Donnerstag, 8. September 2016

Razzia gegen illegale Wettanbieter

Wettbuden gehören heute zum Stadtbild fast aller europäischen Städte. Bei einem Besuch in der Türkei fällt das Fehlen dieser sofort ins Auge. Denn in der Türkei gibt es ein staatliches Monopol, welches durch Spor Toto unter der Marke Iddaa vermarktet wird. Deshalb gibt es keine privaten Wettanbieter. Konkurrenz bekommt Iddaa nur durch illegale Anbieter. Doch wie groß dieser Markt ist, zeigt eine Polizeirazzia von gestern, bei der eine Gruppe von illegalen Wettbetreibern durch die Polizei ausgehoben wurde. 1, 5 Milliarden Dollar soll hier illegal durch Sportwetten erwirtschaftet worden.


Bei einer Polizeioperation unter dem Namen „Handicap“, wurde in der Türkei gestern eine Gruppe von mutmaßlich illegalen Wettanbietern ausgehoben.   Türkische Medien berichten von vorläufigen 57 Festnahmen. Nach den Betreibern, die von England und Nordzypern aus agieren sollen und weiteren 33 Personen wird gefahndet. Bei der Razzia wurden 6 Millionen türkische Lira in Bar beschlagnahmt, sowie diverse Konten gesperrt. Zudem wurden Wertgegenstände wie Villen und Luxusautos im Wert von 700 Millionen Dollar beschlagnahmt.


iddaa.com: Homepage des staatlichen Wettmonopolisten in der Türkei
(Screenshot)


Private Wettanbieter sind illegal


Eine Lieblingsbeschäftigung vieler türkischer Fußballfans ist das Wetten. Ein Besuch der diversen Wettbuden in Berlin, Hamburg oder auf Schalke beweist dies. Hier wird zu meist Türkisch gesprochen. Doch können die türkischen Wettfans ihrem Hobby und dem Drang nach dem schnellen Geld nur in Europa richtig frönen. In der Türkei bestimmt der staatliche Anbieter die Quoten und die liegen zu meist weit unter den Quoten der privaten europäischen Anbieter. Deswegen hat sich in der Türkei ein illegaler Markt entwickelt. Dieser Markt lässt sich in drei Gruppen gliedern.


Kleine Klitschen


Schon mit wenig Geld lassen sich Programme entwickeln, die Spielpläne erstellen, Quoten ermitteln und Spielcoupons ausdrucken. In vielen Städten der Türkei, sind auf diese Weise illegale Wettbüros entstanden, welche auf kleinen angemieteten Räumen agierend und eine örtliche Spielgemeinschaft aufbauen. Notwendig ist nur das Programm, ein Computer, ein Drucker und eine stabile Internetleitung. Außenstehende erfahren von dieser Art des Schwarz-Wettens meist nur durch die Medien, wenn in einer Randmeldung die Auflösung eines illegalen Wettbüros durch die staatlichen Behörden genannt wird.


Internationale Anbieter


In die zweite Gruppe fallen europäische Anbieter, die über das Internet mit Livetipps und besseren Quoten locken, das alles natürlich auch auf Türkisch. Dabei ist es für Wettfans in der Türkei heute kaum noch möglich direkt Mitglied bei diesen Anbietern zu werden. Zugänge aus der Türkei sind gesperrt. Um Spielen zu können müssen alternative Adressen im Ausland besorgt werden und Kontos ebenfalls im Ausland eröffnet werden. Denn von türkischen Banken lassen sich keine Gelder bei den großen Anbietern in Europa einzahlen. Diese Konten sind gesperrt.  Für viele Menschen kaum lösbare Hürden. Ein spontanes Spielen ist nicht gegeben.


Illegal im großen Stil


In diese Lücke stößt die dritte Gruppe an Anbietern. Zu meist Firmen die im Ausland tätig sind. Sie schaffen ständig neue Marken, die im Internet sich direkt an User in der Türkei wenden. Durch unauffällige Konten der Anbieter, lassen sich sogar Geldüberweisungen von türkischen Konten durchführen. Die Anbieter haben komplette Systeme entwickelt, die an den Regulierungen in der Türkei vorbeigehen. Und genau gegen diese Gruppe richtete sich offensichtlich der Polizeieinsatz gestern. Dabei soll ein Unternehmer, dessen Sohn Wettabhängig geworden ist,  vor acht Monaten den entscheidenden Tipp gegeben haben. Die Homepages der aufgeflogenen Gruppe sollen nach Polizeiangaben bis zu 2,5 Millionen User aus der Türkei genutzt haben. Den zu meist jugendlichen Wettern droht nun ein Strafgeld von 100 türkischen Lira pro Person. Das wären 250 Millionen Lira mehr im Staatssäckel. 

