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Mittwoch, 11. Oktober 2017

Update: Außenminister lässt US- Sportlerinnen einreisen

Emma Cannon und Brionne Jones Spielerinnen des russischen Basketball Europaligisten dürfen nun doch in die Türkei zum heutigen Spiel gegen Fenerbahce einreisen. Zuvor war ihnen die Einreise aufgrund eines Einreisverbotes gegen US-Amerikaner verboten worden. Nun hat der türkische Außenminister zu mindestens für Emma Cannon und Brionne Jones ein Außnahme gemacht. 


Am gestrigen Dienstag erschütterte die Nachricht des Einreiseverbotes von Cannon und Jones den russisches Sport. Als Skandal betitelte Klubchef Oleg Hramkin das Einreiseverbot. (siehe Einreiseverbot für US-Sportler )  Auch vorherige Kontaktaufnahme zum internationalen Basketballverband (FIBA) half den Russen nicht. Die türkische Seite stellte sich stur und beharrte darauf, dass seit dem 8. Oktober keine US-Bürger mehr in das Land einreisen dürfen, die nicht über ein zuvor ausgestelltes Visum verfügen. Neue Visa werden an US-Bürger nicht vergeben, heisst es dort.

Das ein Einreiseverbot von Sportlern, aufgrund ihrer Herkunft gegen die Grundlagen des Sport verstößt war den Entscheidern gestern noch egal. Heute jedoch wurde zurück gerudert. Stunden vor Spielbeginn wurde den beiden Sportlerinnen erlaubt ihrem Team hinterher zu reisen. Der Klub Orenburg sah aber davon ab die Spielerinnnen ihrem am Dienstag in die Türkei geflogenen Team nach reisen zu lassen und tritt nur mit einem 8-köpfigen Kader in Istanbul an. Somit bleibt auch weiterhin möglich, das der Klub sich aufgrund der Benachteiligungen durch die türkische Regierung im Anschluß an die Partie an die FIBA wendet um eine Bestrafung des türkischen Klubs bzw. des Verbandes zu erlangen.  

Meldung zum Spiel gg. Fenerbahçe auf der Homepage von Orenburg

US-Sportler aufgepasst


Fakt ist jedoch, das mit Emma Cannon und Brionne Jones zu mindestens zwei Sportlerinnen in die Türkei einreisen durften, während der US-Bann weiterhin besteht und alle US-Amerikaner an den türkischen Grenzen abgewiesen werde, sofern sie nicht über ein Visum verfügen, welches vor dem 8. Oktober erstellt wurde. Für Sportvereine und Sportler gilt bei Reisen in die Türkei gut zu planen. Kontaktaufnahme zur Presse und zum türkischen Außenminister direkt scheinen erfolgsversprechender zu sein als die Kontaktaufnahme zu den internationalen Sportsverbänden, welche anscheinend ratlos dem Visa-Krieg zwischen der USA und der Türkei gegenüberstehen.

Live im Internet

Die Partie zwischen Fenerbahce und Orenburg wird um 19 Uhr (20 Uhr Ortszeit) angepfiffen und auf dem Haussender des Istanbuler Klubs, FB TV, live übertragen.




Ergänzung: In einer älteren Version dieses Artikels gingen wir noch davon aus, das Orenburg versucht nachträglich die Spielerinnen in die Türkei einfliegen zu lassen. Dies stellte sich jedoch im Laufe des Abends als falsch heraus. Die Spielerinnen mit US-Pass blieben zu Hause in Russland. Der Artikel wurde dementsprechend aktualisiert.


