Es geht um sehr viel, bei der Wiederaufnahme dieses Verfahrens. Fenerbahçe-Boss Aziz Yıldrım und fünf weiteren Mitangeklagten wird vorgeworfen für Spielmanipulationen in der Saison 2010/2011 verantwortlich gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft fordert nun heute Freispruch für den Chef des Traditionsklubs aus Istanbul. Am 9. Oktober wird eine Entscheidung erwartet, bei dem Prozess der die türkische Sportwelt seit 2011 beschäftigt.
In erster Instanz wurde Aziz Yıldrım rechtskräftig schon zu sechs Jahren und drei Monaten Haft wegen erwiesener Spielverschiebung und Gründung einer geheimen Organisation verurteilt. Schon während dieses Verfahrens saß er knapp ein Jahr in Untersuchungshaft. Kein Prozess polarisierte die türkische Sportcommunity wie dieser. Im Zuge der Verhandlungen kam es nicht nur zu einem immensen Zuschauerschwund in den Stadien der Süperlig. Viele Fans hatten einfach keine Lust auf abgekartete Spiele. Auch die UEFA blieb nicht untätig und bestrafte Fenerbahçe mit drei Jahren Ausschluß von den Spielen der Champions League und Europa League.
Fenerbahce Chef Aziz Yıldrım. Foto aus Wikipedia, CC BY-SA 3.0 by LuCKY https://de.wikipedia.org/wiki/Aziz_Yıldırım#/media/File:Aziz_Yıldırım.jpg
Neue Feindschaften
Zudem entstand eine Feindschaft zwischen den Klubs Trabzonspor und Fenerbahçe. Denn in der Saison 2011 wurde Trabzonspor hinter Fenerbahçe Zweiter. Und in der Schwarzmeer Metropole sieht man bis heute Trabzonspor als rechtmäßigen Champion der Saison an. Doch weder wurde der Titel von türkischen Fußballverband (TFF) Fenerbahçe aberkannt, noch Trabzonspor zugesprochen. Auch wurden keinerlei der angeblich manipulierten Spiel nachträglich annulliert, wie es die Verbandsordnungen bei Manipulation eigentlich vorschrieben. Darum bergen Spiele zwischen den beiden Teams auch bis heute eine emotionalisierte Brisanz. Ob auch der bewaffnete Anschlag auf den Teambus von Fenerbahçe im April dieses Jahres in diesem Zusammenhang gesehen werden muss wird bis heute untersucht.(Siehe: Schüsse auf den Teambus von Fenerbahçe)
Hockkonjunktur für Verschwörungstheoretiker
Die türkische Gesellschaft wird in den letzten Jahren von einigen großen Gerichtsverfahren geprägt. Der Prozess gegen Aziz Yıldırım ist da nur einer von vielen. Prozesse wie „Balyoz“ und „Ergenekon“ oder die Beşiktaş Fangruppe „Çarşı“ wegen angeblichen Putschversuchen gegen die amtierende Regierung sind nur schillernde Beispiele. Im Rahmen dieser Prozesse wurde lange öffentlich über politische Einflussnahme auf die Gerichtsbarkeit diskutiert. Mit der Folge, das heute Gerichtsentscheidungen im gesellschaftlichen Diskurs kaum noch als Ergebnis einer unabhängigen Justiz wahrgenommen werden. Das bietet Raum für die in der Türkei angesagten Verschwörungstheorien. So wird schon jetzt in sozialen Medien gegen das zu erwartende Urteil gepoltert. Die Regierungspartei AKP oder wahlweise der Staatspräsident sollen mit dem möglichen Freispruch der Angeklagten im Fener-Prozess zu tun haben. Glückliche Fener-Fans wären potentielle Wähler bei den anstehenden Wahlen im November. Glücklich schwelgen die Feber-Fans tatsächlich in Vorfreude unter dem Hashtag #3TemmuzuFenerbahçeKazandı (3JuliFenerbahçeHatGewonnen) posten sie pure Gute Laune und reichlich Häme. Der Hashtag-Titel bezieht sich dabei auf das Datum an welchem der Prozess 2011 begonnen hat. Bis heute eine schwarzer Tag in der Geschichte des Klubs. Nun scheint sich das Blatt zu wenden.
Entschädigungen für Fener?
