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Samstag, 14. Januar 2017

Der lange Abend der fernen Liebe

Fußball in Berlin ist ein Thema für sich. Und obwohl sich Hertha BSC und der FC Union abmühen so etwas wie Fußballfieber in der Stadt zu entfachen, bleibt Berlin auf den ersten Blick Fußball-Wüste. Zwar gibt es hunderte von Kiezklubs, die dem Sport Leben einhauchen, doch viele Neuberliner haben ihre Fußballliebe aus der ehemaligen Heimat mitgebracht. Berliner Klubs sind da eher Zweit, oder Drittverein. Der lange Abend der fernen Liebe, am Sonnabend, dem 14. Januar, widmet sich dieser besonderen Gemengelage.

Berlin als Stadt der Migranten bringt Fußballfans von unterschiedlichsten Klubs zusammen. Die zunehmende Zahl der Fußballkneipen beweist dies jedes Wochenende, wenn die Fans von Gladbach, St. Pauli oder Werder Bremen mit ihrem Klub in den unzähligen Kneipen mit Live-Fußball mitfiebern. Nun haben sich zehn Fußballkneipen zusammengeschlossen und führen den langen Abend der fernen Liebe durch. Fans der unterschiedlichsten Vereine sollen zusammen kommen. Sogenannte Exilfanklubs haben ein fußballkulturelles Programm auf die Beine gestellt, welches auf Filmen, Musik, Ausstellungen und Podiumsdiskussionen beruht. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.



Beim Programm des langen Abends der fernen Liebe verwundert dann jedoch, das sich die Fußballkneipen, jedoch ausschließlich auf Vereine aus der alten Bundesrepublik konzentrieren. Das lässt sich einerseits durch die Organisation der Fußballkneipen erklären, deren kultureller Background eben dort liegt, in der bundesdeutschen Kultur. Doch wenn es um ferne Liebe in Sachen Fußball geht, sollte die Liebe zu Galatasaray, PAOK, Barcelona oder Legia Warschau auch eine Rolle spielen. Erstens sind diese Klubs wirklich in der Ferne, und zweitens gibt es keine öffentlichen Feiern in Berlin wenn Schalke, Gladbach oder Bremen etwas gewinnt. Wenn Galatasaray zum Beispiel in der Türkei Meister wird, feiern jedoch tausende auf den Straßen von Kreuzberg und am Ku´damm und so gibt ihre ferne Liebe auch einen Input in das Leben der Stadt. Aber Fans von Vereinen außerhalb der Bundesrepublik sind eben nicht in Fanklubs oder Fankneipen organisiert. Sie haben zum Teil ihre eigenen Fußball-Klubs gegründet, oder Vereinslokale in denen sie sich treffen. So bietet der lange Abend der fernen Liebe zwar die Möglichkeit etwas über Fußballfans außerhalb des Berliner Lokalkolorits zu erfahren. Das multikulturelle Berlin fehlt in dieser Veranstaltung jedoch gänzlich.



Samstag, 31. Dezember 2016

Sport auch 2016 Thema Nr.1 bei Twitter

Das Mikroblogging- System Twitter misst jährlich die Themen, die die weltweite Community beschäftigen. Trotz Krieg, Terror und rechten demagogischen Prozessen stand 2016 der Sport im Blickpunkt des Interesses. Sogar die Menschen in England oder der Türkei twitterten mehr zu Fußball als zu Brexit oder dem Putschversuch einer Gruppe von Militärs.


Unter #ThisHappened lässt Twitter das Jahr Revue passieren und bietet einen Einblick in die Gemengelage der Community. Emotionen bestimmen auch 2016 das Geschehen und da darf der Sport als Gefühlstransmitter nicht fehlen. Unter den Top 10 der meist kommentierten Themen auf Twitter weltweit, fanden sich 2016 gleich zwei Sportthemen. #Rio2016 war der meistbenutzte Hashtag des Jahres. Auf Platz 4 landete die #Euro2016. Zudem ließe sich auch #PokemonGo, als Top3 unter Sport einordnen. Verband der Hype um das Game doch eine neue Art von e-Sport und körperlicher Betätigung. Auch der Hashtag #RIP ist unter den Top-Ten. Fast schon unzählige Stars aus Kultur, Politik und Sport verstarben, deren Tod sich durch #RIP im Netz widerspiegelte. Weltweite Trauer herrschte im Sommer bezüglich des Todes von Muhammed Ali. Der Tweet von US-Präsident Obama dazu stand prominent stellvertretend für die Anteilnahme und tat auch seinen Teil dazu bei, das der Hashtag trend topicte.