Weiterführende Artikel


Am heutigen Dienstag wurde Emma Cannon und Brionne Jones, zwei Spielerinnen des russischen Basketball Europaligisten Nadejda Orenburg, die Einreise in die Türkei verboten. Ihr Team soll am morgigen Mittwoch gegen den türkischen Klub Fenerbahçe antreten. Hintergrund des Einreiseverbotes ist eine Maßnahme der Türkei, die seit Sonntagnacht, die Einreise von US-Bürgern, die nicht über ein vor dem 8.10.2017 erteiltes Visum verfügen verbietet. Ein US-Bann. ...

tumds.blogspot.de - 10. Oktober 2017, Dienstag




Dienstag, 10. Oktober 2017

Einreiseverbot für US-Sportler

Am heutigen Dienstag wurde Emma Cannon und Brionne Jones, zwei Spielerinnen des russischen Basketball Europaligisten Nadejda Orenburg, die Einreise in die Türkei verboten. Ihr Team soll am morgigen Mittwoch gegen den türkischen Klub Fenerbahçe antreten. Hintergrund des Einreiseverbotes ist eine Maßnahme der Türkei, die seit Sonntagnacht, die Einreise von US-Bürgern, die nicht über ein vor dem 8.10.2017 erteiltes Visum verfügen verbietet. Ein US-Bann.

Das Einreiseverbot für US-Bürger ohne Visum ist eine Reaktion der türkischen Regierung, auf die am Sonntag angekündigte Schließung der US-Vertretungen in der Türkei für Publikumsverkehr. In einer u.a. auf Twitter verbreiteten Erklärung, stellt die US-Botschaft fest, dass der Publikumsverkehr für alle Visa, außerhalb der Migrations-Visa vorübergehend eingestellt sei. Damit soll die Sicherheit der Angestellten und der Missionen gewährleistet werden. Dem vorausgegangen war eine Festnahme eines Angestellten des Konsulates in Istanbul. Dem türkischen Mitarbeiter wird, wie so oft in der Türkei, der Vorwurf der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung gemacht. In diesem Falle, wohl die Organisation um den Prediger Fetullah Gülen, der in der USA lebt und von der türkischen Regierung für den gescheiterten Putschversuch 2016 verantwortlich gemacht wird.  Zuvor gab es auch schon im türkischen Adana eine Festnahme eines US-Mitarbeiters.

Homepage von Orenburg mit der Meldung zum Einreiseverbot


Einreiseverbot für US-Bürger


Die US-Botschaft weißt daraufhin, dass türkische Staatsbürger überall auf der Welt weiterhin ein Visum für die USA beantragen können, eben zur Zeit nur nicht in der Türkei und das es sich somit nicht um ein Einreiseverbot gegenüber türkischen Staatsbürgern handelt. Die türkische Seite nahm  jedoch die Teil-Schließung der US-Missionen zum Anlaß, ein fast gleichlautende Erklärung zur verfassen, nur mit dem Zusatz, das alle Visa, für US-Bürger nun nicht mehr erteilt werden. Dies traf nun auch, wie viele Reisende, die beiden Sportlerinnen. Denn bis zum Sonntag wurden Visa für US-Bürger an der Grenze selbst bei der Einreise gegen einen Betrag von 30 Dollar erteilt. Nun ist eine Einreise für US-Bürger in die Türkei nicht mehr möglich. 


Fast wortgleiche Erklärungen der Botschaften, der letzte Satz in der Türkischen führte zum US-Bann


„´Geschenk` Erdogans“


Der russische Klub reagierte verärgert. Der Klubchef Oleg Hramkin bezeichnet gegenüber der russischen Agentur Tas das Verhalten der Türkei als Skandal, will jedoch trotzdem gegen Fenerbahce antreten und geht zudem weiterhin von einem Sieg aus. Auf der Homepage des Klubs, wird die Nachricht über das Einreiseverbot der Sportlerinnen mit „´Geschenk` Erdogans“ betitelt. Im Bericht wird daraufhin gewiesen, dass der Klub sich im Vorfeld an den internationalen Basketballverband (FIBA) wandte, doch von der FIBA an die Türkei verwiesen wurde. Auch wenn Vereinschef Hramkin fest an einen Sieg glaubt, wird sich die FIBA wohl spätestens bei einer Niederlage von Orenburg mit dem Fall beschäftigen müssen. Ein Einspruch gegen die Wertung im Nachhinein scheint fast unausweichlich.

