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Dienstag, 11. September 2018

Sportpolitik der AfD - Nationale Anbiederung




Nicht nur in der Klima- und Rentenpolitik bestach die Alternative für Deutschland in den vergangenen Monaten durch offene Konzeptlosigkeit. Auch in der Sportpolitik hatte die Partei bisher kaum etwas zu bieten. Um den Versuch zu unternehmen, diese Lücke ein Stück weit zu schließen, hat sie Ende August erstmals sportpolitische Positionen, in Form von 14 Thesen, veröffentlicht.


Von Robert Claus, dieser Beitrag erschien zuerst auf  "Werkstatt-Blog"

Vieles davon sind phrasenhafte Allgemeinplätze: Vom hohen gesellschaftlichen Stellenwert des Sports, seiner Bedeutung für eine „gesundheitsbewusste Lebensgestaltung“ ist dort die Rede. Gefordert wird, das nationale Ansehen durch Erfolge im Spitzensport zu fördern, gleichzeitig den Breitensport zu unterstützen und letztlich die Gelder für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu erhöhen. Dinge, die sich in ähnlicher Form auch in anderen Parteiprogrammen finden, wenngleich von der AfD des Öfteren mit den Begriffen von Volk und Nation gespickt. Ein verhältnismäßig zahmes Papier.


Fehlende Themen


An einer Stelle sollte das Fußballpublikum jedoch besonders aufhorchen: Unter These 13 zu „Sport und Medien“ erteilt man den über die vergangenen Jahre gestiegenen Investitionen des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks in die Übertragungsrechte der Bundesligen eine Absage. „Der immer mehr kommerzialisierte Fußball kann genauso gut und zu marktgerechteren Preisen von den Privatsendern präsentiert werden“, heißt es dort. So setzt die Partei in neoliberaler Manier auf die Kräfte des Marktes, anstatt die Kommerzialisierung des Fußballs zu kritisieren. Zwischen den Zeilen ist es eine deutliche Distanzierung zu den jahrelangen Kämpfen der aktiven Fanszenen in Deutschland. Mit mehreren Kampagnen waren sie gegen die privatsendergerechte Zerstückelung der Spieltage vorgegangen – ohne Erfolg.



Jenseits dessen ist weniger das Geschriebene interessant als vielmehr die fehlenden Themen. Denn obwohl die AfD dauerhaft in rassistischer Manier gegen Mesut Özil hetzte und im Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2017 noch die obligatorische Teilnahme von muslimischen Mädchen am schulischen Schwimmunterricht forderte, fehlen derlei Spitzen oder gar hetzerischer Rassismus im aktuellen Papier komplett. Auf den ersten Blick überrascht dies insofern, als dass die AfD ansonsten jedes noch so fern liegende Problem gerne auf die „Ursache Migration“ zurückführt, um stets ihr Kernthema – den völkischen Nationalismus – zu bedienen. Doch selbst auf eine Kritik von DOSB-Programmen wie „Integration durch Sport“ hat man verzichtet – womöglich um die Spitzen des Verbandes nicht allzu sehr zu verärgern. Denn dieser kann sich in einigen Disziplinen – z.B. im Boxen oder auch Turmspringen – ohne Migration kaum in der Weltspitze halten.


Sport und nationalistische Bewegungen

Darüber hinaus überrascht auch der Zeitpunkt des Papiers, denn es kommt sehr spät. In der Geschichte nationalistischer Bewegungen spielte der Sport neben dem Kulturbetrieb immer eine besondere Rolle, als ein den staatlichen Institutionen vorgeordneter Raum, in dem Kämpfe um politische Hegemonien ausgefochten werden. Zumal Sport in der extremen Rechten oft mit militaristischen sowie volksgesundheitlichen Zielen verbunden war. Auch der deutsche Nationalismus ist in seiner Geschichte eng mit der Entstehung der Turnerbewegung verknüpft. Die AfD hingegen verzichtete seit ihrer Gründung auf eine aktive Sportpolitik und hinterließ eine – für rechte Parteien – ungewöhnliche Lücke.