Doch für Fener steht anderes im Blickfeld. Natürlich wäre eine Freispruch Aziz Yildirims mehr als eine Genugtuung, auch würde die drohende Reststrafe gegenüber dem Präsidenten wegfallen. Doch schon im Vorfeld der Wiederaufnahme des Verfahrens kündigte Fenerbahçe an im Falle eines Freispruches auch bei der UEFA und dem internationalen Sportsgerichtshofes (CAS) zu klagen. Ziel wären millionenschwere Regressforderungen aufgrund der Sperre des Verbandes und den daraus entgangenen Einnahmen.
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Montag, 5. Oktober 2015
Sonntag, 4. Oktober 2015
Trabzonspor: Gewalt unter Spielern und Festnahme am Flughafen
Kein gutes Wochenende für Sportler aus der Schwarzmeerstadt Trabzon. Die dritte Niederlage von Trabzonspor in Folge am 7. Spieltag der Süperlig wird überlagert von Meldungen über Festnahmen und Schlägereien.
Am Sonnabend früh morgens wollte Trabzonspor Linksaußen Kevin Constant vom Flughafen Atatürk in Istanbul nach Nice in Frankreich aufbrechen. Doch daraus wurde nichts. Presseberichten zufolge verwickelte sich der Fußballer mit der Flughafen Security und der Flughafen Polizei in einen Streit. Auf Englisch soll er daraufhin die Beamten beleidigt haben. Hintergrund: Der Fußballer soll trotz Normal-Ticket auf Behandlung als Business-Flieger bestanden haben. Aufgrund der Beleidigungen wurde er daraufhin in Handschellen abgeführt und festgenommen und erst nach dem Verhör durch die Staatsanwaltschaft gegen Abend wieder freigelassen. Ihm droht nun ein Verfahren wegen Beleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Zudem soll sich nun noch der Taxifahrer der Constant zum Flughafen gefahren hat gemeldet haben, er wirft dem Spieler vor ihn um das Fahrgeld geprellt zu haben.
Constant wechselte letzte Saison vom AC Mailand für die Summe von 8 Millionen Euro zu Trabzonspor. Aus disziplinarischen Gründen wurde er vom Verein letzte Saison intern gesperrt, gehört jedoch diese Saison zum festen Aufgebot.
Gewalt in der Kabine
Erst jetzt wurde ein Vorfall von letzter Woche bekannt. Im Anschluß an die Niederlage bei Osmanlıspor (1:3) soll Mittelfeldspieler Erkan Zengin noch in der Umkleidekabine seinen Teamkollegen Mehmet Ekici mitten ins Gesicht geschlagen haben. Auslöser soll ein Kommentar von Mehmet Ekici gewesen sein, indem er die Geschwätzigkeit seines Mitspielers kritisierte. Der gebürtige Münchener Ekici, soll seitdem nicht am Training teilgenommen haben und Schwierigkeiten haben die Handgreiflichkeit zu verarbeiten. Trabzonspor schweigt zu dem Vorfall, gab jedoch am Freitag bekannt das Ekici aufgrund einer Verletzung drei Wochen nicht spielen könne. Eine Entschuldigung von Zengin gegenüber Ekici soll auch acht Tage nach dem Vorfall noch ausstehen.
Vergiftete Spielabsage
Schlechte Stimmung auch bei dem Basketball Team aus Trabzonspor. Aufgrund einer Lebensmittelvergiftung von gleich 5 Spielern von Trabzonspor Medical Park musste das Pokalspiel zwischen TED Ankara und Trabzonspor abgesagt werden. Die Spieler sollen zuvor Kokoreç gegessen haben. Ein besonders am schwarzen Meer beliebtes Gericht, welches aus am Drehspieß gegrillten Lammdärmen besteht. Die Vergiftung war so schlimm, das der Verband dem Antrag Trabzonspors auf Spielabsage zustimmte. Mit Problemen dieser Art würde zumdestens Schluß sein, wenn die Türkei in die EU aufgenommen würde und einer gängigen Verschwörungstheorie glauben geschenkt wird. Demnach wäre mit einem EU-Beitritt Schluß mit dem Kokoreç, denn das würde den Türken dann verboten. Das es z.B. beim EU-Mitglied Griechenland bis heute ganz legal das Pendant Kokoretsi zu Essen gibt, ist dann eine ganz andere Gechichte.