Sportverbände gefragt



Auch andere Vereine müssen ihre Spielerinnen und Spieler noch einmal checken vor einer Reise in die Türkei. Kaum zu glauben, das die Sportverbände diese Vorgehen der Türkei so durchgehen lassen.  Wettbewerbsverzerrung ist hier nur ein Stichpunkt. Desweiteren stellt dies einen Eingriff in die Transferpolitik aller Klubs dar. Auch internationale Sportereignisse in der Türkei stehen nunmehr unter einem schlechten Stern. Die Turkish Airlines Open im November oder der internationale Marathon in  Istanbul im Oktober ohne US-Akteure? Dass der Sport internationaler ist, als es die Politik wahrhaben möchte, zeigte sich zuletzt erst in den USA. Denn selbst Trump musste bei seinen Versuchen einen Muslim-Bann in seinem Land einzuführen vor der Macht des Sportes zurückweichen.  Nationale Sportverbände und das nationale olympische Komitee riefen den US-Präsi schnell zurück.  Dass die nationalen Sportverbände in der Türkei offen die Regierung kritisieren und zu einer Kursänderung bewegen scheint unwahrscheinlich, doch ist mit dem Einreiseverbot von Cannon und Jones das Thema erst mal auf dem Tisch.

Donnerstag, 1. September 2016

Emre Mor: Lob und Shitstorm

Emre Mor überzeugte beim gestrigen Freundschaftsspiel der Türkei gegen Russland (0:0) erneut im Trikot der rot-weißen. Seine Dribblings und sein Ballgefühl werden von Experten und in den sozialen Medien in schrillen Tönen gelobt. Der türkische Messi, heißt es da. Der erst 19 jährige Dortmund Profi wird jedoch nicht nur gefeiert. Gleichzeitig ist er auch Opfer eines kleinen Shitstorms. Grund: Kaugummikauen während der Nationalhymne.


Nationalismus in der Türkei oder nationalistische Überhöhungen gehören zum guten Ton im Lande. Alle im Parlament vertretenen Parteien beziehen sich irgendwie auf Nationalismus. Und auch außerhalb des Parlamentes gibt es eine gesellschaftlich relevante Auseinandersetzung mit nationalistischer Symbolik und Habitus nur rudimentär. Selbst in vielen linken Gruppen ist Nationalismus en Vogue. Dazu gehört, das die Symbole der Nation, eben hier die türkische Fahne oder die Hymne, als heilig gelten. Vielen Älteren ist die Erschießung von Solomou, einem griechischen Zyprioten, der eine türkische Flagge 1996 von einem Mast in der Pufferzone zwischen türkischen und griechischen Teil auf Zypern, herunternehmen wollte noch in Erinnerung. Oder der tödliche Messerangriff an zwei englischen Fußballfans 2000 in Istanbul. Hier entweihten Leeds United Fans eine rot-weiße Fahne der Türkei, die in einem Geschäft auf der Haupteinkaufstrasse Istiklal hing. Der Täter ein Galatasaray-Fan steht auch 14 Jahre nach der Tat und seiner Entlassung aus dem Gefängnis offen zu seiner Tat, berichtete das Magazin Aktüel 2014. “Aufgrund der Beleidigung der türkischen Fahne bereue ich meine Tat nicht.“  Aktuell hat der gescheiterte Putsch im Sommer 2016 und regelmäßige Anschläge PKK naher Gruppen in der Türkei dem Nationalismus noch mehr Nahrung gegeben.


Altersgerecht vs. Tradition



Von all dem hat wohl BVB-Youngstar Emre Mor wohl nichts gewusst, als er sich mit seinen Teamkollegen am gestrigen Abend in der Antalya-Arena auf das Feld begab. Das obligatorische feierliche Absingen der türkischen Hymne stand an. Doch Mor konzentrierte sich auf seine Art auf seine anstehende fünfte Begegnung im türkischen Trikot. Er kaute altersgerecht auf einem Kaugummi herum. Ein Affront, der dann schon zu Spielbeginn in den sozialen Medien seinen Widerhall fand. Print- und Internetmedien zogen heute nach und thematisierten neben der herausragenden Leistung des Dortmunders, den Kaugummi-Gate.


