Stress um ein Tattoo) gewesen. Danach spricht er in dem Facebook-Eintrag den Pressesprecher Hakan Kaynar direkt an:„ Ich habe die Äußerungen des Pressesprecher von Gençlerbirliği, Hakan Kaynar, mit Betroffenheit gelesen und fühle mich dazu genötigt zu jedem einzelnen Vorwurf Stellung zu beziehen.“ Das ihn die Vorwürfe seines Ex-Klubs tief getroffen haben kann man dem Ende der Einleitung entnehmen: „Das ich mich zu solch einem Zeitpunkt auch noch mit einer Vereinserklärung beschäftigen muss, habe ich nicht gewollt.“ Die Vorwürfe bzgl. unterschiedlicher Tatorte und der angeblichen späten Information des Klubs, seitens des Spielers, beschreibt er als komisch und fügt hinzu: „Ich glaube nicht das ich die Situation der Pressearbeit in diesem Land zu erläutern habe. Fast alle Zeitungen haben ohne mit mir zu sprechen Nachrichten veröffentlicht, deshalb sind solche „Fehler“ normal. Das einzige was zählt sind meine Aussagen. Selbstverständlich bleibt Ihnen überlassen was sie glauben und was nicht“ heißt es verbittert. Zudem wird ergänzt, das er (Deniz Naki) ausschließlich mit der Tageszeitung Birgün ein Interview geführt habe, welches auch als Video vorliege.
Zum Vorwurf der Nichtanzeige bei der Polizei wird Deniz Naki dann politisch. „ Ja, ich habe mich nicht an offizielle Stellen gewandt“ gesteht er und erklärt die Nichtanzeige damit, das er nicht glaubt, das es Sinn mache sich an die Stellen zu wenden, die den Tod von u.a. Gezi-Park Protestlern und Grubenarbeitern nicht aufklären oder vertuschen.
Auf die Äußerung des Pressesprechers, das der Verein im vollen Wissen wer Deniz Naki sei und wo er herkommt, den Vertrag abgeschlossen habe, entgegnet Naki „Das was ich für alle ersichtlich gemacht habe, ist was ein jeder der ein Gewissen hat und sich Mensch nennt machen sollte. Sie können mich ausschließlich als Fußballer oder als Mitarbeiter sehen, doch vor allem bin ich „Mensch“ und während überall auf der Welt Menschen ermordet werden kann ich nicht schweigen.“ Falls er deshalb den Kriterien des Vereins nicht entspräche, wisse er nichts mehr zu sagen, schreibt er weiter.
Auch die Äußerung Kaynars, das der Verein bereit gewesen wäre Deniz Naki, wenn er sich nicht schon zum Gehen entschlossen hätte zu unterstützen bleibt nicht unwidersprochen. „Ich habe in den ersten Minuten den Vorfall dem Verein mitgeteilt und am Morgen mit Vereinsverantwortlichen gesprochen. Wie viel früher könnte ich es noch mitteilen. Bezüglich der angekündigten Unterstützung glaube ich Ihnen kein bißchen. Die die unterstützen hätten wollen, hätten bei den Angriffen wegen meinen Tattoos vor 6 Monaten Unterstützung gezeigt. In dieser Zeit habe ich zuvorderst von unseren Fans Unterstützung erfahren, ich möchte festhalten, das ich von Vereinsverantwortlichen keinerlei Unterstützung bekommen habe.“
Mit diesen klaren Worten verschafft sich Deniz Naki auch außerhalb des Fußballs gehör. Schon längst häufen sich die Anfragen von TV-Programmen in Deutschland. Seine Meinung ist gefragt. Doch der derweil zu seiner Familie nach Düren zurück gekehrte, Fußballer möchte erst mal zu sich kommen.
Zudem stehen sportliche Entscheidungen an, der 25 jährige möchte wieder in Deutschland spielen, am liebsten wohl bei seinem Ex-Verein St. Pauli. Seine klaren Worte werden ihnen bei den Fans der Hamburger noch beliebter machen, als er eh schon ist. Deniz Naki ist zudem ablösefrei zu haben, aber erst ab 2015 spielberechtigt. Doch bei den Hamburgern hält man sich bedeckt, Sportchef Rachid Azzouzi hat Deniz Naki erst einmal nicht auf dem Plan. So gewinnt das Interesse der Konkurrenz an Bedeutung.