 Wird der Markt liberalisiert?


Die Razzia und besonders die Größenordnung in der hier agiert wurde führt vor Augen, das auch in der Türkei mit Einführung von staatlichen Monopolen für Glücksspiele kein Ende von illegalen Glückspielen erreicht wurde. Zudem ist hier nur ein Anbieter Hops genommen worden. Weitere tummeln sich auf dem Markt und neue werden entstehen. So bleibt die Frage wie reagiert die Politik?


Pläne zu einer Liberalisierung des Marktes sind öffentlich nicht bekannt. Und auf den ersten Blick scheint die Regierungspartei AKP mit ihrem religiösen Background nicht gerade als Vorreiter für eine Liberalisierung des Glücksspiels in der Türkei zu stehen. Doch dringend benötigte Einnahmen lassen sich so für den Staat erzielen. Und das ist auch der Regierung bekannt. So wurde in der Regierungszeit der AKP schon zuvor, die nur einmal wöchentlich stattfindende staatliche Lotto Spielserie ausgeweitet. Heute können Glücksritter schon an vier verschiedenen Lotterien pro Woche teilnehmen. Wie wichtig Einnahmen aus Glücksspielen sein können, zeigt zu dem der türkische Satellitenstaat Nordzypern. Hier sind Glücksspiele analog zu Europa auch für private Anbieter legal. Der Staat kassiert hier extra Steuern. Das nur von der Türkei anerkannte Land, wird international boykottiert und deshalb stellen Glücksspiele und die steuerlich daraus resultierenden Einnahmen eine wichtige staatliche Finanzquelle dar.






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tumds.blogspot.de - 21 Mai 2016, Samstag


Sportwetten & Groundhopping


Wie schrieb Nick Hornby sinngemäß? - Er leide jedes Mal und es tue ihm weh. Er erlebe Frust und Schaudern. Es deprimiere ihn mal für mal - Und doch gehe er jede Woche hin.' Fußball fasziniert und deprimiert zugleich. Und das Internet hat das Dilemma nicht verbessert. ...

tumds.blogspot.de - 29 Januar 2014, Mittwoch


Dienstag, 6. September 2016

Ein KoFaS-Projekt: 5 Fußballfans - 5 Videos

Im Rahmen des Modellprojekts „Kicks für Alle! Fußball. Fanszenen. Geschlechtervielfalt.“ sind fünf Videos entstanden. Anhand verschiedener Fangbiografien wird Geschlechtervielfalt in Fußballfanszenen aufgezeigt. Dabei sind Trixi, Jan, Dele, Daniel und Jule auf unterschiedliche Weise in den Fanszenen ihres Vereins aktiv. Sie engagieren sich gegen verschiedene Diskriminierungsformen und setzen sich für eine vielfältige und bunte Fankultur ein.


Die Videoserie ist Teil des Modellprojekts „Kicks für Alle! Fußball. Fanszenen. Geschlechtervielfalt.“, das u.a. im Rahmen des Programms „Demokratie Leben!“ vom Bundesministerium Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird. Das Projekt setzt sich zum Ziel, Geschlechtervielfalt in Fußballfanszenen zu fördern und Sexismus und Homo- und Transfeindlichkeit mithilfe von geschlechterreflektierter Sozialer Arbeit entgegenzuwirken.



Mehr Informationen unter: www.kicks-fuer-alle.de


Alle 5 Video Porträts hier:





„Geschlossenheit und Stärke gehören zum Ultra-Business mit dazu"




Dele ist seit elf Jahren Teil der Ultraszene in Braunschweig. In dieser Zeit blieben auch Konflikte mit rechten Fans und Hooligans nicht aus. In diesem Zusammenhang hat er auch Erfahrungen mit Stadionverboten gemacht und in der Zwischenzeit andere Sportabteilungen der Eintracht unterstützt. Obwohl Dele Gewalt für sich persönlich ablehnt, beschreibt er Gewaltvorkommnisse als Gegenstand der Ultrakultur - mit unterschiedlichen Folgen für Männer und Frauen.




„Ich würde mir wünschen, dass Frauen selbstverständlich in den ersten Reihen stehen“



Schon als junges Mädchen hat sich Jule für Fußball und insbesondere für den SV Werder Bremen interessiert. So spielte sie zunächst selbst Fußball und wandte sich später der aktiven Fanszene zu. Beim Support für Werder kann Jule um sich herum alles vergessen. Trotzdem wünscht sie sich, dass Frauen selbstverständlicher Teil der Kurven sein können und sich weniger mit sexistischen Anfeindungen auseinandersetzen müssen. Deswegen engagiert sie sich unter anderem in dem Netzwerk F_in (Frauen im Fußball).