Emre Mor beim obligatorischen Absingen der Hymne während #TUR vs. #RUS
(screenshot)



Unter besonderer Beobachtung



Dabei wird das Verhalten von Sportlern während der traditionellen Inszenierung nationalistischer Insignien im Rahmen von Sportveranstaltungen international übergreifen genau unter die Lupe genommen. Der deutsche Olympiasieger Christoph Harting ist dafür nur ein aktuelles Beispiel, oder eben der Dauerbrenner-Diskurs ob Fußballauswahlspieler die Nationalhymne mitsingen müssen oder nicht.

Sportler mit einem interkulturellen Background, stehen hierbei unter besonderer Beobachtung. Schon im Vorfeld wird diskutiert: Wie verhält er sich? Singt er? Dazu wird die Mimik bis ins kleinste studiert und nach möglichen Informationen abgescannt. Das der Sportler im Trikot des jeweiligen Teams aufläuft, ist als Bekenntnis zur Nation nicht ausreichend. Hier muss das Gesamtpaket stimmen. Und allgemein gilt, wie auch bei Harting: Ein Abweichen vom ehrfürchtigen Strammstehen und inbrünstigen Gesangseinlagen erntet nationalistische Kritik. Wie nun auch bei Emre Mor und seinem aktuellen Shitstorm.


Der Kaugummi-Gate zu sehen hier im Video ab 0.25 


Nationalistische Internationale



Dabei gleicht sich die Kritik der nationalistischen Sportfans international. So wird Emre Mor bei Twitter angegangen, das sich dies nicht gehöre, er Ehrfurcht vor der Hymne zeigen solle, und das er wohl durch das starke Interesse an seiner Person abgehoben sei, was wiederum Schuld sei an seinem respektlosen Verhalten.  Das kommt doch ziemlich bekannt vor, oder? Viele User meinen es dann aber doch gut mit dem Hoffnungsträger im türkischen Fußball und merken an, das er noch sehr jung sei und nun wohl seine Lektion gelernt habe und despektierliches Verhalten in Zukunft unterlassen würde. 


Paradoxer Diskurs


Emre Mor ist in Dänemark aufgewachsen, Sohn einer interkulturellen Beziehung. Türkisch war bisher nicht so sein Ding. Erst jetzt in Dortmund möchte er anfangen Türkisch zu lernen. Die Paradoxie des nationalistischen Aufschreis lässt sich auch daran festmachen. Denn, dass ein türkischer Auswahlspieler nicht die Sprache spricht ist anscheinend kein Problem, dass er dann folgerichtig die Nationalhymne nicht mit singt, schon.


Einmal mehr scheint eine sportliche Leistung von nationalistischer Kritik überschattet zu werden. Mit Sport hat das nur am Rande zu tun. Oder frei nach Marx: Nationalismus ist Crack für das Volk.



Weiterführende Artikel


дружба means Dostluk

Seit dem Abschuss eines russischen Jets über Syrien seitens der türkischen Armee am 24. November 2015 lagen die türkisch-russischen Beziehungen auf Eis. Boykotte, Schuldzuweisungen und verbale Angriffe bestimmten das Verhältnis. So schnell die Krise kam, so schnell nähern sich nun die beiden Staatschefs und damit auch die beiden Länder wieder aneinander an. Der plötzliche Wandel und die zarte neue türkisch-russische Freundschaft soll jetzt mit einem eiligst geplanten Fußball-Freundschaftsspiel zwischen den Auswahlteams beider Länder am Mittwoch in Antalya öffentlichkeitswirksam begangen werden. ...
Hier zum kompletten Artikel

tumds.blogspot.de - 30 August 2016, Dienstag
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Sport wird zum Spielball in türkisch-russischer Krise

Sport kann Menschen zusammenbringen, Sport kann ein Vorreiter auch für die Politik sein. All zu oft gerät der Sport aber zum Spielball der Politik. So sind die türkisch russischen Beziehungen nach dem Abschuß eines russischen Kampfjets über Syrien durch die türkische Armee, zutiefst gestört. Beide Länder belegen sich gegenseitig mit den unterschiedlichsten Sanktionen. Darunter leidet auch der Sport. Wir haben die aktuellen Auswirkungen der türkisch-russischen Krise auf die Sportwelt kurz zusammengefasst. ...
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tumds.blogspot.de - 2 Dezember 2015, Mittwoch
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Russischer Verband bestraft verbrennen türkischer Flagge