 

Twitter Topic Trends 2016 (weltweit)





Sportfieber auf der Insel


Noch sportlicher als weltweit gesehen, geht es dabei in England zu. Denn während der #Brexit weltweit für Spannung sorgte, interessierte sich die Insel zumeist für Fußball. In den Top 10 zu den Momenten mit der meisten Resonanz auf Twitter finden sich dann auch ausschließlich sportliche Momente. Ganz vorne steht die Niederlage des englischen Auswahlteams gegen Island bei der #EM2016 mit 128 Tausend Tweets pro Minute. Auf Zwei landet die Meisterschaft Leicesters in der Premier League. Nachdem der Titelgewinn klar war, gab es einen Boom mit 107.000 Tweets pro Minute zum Thema. In den Top 10 sind dann sowohl noch Daniel Sturridge und seine Verletzung bei #ENGWAL, als auch der erste Treffer der Engländer während der EM. Mit immerhin 50.000 Tweets pro Minute landete das Comeback Liverpools im Viertelfinale der Europa League gegen Dortmund auch noch in der Top 10 auf Zehn.

Fußball wichtiger als Putschversuch


Auch in der Türkei beschäftigte sich die Community im Endeffekt mehr mit Sport als mit den Themen, die das Land sonst beschäftigten. In den TOP3 der Momente mit den meisten Tweets pro Minute, ist weder der Putschversuch einer Gruppe von Militärs oder einer der unzähligen Terroranschläge im Land gelandet. Nein, die Twitter Community beschäftigte sich auch 2016 in der Türkei am liebsten mit Fußball. Auf Platz 1 landete die Begegnung zwischen Galatasaray und Besiktas im Süper Pokal Finale. Platz 2 belegt die Begegnung zwischen den Auswahlteams der tschechischen Republik und der Türkei. Auf Platz 3 landete mit der Partie zwischen Galatasaray und Fenerbahce im Landespokal, ein weiteres Pokalfinale.

Etwas anders sah es dagegen in Deutschland aus. Am meisten wurde hier nicht zur #Euro1016 oder zu Rio2016 gepostet, ganz vorne stand hier der #Brexit. Doch auf Platz Zwei fand sich dann die EM und in den Top5 in Deutschland war dann auch noch die Partie Italien-Deutschland unter dem Hashtag #gerita.


#ThisHappened


           
           
          

Donnerstag, 15. Dezember 2016

U19 Team mit #GoodNews

Etwas ganz besonderes spielte sich am 15. Spieltag der U19 Fußball-Liga in der Türkei-Istanbul ab. Das Team von Galatasaray ließ mit Absicht einen Gegentreffer zu, weil sie zuvor selbst einen Treffer unfair erzielten. Quasi ein Eigentor ohne direktes Zutun. Eine Passivität des Fair-Play.

Die U19 Ligen in der Türkei stehen nicht oft im Blickpunkt. Doch das Spiel von der Begegnung zwischen Galatasaray und dem Istanbuler Club Fatih Karagümrük brachte es in die Medien. Nicht weil Galatasaray das Spiel gewonnen hat, oder weil es harte Auseinandersetzungen auf dem Platz gab, noch waren kuriose Schiedsrichterentscheidungen der Grund für die außerordentliche Aufmerksamkeit. Es gibt noch nicht mal Handyvideos von dem Spiel. Der Grund für die Medienwahrnehmung war eine Geste der Fairness der Spieler von Galatasaray.