„Ich bereue diese Liebe nicht zum 1. FC Nürnberg, und ich bereue diese Liebe nicht, die ich lebe“



Über seine Mutter hat Daniel seine Liebe zum Fußball entdeckt. Während er zu Schulzeiten eher Einzelgänger war und auch in seinen Anfangszeiten als Fan des 1. FC Nürnberg noch alleine ins Stadion ging, ist er nun im Fußballumfeld angekommen. Der erste Kontakt zur aktiven Fanszene des schwul-lesbischen Fanclubs norisbengel kam über eine Dating-Plattform zustande. Mittlerweile ist der aktive Kicker überregional vernetzt und auch bei den Queer Football Fanclubs (QFF) engagiert. Dort übernimmt er Aufgaben, die er sich noch vor einigen Jahren niemals zugetraut hätte.



„Fan unserer Borussia zu sein ist für mich das Zweitwichtigste im Leben“

Trixi ist 59 Jahre alt und hat seit 1980 so gut wie jedes Heimspiel der Borussia im Station gesehen. Lediglich ihren Stehplatz auf der Süd hat sie im Laufe der Zeit gegen eine Sitzplatzdauerkarte eingetauscht. Trixi schätzt sich glücklich, dass ihre ganze Familie die Leidenschaft zur Borussia teilt. Seit einigen Jahren setzt sie sich im Vorstand der Fanabteilung aktiv für die Belange der BVB Fans ein und engagiert sich gemeinsam mit vielen anderen gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus im Umfeld des Vereins.


„Wir versuchen auf eine spielerische Art diesen Wettbewerb der Kurven zu führen“

Der FC stand für Jan immer schon an erster Stelle. So hat er auch irgendwann die eigenen Fußballschuhe an den Nagel gehängt, um keinen Spieltag zu verpassen. Mit seiner Ultragruppe engagiert er sich auch über die Stadiongrenzen hinaus gegen Diskriminierung. In den Räumlichkeiten des Fanprojekts organisiert er verschiedene Veranstaltungen, unter anderem zu Themen von Diskriminierung. Seine Vision ist es, dass das Engagement gegen Sexismus und Homophobie im Stadion Früchte trägt und von dort aus in die gesamte Gesellschaft getragen wird.





Wandel durch Strafe

Jedes Jahr sorgt die türkische Süperlig mit prominenten Transfergeschäften für Aufmerksamkeit. Allein letzte Saison fanden Stars wie Josef de Souza, Simon Kjaer, Luis Nani, Robin van Persie, Lukas Podolski und Maro Gomez ihren Weg in die Türkei. Doch damit ist vorläufig Schluß. Die UEFA hat nicht nur Galatasaray für ein Jahr, wegen Verstoß gegen die Fair-Play Richtlinien der UEFA, von allen europäischen Wettbewerben ausgeschlossen, sondern auch Top-Klubs wie Meister Beşiktaş und Fenerbahçe stehen unter Beobachtung. Folge: Die Transferausgaben der Süperlig sanken um fast 50% auf 47 Millionen Euro. So wenig wie seit neun Jahren nicht mehr.



Die türkische Süperlig gilt als Fußball-Mekka. Begeisternde Stimmung in den Stadien, brisante Stadtderbys, allumfassende Medienberichterstattung und verhältnismäßig hohe Gehälter machten die Liga attraktiv für Fußball-Migranten. Die Ausgaben aller Süperlig Klubs für Spieler Transfers lagen bis heute auf Top-Niveau in Europa. Doch in der Saison 2016-17 ist alles anders. Teure spektakuläre Neuverpflichtungen fehlen. Mit nur 47 Millionen hat die Süperlig nun sogar weniger investiert, als die belgische Jupiler League (48 Millionen). Die Kluft zu den Giganten der Branche (538 Mio. Bundesliga, 696 Mio. Seria A, 1.3 Milliarden Premier League) ist größer denn je.  

Logo der türkischen 1. Liga: Süperlig


Bei der mickrigsten Transferbilanz seit 9 Jahren spielt nicht nur das Sicherheitsgefühl der Sportler eine Rolle. Allein 2016 starben über tausend Menschen bei Anschlägen durch den „IS“ oder PKK nahe Gruppierungen und in Folge des blutigen Putschversuches vom Juli dieses Jahres. Hauptursache für das Schrumpfen im Transferbusiness sind die Auflagen im Rahmen der finanziellen Fair-Play Richtlinien der UEFA gegenüber den Top-Klubs der Liga. So dürfen Galatasaray, Beşiktaş und Fenerbahçe nur soviel Geld in Transfers investieren, wie sie auch durch Transfers eingenommen haben.