Knapp eine Woche ist es her, das beim letzten Hinrundenspiel der russischen Premjer Liga zwischen Spartak Moskau und Krylia Sovetov Samara die Gastgeber 1:0 gewonnen haben. Doch von dem Ergebnis redet heute niemand mehr. Vor Spielbeginn haben Fans von Spartak Moskau türkische Fahnen im Stadion verbrannt. Damit wurde die Kriegsstimmung zwischen beiden Ländern, die seit dem Abschuß eines russischen Kriegsflugzeuges durch das türkische Militär herrscht weiter angefeuert. Nach nur sechs Tagen hat der russische Fußball-Verband nun eine Strafe wegen rassistischen und Hassäußerungen gegenüber Spartak Moskau verhängt. ...

tumds.blogspot.de - 11 Dezember 2015, Freitag



Antalya-Arena: Sonnenstadion in der Touri-Hochburg


Der türkische Erstligist Antalyaspor hat ab Montag ein neues zu Hause. Der Liga-Achte empfängt dann den Tabellenführer Beşiktaş in der frisch fertiggestellten Antalya Arena. Die ovale Sportarena im Zentrum der Tourismusregion der Türkei, wurde in knapp zwei Jahren erbaut und ist weltweit das  Stadion, welches am meisten Energie produziert. In Antalya natürlich per Sonnenenergie. ...

tumds.blogspot.de - 25 Oktober 2015, Sonntag



Hier wird zu Emre Mor getwittert


           
           
          

Dienstag, 30. August 2016

дружба means Dostluk

Seit dem Abschuss eines russischen Jets über Syrien seitens der türkischen Armee am 24. November 2015 lagen die türkisch-russischen Beziehungen auf Eis. Boykotte, Schuldzuweisungen und verbale Angriffe bestimmten das Verhältnis. So schnell die Krise kam, so schnell nähern sich nun die beiden Staatschefs und damit auch die beiden Länder wieder aneinander an. Der plötzliche Wandel und die zarte neue türkisch-russische Freundschaft soll jetzt mit einem eiligst geplanten Fußball-Freundschaftsspiel zwischen den Auswahlteams beider Länder am Mittwoch in Antalya öffentlichkeitswirksam begangen werden.    


Kaum ein Jahr ist vergangen seit dem Abschuss des russischen Jets. Doch in diesem Zeitraum blieb nichts wie es war im russisch-türkischen Verhältnis. Die türkische Seite dachte nicht an eine von Russland geforderte Entschuldigung für den Abschuss des Jets und wiederholte mehrmals, auch in Zukunft in einer ähnlichen Situation erneut mit einem Abschuss zu handeln. Die russische Seite reagierte und zeigte mehr als die kalte Schulter. Die bis Winter 2015 guten Beziehungen wurden von russischer Seite aufgekündigt. Es hagelte Import-Verbote z.B. für türkisches Obst und Gemüse. Ein staatlich gelenkter Tourismus Boykott gegenüber der Türkei wurde initiiert. Ebenso wurde u.a.  türkische Bauunternehmer nicht mehr mit Aufträgen bedacht. Zu dem wurden über regierungsnahe russische Medien Anschuldigen gegenüber der Türkei lanciert, denen zu Folge die Türkei die religiöse Terrorbande Isis unterstützen würde. Auch sportliche Begegnungen beider Länder wurden seit dem zu einem heissen Ritt in einer Art kalter Kriegsstimmung. 
(Siehe: Sport wird zum Spielball in türkisch-russischer Krise)


Fußball-Fans mit brennenden und noch nicht brennenden türkischen Fahnen im Dez. 2015 in Moskau.
Mehr dazu hier


Dabei sind beide Länder eng miteinander verknüpft, nicht nur das Russland für die Importeure in der Türkei ein wichtiger Absatzmarkt ist, auch der türkische Tourismus lebt von seinen russischen Kunden. Ebenso im Energie Bereich. Beide Länder brauchen einander. Russland liefert das Gas, welches die Türkei dringend braucht. Zudem ist für den Bau eines Atomkraftwerkes im türkischen Akkuyu ein russisches Konsortium verantwortlich. 