Warum Galatasaray freiwillig einen Gegentreffer kassierte


Beim Stand von 1:0 für die gelb-roten von Galatasaray erzielte Onat Kutay Kurt in der Schlußminute der ersten Spielhälfte das 2:0. Doch Onat Kutay Kurt bemerkte nicht, dass zuvor ein Spieler von Karagümrük nach einem Zweikampf am Boden liegen blieb. Onats Mitspieler machten sich gegenseitig auf die Situation aufmerksam um das Spiel zu unterbrechen. Doch Onat bekam von alledem nichts mit und traf zum unumjubelten 2:0. Danach ging es direkt in die Pause.

Die zweite Halbzeit begann dann mit einem Paukenschlag. Fatih Karagümrük kam gleich im ersten Spielzug zum 2:1 Anschlußtreffer. Und dieser wurde eigentlich erst durch Galatasaray ermöglicht. Denn in der Halbzeitpause fasste das Team von CimBom den Entschluss, nach dem erneuten Anpfiff auf ihren Positionen zu verharren und Fatih zu ermöglichen einen Treffer zu erzielen um den unfair erzielten Treffer aus der ersten Halbzeit zu egalisieren. So kam es dann auch und Semih Can Asik war es vergönnt, einen der einfachsten Treffer der Fußballgeschichte zu erzielen. Trotzdem gewann Galatasaray (3:1). Doch hat das Team am Wochenende weit mehr gewonnen als 3 Punkte. Die Herzen der Menschen und das zu Recht.  Denn das Team hat Initiative ergriffen und eine Lösung für eine Ungerechtigkeit, außerhalb der vorgegebenen Regeln getroffen. Und damit Stellung bezogen für Fairness und Gerechtigkeit.



Beteiligt an der spontanen Fair-Play Aktion waren die Spieler Yakup Mert, Çakır, Batuhan Isık, Batuhan Tekin, Jaser Javier Çavdar, Furkan Korkut, Barış Zeren, Alperen Kılıç, Selman Eser, Onat Kutay Kurt, Hami Baytar, Ercan Taşkın. Trainiert wird das Team von Ceyhun Müderrisoğlu.

Das Team mit dem Fair-Play-Charme tritt am 18.12. erneut an. Anpfiff für die U19 Begegnung von Büyükçekmeçe Tepeçikspor und Galatasaray ist um 13 Uhr im Tepeçik Stadion.

Dienstag, 29. November 2016

Başakşehir erobert Süperlig

Kaum einer hatte mit Başakşehir in der türkischen Süperlig gerechnet. Doch nach 12  Spieltagen steht das Team von Abdullah Avcı ungeschlagen an der Spitze. Auch am letzten Wochenende sollte die Serie nicht reißen. Der amtierende Meister Beşiktaş mußte sich mit einem 1:1 im heimischen Stadion zufrieden geben. Vice Sports sprach mit Vaha Co-Founder Harald Aumeier über die Hintergründe des Erfolgs.

Die Bilanz gegen die großen Teams spricht Bände.  Gegen Fenerbahçe (1:0) und gegen Galatasaray (2:1) wurden Siege eingefahren und jetzt das Unentschieden bei Beşiktaş.  30 Punkte, Torverhältnis von 27 zu 8, Platz 1. Başakşehir spielt dazu nicht nur ergebnisorientiert. Sondern begeistert mit schnellem Umschaltspiel. Analog zu Red Bull Leipzig. Laut Aumeier ist Başakşehir nun auch einer der großen Favoriten auf den Titel. Die ganze Story von Markus Hoffman ist unter dem Titel „Wie Istanbul Başakşehir mit Erdoğans Hilfe die Süperlig erobert“ bei Vice Sports ist hier nachzulesen. Erschienen ist die Story zudem auch auf Niederländisch





Wie Istanbul Başakşehir mit Erdoğans Hilfe die Süperlig erobert

Istanbul führt mal wieder die Tabelle der türkischen Süper Lig an. Die Rede ist aber nicht von Galatasaray, Fenerbahçe oder Beşiktaş, sondern von Istanbul Başakşehir—einem Verein, der den meisten Fußballfans außerhalb der Türkei nur wenig sagen wird.  ...