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Freitag, 7. November 2014
Dienstag, 4. November 2014
Nach Gewaltangriff: Deniz Naki kehrt zurück nach Deutschland
Faustschläge und ein blaues Auge führen heute zur sofortigen Vertragsauflösung zwischen dem türkischen Süperligisten Gençlerbirliği und dem Ex- St. Pauli Kicker Deniz Naki. Zuvor berichtete Deniz Naki (Stress um ein Tattoo) über Anfeindungen aufgrund einem seiner Tattoos. Kommt er jetzt zu seiner alten Liebe St. Pauli?
Tätlicher Angriff Höhepunkt von Anfeindungen
Bisher noch unbekannte drei Männer griffen am Sonntag Deniz Naki in der türkischen Hauptstadt Ankara tätlich an. Sie bedrohten ihn, sprachen von einer ersten Warnung, berichtet der Stürmer auf seiner offiziellen Facebook-Seite heute Mittag. Die Bildzeitung von heute berichtet ebenso und bebildert den „Kloppe, blaues Auge! Flieht Naki zu Pauli?“ betitelten Bericht, mit einem Foto von Deniz Naki und blauem Auge. Deniz Naki berichtet zudem von Beleidigungen wegen seinem Eintretens gegen die religiöse Terrorgruppe Isis und seiner öffentlichen bekundeten Solidarität für die Städte Shingal und Kobane. Beide Städte kämpfen gegen eine Besetzung durch Isis.
Heute zog Deniz Naki einen Schlußstrich unter seinen Einsatz bei Gençlerbirliği (20 Einsätze in der Süperlig, 4 Einsätze türkischer Landespokal, 1 Tor). In beiderseitigem Einvernehmen wurde der Vertrag aufgelöst. Gleichzeitig kündigt er seine Rückkehr nach Deutschland an. „Ich komme zurück nach Deutschland“, heißt es und er fügt hinzu, das er es nicht mehr mit ansehen könne und erleben möchte, dass man in diesem Land noch nicht mal neutral Fußball spielen könne.
Schon vor den Ereignissen am Sonntag litt Naki unter Angriffen auf seine Person, auch wenn sich diese auch bisher auf verbale Attacken beschränkten und zumeist auf soziale Netzwerke begrenzt waren. Auslöser war hier ein Tattoo. „Dersim 62“ heißt es schlicht auf seinem Unterarm, eine Hommage an die Heimatstadt seines Vaters. Dersim heißt in der türkischen Republik nun jedoch nicht mehr Dersim, sondern Tunceli. Auch heute ist Tunceli im Osten des Landes Heimat vieler kurdisch-stämmiger Türken alevitischen Glaubens. Allein die Nennung des alten Stadtnamens ist in der Türkei weiterhin ein Politikum.
Wie geht es weiter ?
Zuletzt war Deniz Naki erst im Oktober in Hamburg beim Abschiedsspiel für Kapitän Fabian Boll. Hier steuerte er nicht nur ein Tor und etliche Vorlagen bei, sondern zitierte sich selbst und hämmerte die St. Pauli Fahne wie damals in Rostock in den Ground. Danach flirtete er öffentlich über Facebook mit dem FC St. Pauli und brachte sich als möglichen Trainingspartner der U23 der Hamburger ins Gespräch. Co-Trainer hier, sein alter Fußballfreund und gerade erst verabschiedete Fabian Boll. Nun könnte daraus schnell mehr werden. Obwohl auch bei einigen anderen Vereinen die angekündigte Rückkehr von Deniz Naki nach Deutschland Betriebsamkeit ausgelöst hat.
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Zuletzt war Deniz Naki erst im Oktober in Hamburg beim Abschiedsspiel für Kapitän Fabian Boll. Hier steuerte er nicht nur ein Tor und etliche Vorlagen bei, sondern zitierte sich selbst und hämmerte die St. Pauli Fahne wie damals in Rostock in den Ground. Danach flirtete er öffentlich über Facebook mit dem FC St. Pauli und brachte sich als möglichen Trainingspartner der U23 der Hamburger ins Gespräch. Co-Trainer hier, sein alter Fußballfreund und gerade erst verabschiedete Fabian Boll. Nun könnte daraus schnell mehr werden. Obwohl auch bei einigen anderen Vereinen die angekündigte Rückkehr von Deniz Naki nach Deutschland Betriebsamkeit ausgelöst hat.