Fußballspiel soll Freundschaft besiegeln


Nun hat die türkisch-russische Krise, so schnell wie sie entstand ihr Ende gefunden. Die türkische Seite entschuldigte sich und ein Besuch Erdogans bei Putin Anfang des Monats rundete den neuen Freundschaftsprozess ab. So braucht man sich über Energiefragen in der Türkei in naher Zukunft keine Sorgen mehr zu machen. Das Gas wird auch in Zukunft fließen und das Atomkraftwerk soll nun schnell auf den Weg gebracht werden. Ebenso wurde der Tourismus-Boykott in die Türkei aufgehoben. Enorm wichtig, denn bis 2015 stellten die Russen noch hinter den Deutschen mit 3.649.000 Besuchern die Nr. 2 in der Türkei. Dieser Markt war komplett weggebrochen. Bis Mai 2016 besuchten 96 % weniger Russen Hot-Spot Antalya als 2015. Nun soll der Rubel also in Antalya und Umgebung wieder rollen.


Türkisch-Russische Freundschaftsschals warten auf Abnehmer an der Antalya Arena



Um den schnellen Wechsel im beiderseitigen Verhältnis auch der jeweiligen eigenen Bevölkerung, die durch monatelange Propaganda Auswüchse der jeweiligen Regierungsmedien aufgeheizt wurde, schmackhaft zu machen, wurden bei dem Putin-Erdogan Treffen die Weichen für das nun stattfindende Freundschaftsspiel gestellt. Das die Eiszeit vorbei ist, sollen die jeweiligen Fußballauswahlteams unter Beweis stellen. Live und in Farbe. Zuletzt spielten beide Team vor 18 Jahren gegeneinander.


Antalya: Spielort mit Symbolkraft


Als Spielort wurde Antalya ausgewählt, denn hier im Touri-Paradies der Türkei wohnen nicht nur ca. 40.000 russische Bürger dauerhaft. Noch vor Beginn der Krise wirkten weite Teile von West-Antalya, wie eine türkische-russische Parallelgesellschaft. Heute hingegen sind Orte wie Kemer fast ausgestorben. Hier soll der Fußball in Antalya nun seine Wirkung entfachen und den potentiellen russischen Touristen zeigen: Eure zweite Heimat ist wieder besuchbar! Den türkischen Händlern soll, im Gegensatz dazu, Mut gemacht werden für den Rest der Saison und auf den Sommer 2017. Das soll dann wieder ein Sommer werden, wie vor der Abschuss-Krise, wo die Russen noch lernten was Dostluk heisst und die Türken дружба (Druschba).  

So können sich Antalya Touristen und Groundhopper morgen vom harten Strandurlaub bei 38 Grad mal eine Pause gönnen und das Ende einer politischen Eiszeit live verfolgen. Damit das Stadion voll wird, haben die Organisatoren die Preise auf niedrig Niveau gesetzt. Das billigste Ticket gibt es schon für umgerechnet 3 Euro und auch das teuerste ist erschwinglich. Es kostet nur 15.  


Terim setzt auf neues und junges Team



Für die Türkei ist die Partie gegen Russland auch sportlich von Bedeutung. Während
Russland als Gastgeber der WM 2018 keine Qualifikationsspiele zu bestreiten hat, geht es für die Türkei am 5. September im ersten Gruppenspiel gegen Kroatien schon wieder um Punkte in der Quali. Dabei hat das Team noch an dem, zu mindestens in der Öffentlichkeit, als schwach wahrgenommen Abschneiden bei der EM in Frankreich zu arbeiten. Und das, obwohl der türkische Beckenbauer, aka Auswahlcoach Fatih Terim, nicht müde wird zu betonen, dass allein die Qualifikation zur EM in Frankreich schon ein Erfolg gewesen sei. Die mit Spanien, Kroatien und der tschechischen Republik gespickten Gruppe sei einfach sehr stark besetzt gewesen.