sports.vice.com - 22. November 2016, Dienstag
© sports.vice.com




DE TURKSE CLUB DIE MET HULP VAN ERDOĞAN DE SÜPER LIG VEROVERT

Istanbul staat weer bovenaan in de Turkse competitie. Dit keer is het echter niet Galatasaray, Fenerbahçe of Beşiktaş, maar Istanbul Başakşehir – een club die de meeste voetbalfans buiten Turkije waarschijnlijk weinig zal zeggen. De club uit de gelijknamige wijk heeft dit seizoen gewonnen van Gala en Fener, de twee grootste Turkse clubs.  ...

sports.vice.com - 25. November 2016, Freitag


Freitag, 23. September 2016

Piraten haben es schwer

Mit dem Abschneiden der Piraten Partei bei den Berliner Abgeordnetenhauswahlen wurde einmal mehr deutlich wie schwer das Leben eines Piraten ist. Dabei haben die politischen Freibeuter es vergleichsweise mit Luxusproblemen zu tun. Weltweit agierende Produktpiraten leben nicht nur mit einem Bein im Knast sondern müssen sich auch permanent an die Designer der großen Firmen, die sie kopieren, anpassen. Da kann einiges schief gehen.

Produktpiraterie ist trotz der politischen Ächtung beliebt. Schnell lässt sich für wenig Geld, die teure Uhr, die exklusive Handtasche im Internet bestellen. Auch auf Straßenmärkten winken die vermeintlichen Schnäppchen und das obwohl Polizei, Medien und Politik immer auf die Gefahren von möglichen Strafen auch für die Käufer bis zu gesundheitlichen Schäden hinweisen. Doch die Produktpiraten sind nicht tot zu kriegen. Auch der Sportbekleidungsmarkt leidet unter den Angriffen der Textil-Freibeuter. Kaum ein Produkt der großen Firmen wie Adidas, Nike und Puma, welches nicht auf dem Schwarzmarkt, teilweise in erstaunlich guter Qualität auftaucht. Die Schäden die den original Herstellern allein in Deutschland entstehen werden nach Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages auf 50 Milliarden Euro geschätzt.  

Original, Fake und Funfake


Produktpiraten müssen dabei auf einen komplett eigenen Produktions- und Vertriebsweg zurückgreifen. Eine Form der organisierten Kriminalität. Bei Textil Produkten fällt neben China auch immer der Name der Türkei. Fast jeder Türkei-Urlauber kann davon berichten, dass beim Schlendern über Märkte in Istanbul oder in den Touri-Zentren von Antalya und Alanya offensichtlich gefälschte Produkte angeboten werden. Zu Preisen, bei denen es schwer fällt Nein zu sagen. Zu dem wenn die Qualität der Produkte denen des Originals immer öfter in nichts nach stehen.


Das Angebot der Produktpiraten in der Türkei lässt sich dabei in drei Gruppen gliedern. In einer Grauzone befinden sich Originalprodukte, die auf den Märkten des Landes angeboten werden. Denn die Textilherstellung in der Türkei ist ein wichtiger wirtschaftlicher Motor im Land. Allein 2015 wurde durch Importe der legalen Textilbranche, nach Zahlen des Wirtschaftsministeriums der Türkei, ein Umsatz von fast 25 Milliarden US Dollar erzielt. Somit macht die Branche 17% des gesamten Export Volumens der Türkei aus. Dabei hat die Textilverarbeitung in der Türkei Tradition, die Anbieter liefern qualitativ hochwertige Ware und produzieren ganz legal für weltweit agierende Firmen, auch im Sportbereich für Adidas, Puma oder Nike. Auch viele Fußballvereine sind dazu übergegangen ihren eigenen Merchandising-Stuff zu produzieren und auch hier kommt die Türkei ins Spiel. So werden Fanutensilien für Bayern, Dortmund, Schalke und Co. längst in der Türkei hergestellt ehe sie in den bundesdeutschen Arenen ihre Fans finden. Aufmerksame Besucher der Wochenmärkte in den Textilzentren Istanbul und Bursa bemerken die regelmäßige Schwemme von Merch-Stuff der Bundesliga Klubs. Und so sind diese Produkte, die dann für ein paar Lira auf den Märkten als billige modische Kleidungsalternative über den Tisch gehen, genau genommen keine Piraterie-Produkte. Bei der Herstellung für die Abnehmer im fernen Deutschland wird die Qualität gecheckt und Produkte mit leichten Mängeln landen flugs auf den Märkten der Umgebung. Deshalb nicht wundern, wenn ganze Schwärme von Jugendlichen in den Vororten der türkischen Großstädte zu mindestens äußerlich auf einmal zu Schalke oder Köln Fans mutieren. Es handelt sich hierbei nur um Kinder preisbewusster Eltern, die billig für Europa produzierte Ware abstauben. Die Mängel der Waren sind dabei erst auf den zweiten oder dritten Blick zu erkennen.