Kokoreç Verkäufer in der Türkei - Foto aus Wikipedia, CC BY 2.0, by William Neuheisel https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kokoreç_(6377122133).jpg
Am Sonnabend früh morgens wollte Trabzonspor Linksaußen Kevin Constant vom Flughafen Atatürk in Istanbul nach Nice in Frankreich aufbrechen. Doch daraus wurde nichts. Presseberichten zufolge verwickelte sich der Fußballer mit der Flughafen Security und der Flughafen Polizei in einen Streit. Auf Englisch soll er daraufhin die Beamten beleidigt haben. Hintergrund: Der Fußballer soll trotz Normal-Ticket auf Behandlung als Business-Flieger bestanden haben. Aufgrund der Beleidigungen wurde er daraufhin in Handschellen abgeführt und festgenommen und erst nach dem Verhör durch die Staatsanwaltschaft gegen Abend wieder freigelassen. Ihm droht nun ein Verfahren wegen Beleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Zudem soll sich nun noch der Taxifahrer der Constant zum Flughafen gefahren hat gemeldet haben, er wirft dem Spieler vor ihn um das Fahrgeld geprellt zu haben.
Constant wechselte letzte Saison vom AC Mailand für die Summe von 8 Millionen Euro zu Trabzonspor. Aus disziplinarischen Gründen wurde er vom Verein letzte Saison intern gesperrt, gehört jedoch diese Saison zum festen Aufgebot.
Gewalt in der Kabine
Erst jetzt wurde ein Vorfall von letzter Woche bekannt. Im Anschluß an die Niederlage bei Osmanlıspor (1:3) soll Mittelfeldspieler Erkan Zengin noch in der Umkleidekabine seinen Teamkollegen Mehmet Ekici mitten ins Gesicht geschlagen haben. Auslöser soll ein Kommentar von Mehmet Ekici gewesen sein, indem er die Geschwätzigkeit seines Mitspielers kritisierte. Der gebürtige Münchener Ekici, soll seitdem nicht am Training teilgenommen haben und Schwierigkeiten haben die Handgreiflichkeit zu verarbeiten. Trabzonspor schweigt zu dem Vorfall, gab jedoch am Freitag bekannt das Ekici aufgrund einer Verletzung drei Wochen nicht spielen könne. Eine Entschuldigung von Zengin gegenüber Ekici soll auch acht Tage nach dem Vorfall noch ausstehen.
Vergiftete Spielabsage
Schlechte Stimmung auch bei dem Basketball Team aus Trabzonspor. Aufgrund einer Lebensmittelvergiftung von gleich 5 Spielern von Trabzonspor Medical Park musste das Pokalspiel zwischen TED Ankara und Trabzonspor abgesagt werden. Die Spieler sollen zuvor Kokoreç gegessen haben. Ein besonders am schwarzen Meer beliebtes Gericht, welches aus am Drehspieß gegrillten Lammdärmen besteht. Die Vergiftung war so schlimm, das der Verband dem Antrag Trabzonspors auf Spielabsage zustimmte. Mit Problemen dieser Art würde zumdestens Schluß sein, wenn die Türkei in die EU aufgenommen würde und einer gängigen Verschwörungstheorie glauben geschenkt wird. Demnach wäre mit einem EU-Beitritt Schluß mit dem Kokoreç, denn das würde den Türken dann verboten. Das es z.B. beim EU-Mitglied Griechenland bis heute ganz legal das Pendant Kokoretsi zu Essen gibt, ist dann eine ganz andere Gechichte.
Kokoreç Verkäufer in der Türkei - Foto aus Wikipedia, CC BY 2.0, by William Neuheisel https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kokoreç_(6377122133).jpg
Samstag, 4. April 2015
Schüsse auf den Teambus von Fenerbahçe (Update 11.4.)
Einen vorläufigen Höhepunkt von Gewalt im Zusammenhang mit Fußball gab es wohl am Sonnabendabend in der Türkei. Nach dem 5:1 Sieg des Istanbuler Süperligisten Fenerbahçe Istanbul beim Schwarzmeerclub Rizespor befanden sich die Istanbuler auf dem Weg zum Flughafen nach Trabzon. Auf der Strecke dorthin wurde der Teambus von Fenerbahçe mit scharfer Munition beschossen. Der Fahrer wurde durch Schüsse auf die Frontscheibe schwer getroffen.