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Freitag, 9. Mai 2014
Deniz Naki im Stress um ein Tattoo
Bei St. Pauli-Fans ist er noch heute hochgeschätzt. Nicht nur mit seinen sportlichen Leistungen, sondern auch mit seinem Auftreten neben dem Platz hatte sich Deniz Naki die Herzen des Kiezes erobert. Fans fordern sogar in der Online-Petition „Deniz Naki zurück zum FC St. Pauli !!!“ seine sofortige Rückkehr. Denn seit 2013 steht er bei bei dem Süperlig-Team Gençlerbirliği aus der türkischen Hauptstadt Ankara unter Vertrag. Sein Einstand in der Süperlig verlief jedoch enttäuschend. 13 Liga-Einsätze, doch nicht eine Begegnung konnte der Stürmer bis zum Ende spielen. Zudem wartet er weiter auf seinen ersten Süperlig-Treffer in der Süperlig. Zu mindestens im Pokal konnte er schon einen Treffer für seinen neuen Klub erzielen.
Deniz Naki trägt seit vielen Jahren am rechten Unterarm ein Tattoo mit der Aufschrift Dersim 62. Die Bedeutung dieses Tattoos war schon 2010 ein Thema in den Boulevardmedien. Der Hintergrund: Sein Vater kommt aus der türkischen Stadt Tunceli, die früher Dersim hieß. Die heutige Provinz Tunceli im Osten des Landes ist Heimat vieler kurdisch stämmiger Türken alevitischen Glaubens. Trotz der Umbenennung in Tunceli (1938) wird der Begriff Dersim von vielen bis heute im Alltag gepflegt. Zudem tragen mehrere Vereine den Namen „Dersim“. In der Türkei der Amateurklub Dersimspor und in Berlin z.B. der Kreuzberger Klub Al-Dersimspor. Die Nummer 62, auf dem Tattoo, steht für das Autokennzeichen der heutigen Provinz Tunceli.
Einige Fußballfreunde haben das Tattoo von Deniz Naki anscheinend erst neu entdeckt und seitdem wird der Fußballer mit Anfragen über soziale Netzwerke bombardiert. Die freundlicheren erkundigen sich nach Sinn und Zweck , die unfreundlicheren ergehen sich in Anfeindungen. Zuerst löschte Deniz Naki noch die schlimmeren Nachrichten auf seinem Facebook-Account, nun sah sich der Stürmer jedoch genötigt Stellung zu beziehen. Auf Deutsch veröffentlichte er folgende Message, die daraufhin übersetzt ins Türkische seinen Weg in die türkische Sport-Presse fand.
Hallo liebe Freunde...
In letzter Zeit habe ich viele Nachrichten bekommen,es ging mehr um politische Sachen .
Ob ich Türke bin oder Kurde bin... Ob ich Sunnite oder Alevite bin.
Warum ich ein Dersim Tattoo habe und warum nicht Tunceli drauf steht ...
Mittlerweile bekomme ich Kopfschmerzen von solchen Nachrichten.
Deswegen habe ich mir gedacht ich poste das, damit jeder weiß wie ich denke und was ich bin
Meine Herkunft ist DERSIM und nicht Tunceli. Ich sehe es nicht anders egal wie sehr Politiker versuchen Profit zu erschlagen. Deswegen auch das Tattoo...
Ich bin Alevite. Auch das sage ich nicht mit einem rassistischen Hintergrund sondern nur weil es viele wissen wollen..
Und stehe zu 100% dahinter...
Damit hier auch keiner was falsch versteht.
Ich habe nichts gegen andere Nationalitäten und respektiere jede Religion...
Ich hoffe, dass jetzt keine blöden Kommentare kommen... denn ich äußere mich nicht um eine Diskussionsrunde zu öffnen.
Entweder man akzeptiert mich so als Mensch oder nicht. Jedem seine eigene Entscheidung. Ich akzeptiere alle Menschen egal welcher Herkunft, SOLANGE man mich auch respektiert... Wir müssen nicht die gleiche Sprache reden um uns zu verstehen.. denn Leid , Tränen und Glück haben weder eine Sprache noch eine Farbe... Mensch ist Mensch... Lg Deniz Naki
In einem Artikel der Tageszeitung "Hürriyet" wird der Tattoo-Streit daraufhin mit den rassistischen Vorfällen in der NBA und der La Liga in Verbindung gebracht. Dort lässt Deniz dann seinem Frust freien Lauf: „Wenn ich auch von den Rängen bei Spielen ähnliche Reaktionen, wie in den sozialen Medien bekomme, werde ich die Türkei verlassen.“ Können sich da die St. Pauli-Fans etwa Hoffnung auf eine Rückkehr des Lieblings machen? Sein Vertrag bei Gençlerbirliği läuft offiziell noch bis 2017.
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