Welche sie mit ihren sportpolitischen Thesen nun zu schließen versucht. Heraus gekommen ist ein Papier, dessen strategisches Ziel vor allem darin besteht, sich dem DOSB handzahm anzubiedern. Die AfD will sich als normalisierter, politischer Gesprächspartner für die Strukturen des Sports in Stellung bringen und verzichtet dafür auf die schrillen völkischen Töne. Der DOSB und andere Verbände tun gut daran, dem gefährlichen Schauspiel nicht aufzusitzen. Denn der frappierende Rassismus in der Partei ist kein Stück geringer geworden.


Robert Claus, Jahrgang 1983, forscht, hält Vorträge und publiziert zu den Themen Fankulturen, Hooligans, Rechtsextremismus, Männlichkeiten, Soziale Bewegungen und Gewalt. Zuletzt erschien von ihm „Hooligans. Eine Welt zwischen Gewalt, Fußball und Politik“.

Montag, 23. Juli 2018

Nationalteams haben ein Problem: Nationalismus

Mit dem Rücktritt von Mesut Özil aus dem Auswahlteam der Bundesrepublik hat die Diskussion, die ausgelöst wurde durch einen Fototermin mit dem türkisch Staatspräsidenten Erdogan noch einmal an Fahrt aufgenommen. Dabei haben neben Sportlern, Ex-Sportlern, Sportfunktionären, Journalisten, Politikern und den Medien in Deutschland, England und der Türkei fast alle etwas zu sagen, über das Foto an sich, die mediale Aufarbeitung dessen, Reaktionen in den und um die Stadien, über das Verhalten des Verbandes und seiner Funktionäre, über Shitstorms, Sportberater und Rassismus.  Dabei wird das grundlegende Thema verschwiegen und das Dilemma von Nationalmannschaften: der Nationalismus an sich.



Die Foto-Lüge


Die Debatte um Mesut Özil und İlkay Gündoğan zeigt augenscheinlich wie der Nationalismus trennt. Dabei wurde er als moderne Staatsform geschaffen um zu einen. Doch die Einigung funktioniert nicht mehr, wenn sie denn jemals funktionierte. Warum die Debatte um Mesut Özil und İlkay Gündoğan eine Nationalistische ist lässt sich schon am Ausgangspunkt der Debatte belegen. Zu dem allseits bekannten Fototermin war neben Mesut Özil und İlkay Gündoğan noch ein weiterer Spieler anwesend. Doch auf den in deutschen Medien kolportierten Fotos waren zumeist nur Mesut Özil und İlkay Gündoğan, sowie der Staatspräsident zu sehen. Eine Google Suche nach „Foto mit Erdogan“ beweist dies. Die meisten Bilder zeigen jedoch nur ein Teil des Bildes und verschweigen die Anwesenheit von Cenk Tosun. Der 27-jährige ist ebenso wie seine beiden Fotofreunde in der Bundesrepublik geboren und spielt in der englischen Premier League. Doch die Diskussion dreht sich analog zum Bildschnitt ausschließlich um Mesut Özil und İlkay Gündoğan. Damit zeigt schon der Ausgangspunkt der Diskussion, das hier nicht kritisiert wird, wie sich Fußballer gegenüber Politikern verhalten. Es ist eindeutig keine Kritik, daran das Fußballer mit Tayyip Erdoğan kurz vor den Wahlen in der Türkei ein Foto gemacht haben. Denn wenn dies so wäre, dann hätte Cenk Tosun ebenso im Mittelpunkt der Kritik stehen müssen. Aber er ist ja noch nicht mal auf dem Bild.

Fotosuche bei Google: Fast nur Bilder mit Özil, Gündogan und Erdogan. 


Das Deutsche steht im Mittelpunkt, nicht ein Foto


Die Kritik richtet sich somit nur an aktuelle Nationalspieler. Und zwar Deutsche. Hier wird anhand eines Fotos das Deutsche diskutiert. Hier wird eine fiktive Klammer diskutiert. Und diese Klammer ist der Nationalismus: Der Deutsche. Was ist Deutsch? Was darf man als Deutscher? Muss man die Hymne singen etc. etc. Alles Fragen, die sich mit dem Deutschsein, der Nation beschäftigen. Die Klammer, die den künstlichen Nationalstaat zusammenhalten soll. Und dieser Nationalismus ist gang und gäbe, unhinterfragt und Grundlage für fast alle Länder dieser Welt. Kritik an Nationalismus ist marginal, und kommt über die Blase intellektueller und linker Debatten kaum hinaus. Und in diesen bewegen sich die wenigsten Sportler, Berater oder Sportfunktionäre.  