T-Shirt Rücken Aufdruck: Hier ist wohl jemand Inter-Fan 


Die Touri-Falle


Den weitaus größten Teil der Piratenprodukte findet man ebenfalls auf den Wochenmärkten der Großstädte, aber auch auf den gut sortierten und schön zu recht gemachten festen Verkaufsständen in den Touristen-Gebieten im Süden des Landes. Hier sind echte Piraten am Werke. Die Produkte werden eins zu eins kopiert, dabei gibt es qualitative Unterschiede, manche Kopien sind auch für Fachleute kaum noch vom Original zu unterscheiden. Der Preis des Adidas-Sweaters gibt dabei am ehesten Aufschluss über die Echtheit der Ware. Die Hersteller dieser Produkte sind zumeist Firmen, die schon seit Jahren im Business sind und ihr Know-How einsetzen um möglichst gute Kopien herzustellen. Die Erfahrung aus Jahrzehnte langer Produktion für Europa kann da sehr hilfreich sein. Skurril wird es dann, wenn europäische Zollbeamte vermeintliche Piraterie-Produkte an den europäischen Grenzen beschlagnahmen, obwohl es sich dabei um Originale handelt. Die Geschichte eines Galatasaray-Fans der zur Europameisterschaft nach Frankreich mit einem Gala-Trikot wollte war eine beliebte Story, die die Hilflosigkeit der Beamten im Kampf gegen Produktpiraterie vor Augen führte. ( siehe: EM-Reisende aufgepaßt! )

Vereinslogo ist ein Muß, oder? 



Mit Phantasie


Die dritte Kategorie der Produktpiraten ist die interessanteste. Hierbei handelt es sich um „ Merdiven altı“ Produkte. Auf Deutsch: Produkte die unter Treppen hergestellt wurden. Damit werden Firmen, die sich in kleinen Klitschen eingerichtet haben beschrieben. Schon die Produktionsstätten sind zumeist illegal. Die Inhaber besitzen wenig Erfahrung in der Branche und spezialisieren sich ganz auf Billigprodukte. Die Qualitätsunterschiede zum Original sind hierbei offensichtlich. Schon an den Logos wird der Schwindel klar. Ausfransungen, schiefe Buchstaben und sehr rudimentäre Verarbeitung fallen ins Auge. In den Merdiven-altı Fabriken arbeiten zumeist sehr junge Arbeiterinnen ohne jegliche Ausbildung an veralteten Maschinen bis zu 16 Stunden am Tag. Qualitätskontrolle gibt es hier nicht. So sind auch oft die Produktnamen fehlerhaft, da wird dann aus Adidas, auch schon mal Adiwas. Das führt zu einem ungewollten Charme der Produkte und macht sie zu Unikaten in der auf Marken fixierten Welt.  Ein besonderes schönes Exemplar dieser Produkte befindet sich seit geraumer Zeit auch in meinem Besitz.