Nach ersten Zeugenaussagen per Internet und dem vereinseigenen TV-Sender FBTV, soll mit einer Pumpgun gezielt auf den Fahrer des Busses geschossen worden sein. Der Bus fuhr zur Tatzeit über eine Straßenüberführung und wurde in einer Kurve Ziel des oder der Schützen. Der Fahrer soll aufgrund der Schüsse sein Bewußtsein verloren haben und der Bus konnte nur durch das Eingreifen von Mitfahrern gebremst werden. Der Fahrer wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Laut FBTV soll keine Lebensgefahr bestehen.
Eine Feindschaft mit Geschichte
Für Fenerbahçe Fans ist der/die Täter schnell ausgemacht, so polterte der Präsident von Trabzonspor İbrahim Hacıosmanoğlu in der Vergangenheit wiederholt gegen Fenerbahçe. Der Präsident soll mit seinen Äußerungen Fans aufgehetzt haben und Fenerbahçe zur Zielscheibe erklärt haben. Schon zuvor wurde der Bus der Istanbuler in Trabzonspor von Fans angegriffen. Da blieb es noch bei Steinen, doch zu mindestens einmal soll auch schon eine Waffe auf die Delegation von Fenerbahçe gerichtet worden sein. Hintergrund der aktuellen Feindschaft der beiden ist die Saison 2010-2011. Hier soll Fenerbahçe bei Spielverschiebungen beteiligt gewesen sein. Von der UEFA wurde der Meister von 2011 aufgrund von Verschiebungen für drei Jahre von allen Spielen gesperrt. Trabzonspor, damals Zweiter fordert seitdem die offizielle Zuerkennung des Titels. Fenerbahçe hingegen, betrachtet die Anschuldigungen, als eine große Verschwörung und sieht den Klub und den Präsidenten zu Unrecht verurteilt. Aufgrund dieser Vorgeschichte ist bei Fenerbahçe klar: Dies war ein gezielter Anschlag auf Fenerbahçe, von einer Verbindung der Täter zu Trabzonspor wird ausgegangen. Zurückgeführt wird dies auf die Hasssprache des Klubpräsidenten von Trabzonspor.
Gewalt zurück auf der Tagesordnung
Immer wieder wird die Gesellschaft mit Gewaltaktionen im Rahmen von Fußballspielen konfrontiert. Mit verschiedenen Maßnahmen wird seit Jahren versucht die im Rahmen von Fanfeindschaften zwischen den vier großen Vereinen (Fenerbahçe, Galatasaray, Beşiktaş und Trabzonspor) aufkommende Gewalt einzudämmen. Mit Sicherheitspakten, Vereinsstrafen und zuletzt mit der Einführung einer personalisierten Ticketvergabe (Passolig) ist die Gewalt in den Stadien der Profi-Ligen erstmals erheblich zurückgegangen. Nebeneffekt der Passolig: ein immenser Zuschauerschwund, oft erreicht das Zuschauerinteresse nun nicht mal mehr bundesdeutsches Zweitliganiveau.
Mit dem Anschlag von heute Abend wird die Diskussion um Fanatismus und Gewalt im türkischen Fußball neu beginnen. Fenerbahçes Pressesprecher, Mahmut Uslu, kündigt an das der Klub nicht mehr schweigen wird. „Eine Passolig einzuführen reiche nicht“ kritisierte er die bisherigen Maßnahmen gegenüber Gewalt im Rahmen von Fußball. Viele Vereine in der Türkei reagierten schon in der Nacht schnell. So haben u.a. Galatasaray, der heutige Gegner Rizepsor, als auch Trabzonspor den Anschlag scharf verurteilt. Der türkische Fußballverband reagiert noch in der Nacht und bezeichnet den Anschlag als Anschlag auf den gesamten Fußball und fordert Medien und Klubs zur Besonnenheit auf. Ein vorübergehendes Aussetzen des Spielbetriebes ähnlich wie in Griechenland ist nun im Bereich des Möglichen.
Fenerbahçe Fans rufen im Internet derweil dazu auf zum Istanbuler-Flughafen Sabiha Gökçen zu fahren um dem in der Nacht dort erwarteten Team Solidarität zu zeigen. Die Ankunft des Teams wird gegen 2 Uhr nachts Ortszeit erwartet. FBTV überträgt live.