So wurden Mesut Özil und İlkay Gündoğan mit einer Debatte konfrontiert, die ihre Identitäten angriffen. Ihre Identitäten mit dem Background von drei Sprachen und der Verwurzelung in der Türkei, Deutschland und jetzt England. Doch der Nationalismus kennt keine Bi- oder Tri-Identitäten. Man ist Deutscher oder Türke. Immer wird man von irgendwo zu einer Entscheidung gedrängt. Eine absurde Situation. Özil hat in seiner Erklärung die Metapher von den zwei Herzen benutzt. Ein Deutsches und ein Türkisches. Ein schönes positives Bild, dabei ist die eigentliche Metapher viel tragischer. Es ähnelt eher der Situation von Scheidungskindern. Die Eltern trennen sich, waschen ihre Schmutzwäsche und ziehen an den Kindern und sie mit hinein in den Konflikt der Eltern. Da passt, dass das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland ja auch ein bisschen einer zerrütteten Ehe ähnelt. Auch kann man das Dilemma mit einem Begriff der im Deutschen und Türkischen gebraucht wird beschreiben: Haymatloz. Doch im Kontext des Nationalismus auf dem die Debatte fußt, wäre der Begriff von Bi-Nationalisten treffender. 

Zwischen den Stühlen


Dem Mainstream jedes nationalen Staates ist das Ausklinken aus dem Mainstream fremd. Und wenn man in zwei Gesellschaften lebt, die durch Nationalismus geleitet werden, ist man versucht, sich dem jeweiligen Mainstream anzupassen. Denn der Nationalismus wird ja nicht hinterfragt und man ist ja nicht, nur weil man in zwei oder mehr Kulturen verwurzelt ist, automatisch ein Anti-Nationalist, der das System in Frage stellt und andere Klammern für Gesellschaften sucht, als die fiktionale Klammer einer einheitlichen Nation. Man versucht sich irgendwie durchzuwurschteln. Es allen recht zu machen. Özils Verweis auf die Erziehung seiner Mutter bezüglich Respektes macht dort durchaus Sinn und ist sehr persönlich und intim.


Der Deutsche Nationalismus ist wie alle Nationalismen diffus, verregelt, aber eben nicht wie ein Verein, eine Partei oder eine NGO eine Gemeinschaft, die auf gemeinsamen ethischen Werten fußt. Nationalismus kehrt alle über einen Kamm, die nach dem Gesetz dazu gehören. Es gibt nur einen Nationalismus, den der Mehrheit und der ist eben Uni-Nationalismus. Der Standard ist die einfache Nationalität.  Da haben es Bi-Nationalisten mit Füßen in mehreren Kulturen schwer. Sie versuchen es allen Seiten Recht zu machen. Aber ein uni-nationaler Mainstream, erlaubt nur schwer Abweichungen von der Norm. Mesut Özil wird die Reaktionen aus der Türkei auf seine Entscheidung für das deutsche Team aufzulaufen nicht vergessen haben.



Bi statt Uni


Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen müssen sich natürlich auch kritisieren lassen für ihr tun, außerhalb ihres eigentlichen Arbeitsfeldes, deswegen bewegen sie sich ja auch mit Hilfe von Beratern in diesem Raum. Und da ist die Kritik dann berechtigt, denn gerade nach dem Fall von Lukas Podolski und seinem Tweet mit Soldatengruß vor der türkischen Fahne und den Reaktionen in Deutschland darauf, hätte auch den Beratern von Özil und Gündoğan bewusst sein können, das ein Termin mit Tayyip Erdogan im Jahre 2018 eben anders ist als die Termine vorher. Auch ist die Veröffentlichung der Stellungnahme nur auf Englisch unglücklich, denn so überlassen die Berater die Übersetzung den Journalisten und den sozialen Medien und verlieren somit die Kontrolle über die übersetzten Wörter, die dann wie beim Beispiel der Bild, dann eine ganze andere Geschichte erzählen.  Berater von internationalen Fußballern müssen heute eben immer auch interkulturelle Berater sein und die Gemengelage in verschiedenen Gesellschaften im Auge behalten. Was in der einen nationalen Klammer geht, geht eben in der anderen nicht. Dieser Spagat den Bi-Nationalisten eben tagtäglich hinlegen müssen, muss erlernt sein.