Ja, ich gestehe, ich habe gesündigt. Doch wer kann schon widerstehen bei einem blau-weiß gestreiften Sport-Shirt. Hinten steht in großen Lettern: FC Internationale.   Wann hat Inter zuletzt blau-weiß gestreift getragen? In den 70igern? Vorne ist das zugegebenermaßen etwas entfremdete Logo von Inter aufgestickt. Und zwar so, das sich das Shirt dort immer kräuselt, da es nicht richtig aufgesetzt wurde. Abgerundet wird das Meisterstück der Produktpiraterie des europäischen Spitzenfußballs mit einem an das Logo der italienischen Liga anmutenden Italia-Emblem am Arm. Das vorne noch ein kleines an Nike erinnerndes Logo zu sehen ist, war wirklich nicht kaufentscheidend. Ich schwöre. 

Auf den Arm, muss noch ein Logo. Mach schnell!
     

Dienstag, 6. September 2016

Wandel durch Strafe

Jedes Jahr sorgt die türkische Süperlig mit prominenten Transfergeschäften für Aufmerksamkeit. Allein letzte Saison fanden Stars wie Josef de Souza, Simon Kjaer, Luis Nani, Robin van Persie, Lukas Podolski und Maro Gomez ihren Weg in die Türkei. Doch damit ist vorläufig Schluß. Die UEFA hat nicht nur Galatasaray für ein Jahr, wegen Verstoß gegen die Fair-Play Richtlinien der UEFA, von allen europäischen Wettbewerben ausgeschlossen, sondern auch Top-Klubs wie Meister Beşiktaş und Fenerbahçe stehen unter Beobachtung. Folge: Die Transferausgaben der Süperlig sanken um fast 50% auf 47 Millionen Euro. So wenig wie seit neun Jahren nicht mehr.



Die türkische Süperlig gilt als Fußball-Mekka. Begeisternde Stimmung in den Stadien, brisante Stadtderbys, allumfassende Medienberichterstattung und verhältnismäßig hohe Gehälter machten die Liga attraktiv für Fußball-Migranten. Die Ausgaben aller Süperlig Klubs für Spieler Transfers lagen bis heute auf Top-Niveau in Europa. Doch in der Saison 2016-17 ist alles anders. Teure spektakuläre Neuverpflichtungen fehlen. Mit nur 47 Millionen hat die Süperlig nun sogar weniger investiert, als die belgische Jupiler League (48 Millionen). Die Kluft zu den Giganten der Branche (538 Mio. Bundesliga, 696 Mio. Seria A, 1.3 Milliarden Premier League) ist größer denn je.  

Logo der türkischen 1. Liga: Süperlig


Bei der mickrigsten Transferbilanz seit 9 Jahren spielt nicht nur das Sicherheitsgefühl der Sportler eine Rolle. Allein 2016 starben über tausend Menschen bei Anschlägen durch den „IS“ oder PKK nahe Gruppierungen und in Folge des blutigen Putschversuches vom Juli dieses Jahres. Hauptursache für das Schrumpfen im Transferbusiness sind die Auflagen im Rahmen der finanziellen Fair-Play Richtlinien der UEFA gegenüber den Top-Klubs der Liga. So dürfen Galatasaray, Beşiktaş und Fenerbahçe nur soviel Geld in Transfers investieren, wie sie auch durch Transfers eingenommen haben.


Eklatante Probleme in der Jugendarbeit


Trotz der immensen Ausgaben der letzten Jahre kann der türkische Vereins-, als auch Auswahlfußball auf keine sportlichen Erfolge verweisen. Die aktuelle Transferpolitik der Saison 2016/17 wird dies noch verstärken. So setzte der Fußballverband erst letztes Jahr, auf Betreiben von Fatih Terim, die Ausländerregelung außer Kraft. Damit sollten noch mehr internationale Stars in die Türkei gelockt werden. Fatih Terim und der Verband versprachen sich von dieser Maßnahme, quasi eine Schulung von türkischen Talenten, durch die internationalen Transfers auf und neben dem Platz. So sollten junge Spieler in der Türkei gefördert werden. Dass diese Idee nicht von Nachhaltigkeit geprägt war, beweist die aktuelle Entwicklung und der Blick auf den Kader der Nationalmannschaft verdeutlicht dies. Im aktuellen Kader stehen 10 Spieler deren spielerische Ausbildung eben nicht in der Türkei, sondern in Europa stattfand, zumeist in Deutschland. Der Unterbau des türkischen Fußball offenbart hier erneut seine Schwächen. Zu wenige Fußballvereine leisten sich Fußballakademien, Jugendteams und die entsprechende Finanzierung. Komplette Jugendabteilungen in allen Altersgruppen sind auch bei Profi-Klubs Seltenheit. Dem Ligensystem im Jugendbereich fehlt ein breiter Unterbau und es mangelt an Visionen der Klubverantwortlichen, oder auch ganz einfach an adäquaten Spielplätzen.