UPDATE 11.4.2015
Wie geahnt, hat der türkische Fußballverband nach den Schüssen auf den Fenerbahçe - Teambus mit Spielabsagen reagiert. Zuerst wurden die Pokalspiele für Mitte der Woche abgesagt, daraufhin auch der komplette Spieltag der Süperlig dieses Wochenende.Zudem kündigte Fenerbahçe mehrmals an nicht am Spielbetrieb teilzunehmen bis der Fall aufgeklärt sei. Ganz andere Konsequenzen zog die Familie von Mustafa Sow. Die Angehörigen des Fenerbahçe-Stars haben die Türkei erst einmal verlassen. Türkische Zeitungen berichten zudem von spanischen Medien die Fußballer davor warnen in die Türkei zu gehen. Ein weiteren gewalttätigen Angriff im Rahmen von Sportveranstaltungen gab es dann noch Mitte der Woche, als ein Bus vom Beşiktaş-Handball-Team in der südtürkischen Stadt Mersin mit Steinen beworfen wurde.
Der ehemalige Fenerbahce Präsident Ali Şen ließ derweil Medien gegenüber verlauten, dass er die Schüsse als terroristischen Akt versteht. Vom Fußball-Verband und den Vereinen werden die Schüsse als Angriff auf den türkischen Fußball in seiner Gesamtheit gewertet. Obwohl bis jetzt alles nur reine Spekulation ist. Es gab zwar vorläufige Festnahmen aufgrund von Facebookeinträgen. Doch ohne neue Erkenntnisse. Zudem erfreuen sich in der Türkei Verschwörungstheorien hoher Beliebtheit. Die Verfasser dieser Theorien haben jetzt Hochkonjunktur.
Am morgigen Sonntag um 18 Uhr Ortszeit empfängt Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan eine Delegation bestehend aus Verbandsfunktionären und den Kapitänen der türkischen Superlig. In Anbetracht der Tatsache das Erdoğan, obwohl er ja eigentlich nur Staatspräsident ist, immer noch erheblichen Einfluß auf das politische Tagesgeschehen nimmt, wird mit Spannung erwartet, ob bei diesem Treffen weitere Maßnahmen, die über die Absage der Spiele diese Woche hinausgehen, angekündigt werden.
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Nach ersten Zeugenaussagen per Internet und dem vereinseigenen TV-Sender FBTV, soll mit einer Pumpgun gezielt auf den Fahrer des Busses geschossen worden sein. Der Bus fuhr zur Tatzeit über eine Straßenüberführung und wurde in einer Kurve Ziel des oder der Schützen. Der Fahrer soll aufgrund der Schüsse sein Bewußtsein verloren haben und der Bus konnte nur durch das Eingreifen von Mitfahrern gebremst werden. Der Fahrer wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Laut FBTV soll keine Lebensgefahr bestehen.
Eine Feindschaft mit Geschichte
Für Fenerbahçe Fans ist der/die Täter schnell ausgemacht, so polterte der Präsident von Trabzonspor İbrahim Hacıosmanoğlu in der Vergangenheit wiederholt gegen Fenerbahçe. Der Präsident soll mit seinen Äußerungen Fans aufgehetzt haben und Fenerbahçe zur Zielscheibe erklärt haben. Schon zuvor wurde der Bus der Istanbuler in Trabzonspor von Fans angegriffen. Da blieb es noch bei Steinen, doch zu mindestens einmal soll auch schon eine Waffe auf die Delegation von Fenerbahçe gerichtet worden sein. Hintergrund der aktuellen Feindschaft der beiden ist die Saison 2010-2011. Hier soll Fenerbahçe bei Spielverschiebungen beteiligt gewesen sein. Von der UEFA wurde der Meister von 2011 aufgrund von Verschiebungen für drei Jahre von allen Spielen gesperrt. Trabzonspor, damals Zweiter fordert seitdem die offizielle Zuerkennung des Titels. Fenerbahçe hingegen, betrachtet die Anschuldigungen, als eine große Verschwörung und sieht den Klub und den Präsidenten zu Unrecht verurteilt. Aufgrund dieser Vorgeschichte ist bei Fenerbahçe klar: Dies war ein gezielter Anschlag auf Fenerbahçe, von einer Verbindung der Täter zu Trabzonspor wird ausgegangen. Zurückgeführt wird dies auf die Hasssprache des Klubpräsidenten von Trabzonspor.