Auch der Ex-Nationalspieler Lukas Podolski hatte seinen Türkiye-Gate. Nach diesem Tweet 2015.



Deutscher, Türke, Deutsch-Türke und Almancı


Gesellschaften müssen lernen, das die alte Klammer des Nationalismus in einer globalisierten Welt, letztendlich ausgedient hat. Immer weniger Menschen passen in diese enge Fiktion einer Nation. Das zeigt sich nun einmal mehr an dem aktuellen Beispiel im Sport. Internationale Sportverbände müssten dies thematisieren, wenn die Politik dies nicht tut. Sie könnten Vorreiter sein über laxe Kampagnen gegen Rassismus hinaus.  Denn auch wenn die Fiktion der nationalen Idee, zur Zeit scheinbar an Unterstützung gewinnt, wird sie aufgefressen und zwar nicht von den bekennenden Anti-Nationalisten, sondern von den Bi- und Tri-Nationalisten, die das System ad absurdum führen. Der Sport könnte die Zeichen der Zeit erkennen und gegen steuern. Denn die aktuelle Kakophonie, bei der sich selbst die Polizei Koblenz genötigt sah ihren Senf dazu zu geben, zeigt einmal mehr, Nationalismus als einigender Faktor ist überholt. Und ein Kampf gegen Rassismus geht ohne Benennung des eigentlichen Problems des Nationalismus funktioniert für die nationalen Verbände eben nur dann wenn der Erfolg da ist. So wie Özil es in seinem Statement auf den Punkt brachte: „ Wenn ich Erfolg habe bin ich Deutscher, wenn nicht dann Türke.“ Resultat des deutschen Nationalismus. In der Türkei wäre er bei Erfolg der Türke, bei Mißerfolg der Almancı.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Update: Außenminister lässt US- Sportlerinnen einreisen

Emma Cannon und Brionne Jones Spielerinnen des russischen Basketball Europaligisten dürfen nun doch in die Türkei zum heutigen Spiel gegen Fenerbahce einreisen. Zuvor war ihnen die Einreise aufgrund eines Einreisverbotes gegen US-Amerikaner verboten worden. Nun hat der türkische Außenminister zu mindestens für Emma Cannon und Brionne Jones ein Außnahme gemacht. 


Am gestrigen Dienstag erschütterte die Nachricht des Einreiseverbotes von Cannon und Jones den russisches Sport. Als Skandal betitelte Klubchef Oleg Hramkin das Einreiseverbot. (siehe Einreiseverbot für US-Sportler )  Auch vorherige Kontaktaufnahme zum internationalen Basketballverband (FIBA) half den Russen nicht. Die türkische Seite stellte sich stur und beharrte darauf, dass seit dem 8. Oktober keine US-Bürger mehr in das Land einreisen dürfen, die nicht über ein zuvor ausgestelltes Visum verfügen. Neue Visa werden an US-Bürger nicht vergeben, heisst es dort.

Das ein Einreiseverbot von Sportlern, aufgrund ihrer Herkunft gegen die Grundlagen des Sport verstößt war den Entscheidern gestern noch egal. Heute jedoch wurde zurück gerudert. Stunden vor Spielbeginn wurde den beiden Sportlerinnen erlaubt ihrem Team hinterher zu reisen. Der Klub Orenburg sah aber davon ab die Spielerinnnen ihrem am Dienstag in die Türkei geflogenen Team nach reisen zu lassen und tritt nur mit einem 8-köpfigen Kader in Istanbul an. Somit bleibt auch weiterhin möglich, das der Klub sich aufgrund der Benachteiligungen durch die türkische Regierung im Anschluß an die Partie an die FIBA wendet um eine Bestrafung des türkischen Klubs bzw. des Verbandes zu erlangen.  

Meldung zum Spiel gg. Fenerbahçe auf der Homepage von Orenburg

US-Sportler aufgepasst


Fakt ist jedoch, das mit Emma Cannon und Brionne Jones zu mindestens zwei Sportlerinnen in die Türkei einreisen durften, während der US-Bann weiterhin besteht und alle US-Amerikaner an den türkischen Grenzen abgewiesen werde, sofern sie nicht über ein Visum verfügen, welches vor dem 8. Oktober erstellt wurde. Für Sportvereine und Sportler gilt bei Reisen in die Türkei gut zu planen. Kontaktaufnahme zur Presse und zum türkischen Außenminister direkt scheinen erfolgsversprechender zu sein als die Kontaktaufnahme zu den internationalen Sportsverbänden, welche anscheinend ratlos dem Visa-Krieg zwischen der USA und der Türkei gegenüberstehen.