Trotzdem vollzieht Terim jetzt einen Wandel. Neben dem monetär gesehen wertvollsten Spieler der türkischen Fußballgeschichte, Arda Turan, sind mit Gökhan Gönül, Selçuk İnan, Semih Kaya, Hakan Balta, Caner Erkin und Burak Yılmaz gleich 6 weitere Spieler aus dem EM-Aufgebot nicht mehr dabei. Er setzt auf junge Spieler und holt Salih Uçan, Ahmet Oğuz, Çağlar Söyüncü, Kaan Ayhan, İrfan Can Kahveci, Okay Yokuşlu, Cengiz Ünder und Enes Ünal ins Team. Die Bundesliga ist mit Nuri Şahin (BVB), Emre Mor (BVB) Hakan Calhanoglu (Leverkusen),  Kaan Ayhan (Schalke), Yunus Malli (Mainz) Caglar Söyüncü (Freiburg) sechsmal vetreten. Auf Deutsch unterhalten könnten sie sich mit dem wieder berufenen Gökhan Töre, dem Ex-Frankfurter Cenk Tosun, dem Düsseldorfer Olcay Şahan und dem Ex-Herthaner Tolga Ciğerci. Dieser rutschte erst diese Woche in das Aufgebot, aufgrund der Verletzung von Oğuzhan Özyakup. Doch empfahl er sich bei den ersten beiden Saisonspielen für Galatasaray mit Traumqouten von über 90% ankommenden Pässen.


Putin kommt nicht




Ohne einen kleinen Wehrmutstropfen wird jedoch auch die öffentliche Zurschaustellung der Freundschaft nicht von statten gehen. Türkische regierungsnahe Medien vermeldeten seit Wochen das auch Putin zu dem Kick am Mittelmeer anreisen würde. Das wurde nun offiziell dementiert. Putin würde von zu Hause mit seinem Team mitfiebern, heisst es. Vielleicht auch besser so, denn was Putin im Austragungsort der neuen Antalya Arena neben Fußball und Politik noch zu  sehen bekommen könnte, würde ihm nicht so sehr in den Kram passen. Denn das Stadion versorgt sich selbst mit Energie und zwar durch Sonnenenergie. Eine Energiequelle, die clever genutzt die Türkei langfristig aus der Energieabhängigkeit gegenüber Russland führen könnte. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Erst mal sind wieder Gas, Atom und Fußball angesagt. Die Sonne scheint vorerst nur für die heiß erwarteten russischen Türkei Urlauber.


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tumds.blogspot.de - 2 Dezember 2015, Mittwoch
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Russischer Verband bestraft verbrennen türkischer Flagge

Knapp eine Woche ist es her, das beim letzten Hinrundenspiel der russischen Premjer Liga zwischen Spartak Moskau und Krylia Sovetov Samara die Gastgeber 1:0 gewonnen haben. Doch von dem Ergebnis redet heute niemand mehr. Vor Spielbeginn haben Fans von Spartak Moskau türkische Fahnen im Stadion verbrannt. Damit wurde die Kriegsstimmung zwischen beiden Ländern, die seit dem Abschuß eines russischen Kriegsflugzeuges durch das türkische Militär herrscht weiter angefeuert. Nach nur sechs Tagen hat der russische Fußball-Verband nun eine Strafe wegen rassistischen und Hassäußerungen gegenüber Spartak Moskau verhängt. ...
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tumds.blogspot.de - 11 Dezember 2015, Freitag
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Der türkische Erstligist Antalyaspor hat ab Montag ein neues zu Hause. Der Liga-Achte empfängt dann den Tabellenführer Beşiktaş in der frisch fertiggestellten Antalya Arena. Die ovale Sportarena im Zentrum der Tourismusregion der Türkei, wurde in knapp zwei Jahren erbaut und ist weltweit das  Stadion, welches am meisten Energie produziert. In Antalya natürlich per Sonnenenergie. ...

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