Gewalt zurück auf der Tagesordnung
Immer wieder wird die Gesellschaft mit Gewaltaktionen im Rahmen von Fußballspielen konfrontiert. Mit verschiedenen Maßnahmen wird seit Jahren versucht die im Rahmen von Fanfeindschaften zwischen den vier großen Vereinen (Fenerbahçe, Galatasaray, Beşiktaş und Trabzonspor) aufkommende Gewalt einzudämmen. Mit Sicherheitspakten, Vereinsstrafen und zuletzt mit der Einführung einer personalisierten Ticketvergabe (Passolig) ist die Gewalt in den Stadien der Profi-Ligen erstmals erheblich zurückgegangen. Nebeneffekt der Passolig: ein immenser Zuschauerschwund, oft erreicht das Zuschauerinteresse nun nicht mal mehr bundesdeutsches Zweitliganiveau.
Mit dem Anschlag von heute Abend wird die Diskussion um Fanatismus und Gewalt im türkischen Fußball neu beginnen. Fenerbahçes Pressesprecher, Mahmut Uslu, kündigt an das der Klub nicht mehr schweigen wird. „Eine Passolig einzuführen reiche nicht“ kritisierte er die bisherigen Maßnahmen gegenüber Gewalt im Rahmen von Fußball. Viele Vereine in der Türkei reagierten schon in der Nacht schnell. So haben u.a. Galatasaray, der heutige Gegner Rizepsor, als auch Trabzonspor den Anschlag scharf verurteilt. Der türkische Fußballverband reagiert noch in der Nacht und bezeichnet den Anschlag als Anschlag auf den gesamten Fußball und fordert Medien und Klubs zur Besonnenheit auf. Ein vorübergehendes Aussetzen des Spielbetriebes ähnlich wie in Griechenland ist nun im Bereich des Möglichen.
Fenerbahçe Fans rufen im Internet derweil dazu auf zum Istanbuler-Flughafen Sabiha Gökçen zu fahren um dem in der Nacht dort erwarteten Team Solidarität zu zeigen. Die Ankunft des Teams wird gegen 2 Uhr nachts Ortszeit erwartet. FBTV überträgt live.
UPDATE 11.4.2015
Wie geahnt, hat der türkische Fußballverband nach den Schüssen auf den Fenerbahçe - Teambus mit Spielabsagen reagiert. Zuerst wurden die Pokalspiele für Mitte der Woche abgesagt, daraufhin auch der komplette Spieltag der Süperlig dieses Wochenende.Zudem kündigte Fenerbahçe mehrmals an nicht am Spielbetrieb teilzunehmen bis der Fall aufgeklärt sei. Ganz andere Konsequenzen zog die Familie von Mustafa Sow. Die Angehörigen des Fenerbahçe-Stars haben die Türkei erst einmal verlassen. Türkische Zeitungen berichten zudem von spanischen Medien die Fußballer davor warnen in die Türkei zu gehen. Ein weiteren gewalttätigen Angriff im Rahmen von Sportveranstaltungen gab es dann noch Mitte der Woche, als ein Bus vom Beşiktaş-Handball-Team in der südtürkischen Stadt Mersin mit Steinen beworfen wurde.
Der ehemalige Fenerbahce Präsident Ali Şen ließ derweil Medien gegenüber verlauten, dass er die Schüsse als terroristischen Akt versteht. Vom Fußball-Verband und den Vereinen werden die Schüsse als Angriff auf den türkischen Fußball in seiner Gesamtheit gewertet. Obwohl bis jetzt alles nur reine Spekulation ist. Es gab zwar vorläufige Festnahmen aufgrund von Facebookeinträgen. Doch ohne neue Erkenntnisse. Zudem erfreuen sich in der Türkei Verschwörungstheorien hoher Beliebtheit. Die Verfasser dieser Theorien haben jetzt Hochkonjunktur.
Am morgigen Sonntag um 18 Uhr Ortszeit empfängt Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan eine Delegation bestehend aus Verbandsfunktionären und den Kapitänen der türkischen Superlig. In Anbetracht der Tatsache das Erdoğan, obwohl er ja eigentlich nur Staatspräsident ist, immer noch erheblichen Einfluß auf das politische Tagesgeschehen nimmt, wird mit Spannung erwartet, ob bei diesem Treffen weitere Maßnahmen, die über die Absage der Spiele diese Woche hinausgehen, angekündigt werden.
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