Live im Internet

Die Partie zwischen Fenerbahce und Orenburg wird um 19 Uhr (20 Uhr Ortszeit) angepfiffen und auf dem Haussender des Istanbuler Klubs, FB TV, live übertragen.




Ergänzung: In einer älteren Version dieses Artikels gingen wir noch davon aus, das Orenburg versucht nachträglich die Spielerinnen in die Türkei einfliegen zu lassen. Dies stellte sich jedoch im Laufe des Abends als falsch heraus. Die Spielerinnen mit US-Pass blieben zu Hause in Russland. Der Artikel wurde dementsprechend aktualisiert.


Weiterführende Artikel


Am heutigen Dienstag wurde Emma Cannon und Brionne Jones, zwei Spielerinnen des russischen Basketball Europaligisten Nadejda Orenburg, die Einreise in die Türkei verboten. Ihr Team soll am morgigen Mittwoch gegen den türkischen Klub Fenerbahçe antreten. Hintergrund des Einreiseverbotes ist eine Maßnahme der Türkei, die seit Sonntagnacht, die Einreise von US-Bürgern, die nicht über ein vor dem 8.10.2017 erteiltes Visum verfügen verbietet. Ein US-Bann. ...

tumds.blogspot.de - 10. Oktober 2017, Dienstag




Dienstag, 10. Oktober 2017

Einreiseverbot für US-Sportler

Am heutigen Dienstag wurde Emma Cannon und Brionne Jones, zwei Spielerinnen des russischen Basketball Europaligisten Nadejda Orenburg, die Einreise in die Türkei verboten. Ihr Team soll am morgigen Mittwoch gegen den türkischen Klub Fenerbahçe antreten. Hintergrund des Einreiseverbotes ist eine Maßnahme der Türkei, die seit Sonntagnacht, die Einreise von US-Bürgern, die nicht über ein vor dem 8.10.2017 erteiltes Visum verfügen verbietet. Ein US-Bann.

Das Einreiseverbot für US-Bürger ohne Visum ist eine Reaktion der türkischen Regierung, auf die am Sonntag angekündigte Schließung der US-Vertretungen in der Türkei für Publikumsverkehr. In einer u.a. auf Twitter verbreiteten Erklärung, stellt die US-Botschaft fest, dass der Publikumsverkehr für alle Visa, außerhalb der Migrations-Visa vorübergehend eingestellt sei. Damit soll die Sicherheit der Angestellten und der Missionen gewährleistet werden. Dem vorausgegangen war eine Festnahme eines Angestellten des Konsulates in Istanbul. Dem türkischen Mitarbeiter wird, wie so oft in der Türkei, der Vorwurf der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung gemacht. In diesem Falle, wohl die Organisation um den Prediger Fetullah Gülen, der in der USA lebt und von der türkischen Regierung für den gescheiterten Putschversuch 2016 verantwortlich gemacht wird.  Zuvor gab es auch schon im türkischen Adana eine Festnahme eines US-Mitarbeiters.

Homepage von Orenburg mit der Meldung zum Einreiseverbot


Einreiseverbot für US-Bürger


Die US-Botschaft weißt daraufhin, dass türkische Staatsbürger überall auf der Welt weiterhin ein Visum für die USA beantragen können, eben zur Zeit nur nicht in der Türkei und das es sich somit nicht um ein Einreiseverbot gegenüber türkischen Staatsbürgern handelt. Die türkische Seite nahm  jedoch die Teil-Schließung der US-Missionen zum Anlaß, ein fast gleichlautende Erklärung zur verfassen, nur mit dem Zusatz, das alle Visa, für US-Bürger nun nicht mehr erteilt werden. Dies traf nun auch, wie viele Reisende, die beiden Sportlerinnen. Denn bis zum Sonntag wurden Visa für US-Bürger an der Grenze selbst bei der Einreise gegen einen Betrag von 30 Dollar erteilt. Nun ist eine Einreise für US-Bürger in die Türkei nicht mehr möglich. 