Logo des türkischen Fußballverbandes (TFF)



Auch ein Blick auf die aktuellen Zahlen hilft die Brisanz der Krise des türkischen Fußball zu verstehen. Laut der Tageszeitung Akşam sind von den 471 aktuellen Spielern in der Süperlig nur 189 in der Türkei groß geworden und ausgebildet worden. Dazu kommen noch 69 Spieler mit türkischen Paß, die aber in Jugendabteilungen außerhalb des Landes geschult wurden. Daten des internationalen Zentrums für Sportstudien (CIES) zeigen zudem das Spieler aus dem Nachwuchsbereich kaum an den Profisport herangeführt werden. So stand die Süperlig auf dem letzten Platz von 31 europäischen Ligen in der Saison 2013-14 in Bezug auf den Einsatz von Jugendspielern aus dem Nachwuchsbereich. Nur 9,1% der Spieler kamen aus dem eigenen Jugendbereich. Top-Ligen haben Werte von um die 20%. Auch die aktuellen Daten des türkischen Fußballverbandes für 2015/2016 belegen die Strukturschwäsche. So sollen nur 300.000 Spieler am Amateur- und Jugendfussball in der abgelaufenen Saison teilgenommen haben. Wenig bei einer Bevölkerungsanzahl von 75 Millionen. In der Bundesrepublik mit 80 Millionen Einwohnern treten ungefähr 6 Millionen Fußballer im Amateur- und Jugendbereich gegen den Ball.



Aus der Not eine Tugend machen




Türkische Vereine setzen eher auf teure Transfers, als auf nachhaltige Jugendarbeit. Die Schritte dies zu ändern, seitens des Verbandes sind halbherzig. Da könnte die UEFA Reglementierung helfen aus der Not eine Tugend zu machen. Denn das Jugendarbeit sich auszahlt beweist Jahr um Jahr der Hauptstadtklub Genclerbirligi. Der Klub kann auf 45 Jahre 1. Ligaerfahrung verweisen, hat zweimal den türkischen Cup gewinnen können und 20 Spiele in europäischen Wettbewerben absolviert. Der Verein kann den vier Top-Klubs in der Türkei finanziell und sportlich zwar nicht das Wasser reichen, ist jedoch eine feste Größe im türkischen Profigeschäft. Und das Alles mit einer Konzentration auf Jugendspieler aus dem eigenen Verein. Im aktuellen 28 köpfigen Kader befinden sich gleich zehn Spieler aus der eigenen Jugend. Ahmet Oğuz, Ahmet Çalık und İrfan Can Kahveci stehen sogar im aktuellen Aufgebot des  türkischen Auswahlteams. Wann wird dieses Beispiel Schule machen und sich die Erkenntnis durchsetzen, das der Weg aus der Krise nur über nachhaltige und konsequente Jugendarbeit führt.


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Emre Mor überzeugte beim gestrigen Freundschaftsspiel der Türkei gegen Russland (0:0) erneut im Trikot der rot-weißen. Seine Dribblings und sein Ballgefühl werden von Experten und in den sozialen Medien in schrillen Tönen gelobt. Der türkische Messi, heißt es da. Der erst 19 jährige Dortmund Profi wird jedoch nicht nur gefeiert. Gleichzeitig ist er auch Opfer eines kleinen Shitstorms. Grund: Kaugummikauen während der Nationalhymne. ...
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tumds.blogspot.de - 18 Mai 2015, Montag
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