Fast wortgleiche Erklärungen der Botschaften, der letzte Satz in der Türkischen führte zum US-Bann


„´Geschenk` Erdogans“


Der russische Klub reagierte verärgert. Der Klubchef Oleg Hramkin bezeichnet gegenüber der russischen Agentur Tas das Verhalten der Türkei als Skandal, will jedoch trotzdem gegen Fenerbahce antreten und geht zudem weiterhin von einem Sieg aus. Auf der Homepage des Klubs, wird die Nachricht über das Einreiseverbot der Sportlerinnen mit „´Geschenk` Erdogans“ betitelt. Im Bericht wird daraufhin gewiesen, dass der Klub sich im Vorfeld an den internationalen Basketballverband (FIBA) wandte, doch von der FIBA an die Türkei verwiesen wurde. Auch wenn Vereinschef Hramkin fest an einen Sieg glaubt, wird sich die FIBA wohl spätestens bei einer Niederlage von Orenburg mit dem Fall beschäftigen müssen. Ein Einspruch gegen die Wertung im Nachhinein scheint fast unausweichlich.

Sportverbände gefragt



Auch andere Vereine müssen ihre Spielerinnen und Spieler noch einmal checken vor einer Reise in die Türkei. Kaum zu glauben, das die Sportverbände diese Vorgehen der Türkei so durchgehen lassen.  Wettbewerbsverzerrung ist hier nur ein Stichpunkt. Desweiteren stellt dies einen Eingriff in die Transferpolitik aller Klubs dar. Auch internationale Sportereignisse in der Türkei stehen nunmehr unter einem schlechten Stern. Die Turkish Airlines Open im November oder der internationale Marathon in  Istanbul im Oktober ohne US-Akteure? Dass der Sport internationaler ist, als es die Politik wahrhaben möchte, zeigte sich zuletzt erst in den USA. Denn selbst Trump musste bei seinen Versuchen einen Muslim-Bann in seinem Land einzuführen vor der Macht des Sportes zurückweichen.  Nationale Sportverbände und das nationale olympische Komitee riefen den US-Präsi schnell zurück.  Dass die nationalen Sportverbände in der Türkei offen die Regierung kritisieren und zu einer Kursänderung bewegen scheint unwahrscheinlich, doch ist mit dem Einreiseverbot von Cannon und Jones das Thema erst mal auf dem Tisch.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Infoveranstaltung zu Zagreb 041

Seit zwei Jahren engagiert sich der NK Zagreb 041 für Antifaschismus und gegen Rassismus, Homophobie und Korruption in Kroatiens Hauptstadt. Der Verein ist damit der erste antifaschistische Fußballklub des Landes und Teil des internationalen Alerta-Netzwerks. Er befindet sich komplett im Besitz der Fans und Spieler, alle Entscheidungen werden gleichberechtigt von der Vollversammlung getroffen. 

Doch es sind widrige Umstände für linke Fußballfans. Die Fankultur ist in ganz Ex-Jugoslawien von einer rechten Hegemonie geprägt. Nationalismus, Homophobie und teilweise offener Neonazismus sind bei nicht wenigen größeren Spiel anzutreffen.





Anlässlich des zweijährigen Bestehens des Vereins wird eine Delegation von NK Zagreb 041 von der ersten Saison, der kroatischen Fankultur und dem Verhältnis von Fußball und Politik in und außerhalb des Stadions berichten. Außerdem wird der Stand von Fußball und linker Politik im ehemaligen Jugoslawien beleuchtet. Dafür wurde Martin Blasius eingeladen, der sich in einem Forschungsprojekt mit »Fußball im jugoslawischen Selbstverwaltungssozialismus« beschäftigt.

Es diskutieren:
Goran Malic     (NK Zagreb 041)
Martin Blasius (Forschungsprojekt Fußball im jugoslawischen Selbstverwaltungssozialismus der Humboldt Universität Berlin)

Die Einnahmen aus dem Abend gehen an antifaschistische Fans aus Kroatien.

Eine Veranstaltung von Gesellschaftsspiele e.V. und der Kampagne SolidarnOST.

Zur Veranstaltung als Facebook-Event:

Mehr Infos zu den Veranstaltern hier:


Wann?  6. Dezember 2016 um 19:30 Uhr

Wo? Baiz, Schönhauser Allee 26a, 10435 Berlin