Eklatante Probleme in der Jugendarbeit


Trotz der immensen Ausgaben der letzten Jahre kann der türkische Vereins-, als auch Auswahlfußball auf keine sportlichen Erfolge verweisen. Die aktuelle Transferpolitik der Saison 2016/17 wird dies noch verstärken. So setzte der Fußballverband erst letztes Jahr, auf Betreiben von Fatih Terim, die Ausländerregelung außer Kraft. Damit sollten noch mehr internationale Stars in die Türkei gelockt werden. Fatih Terim und der Verband versprachen sich von dieser Maßnahme, quasi eine Schulung von türkischen Talenten, durch die internationalen Transfers auf und neben dem Platz. So sollten junge Spieler in der Türkei gefördert werden. Dass diese Idee nicht von Nachhaltigkeit geprägt war, beweist die aktuelle Entwicklung und der Blick auf den Kader der Nationalmannschaft verdeutlicht dies. Im aktuellen Kader stehen 10 Spieler deren spielerische Ausbildung eben nicht in der Türkei, sondern in Europa stattfand, zumeist in Deutschland. Der Unterbau des türkischen Fußball offenbart hier erneut seine Schwächen. Zu wenige Fußballvereine leisten sich Fußballakademien, Jugendteams und die entsprechende Finanzierung. Komplette Jugendabteilungen in allen Altersgruppen sind auch bei Profi-Klubs Seltenheit. Dem Ligensystem im Jugendbereich fehlt ein breiter Unterbau und es mangelt an Visionen der Klubverantwortlichen, oder auch ganz einfach an adäquaten Spielplätzen.


Logo des türkischen Fußballverbandes (TFF)



Auch ein Blick auf die aktuellen Zahlen hilft die Brisanz der Krise des türkischen Fußball zu verstehen. Laut der Tageszeitung Akşam sind von den 471 aktuellen Spielern in der Süperlig nur 189 in der Türkei groß geworden und ausgebildet worden. Dazu kommen noch 69 Spieler mit türkischen Paß, die aber in Jugendabteilungen außerhalb des Landes geschult wurden. Daten des internationalen Zentrums für Sportstudien (CIES) zeigen zudem das Spieler aus dem Nachwuchsbereich kaum an den Profisport herangeführt werden. So stand die Süperlig auf dem letzten Platz von 31 europäischen Ligen in der Saison 2013-14 in Bezug auf den Einsatz von Jugendspielern aus dem Nachwuchsbereich. Nur 9,1% der Spieler kamen aus dem eigenen Jugendbereich. Top-Ligen haben Werte von um die 20%. Auch die aktuellen Daten des türkischen Fußballverbandes für 2015/2016 belegen die Strukturschwäsche. So sollen nur 300.000 Spieler am Amateur- und Jugendfussball in der abgelaufenen Saison teilgenommen haben. Wenig bei einer Bevölkerungsanzahl von 75 Millionen. In der Bundesrepublik mit 80 Millionen Einwohnern treten ungefähr 6 Millionen Fußballer im Amateur- und Jugendbereich gegen den Ball.



Aus der Not eine Tugend machen




Türkische Vereine setzen eher auf teure Transfers, als auf nachhaltige Jugendarbeit. Die Schritte dies zu ändern, seitens des Verbandes sind halbherzig. Da könnte die UEFA Reglementierung helfen aus der Not eine Tugend zu machen. Denn das Jugendarbeit sich auszahlt beweist Jahr um Jahr der Hauptstadtklub Genclerbirligi. Der Klub kann auf 45 Jahre 1. Ligaerfahrung verweisen, hat zweimal den türkischen Cup gewinnen können und 20 Spiele in europäischen Wettbewerben absolviert. Der Verein kann den vier Top-Klubs in der Türkei finanziell und sportlich zwar nicht das Wasser reichen, ist jedoch eine feste Größe im türkischen Profigeschäft. Und das Alles mit einer Konzentration auf Jugendspieler aus dem eigenen Verein. Im aktuellen 28 köpfigen Kader befinden sich gleich zehn Spieler aus der eigenen Jugend. Ahmet Oğuz, Ahmet Çalık und İrfan Can Kahveci stehen sogar im aktuellen Aufgebot des  türkischen Auswahlteams. Wann wird dieses Beispiel Schule machen und sich die Erkenntnis durchsetzen, das der Weg aus der Krise nur über nachhaltige und konsequente Jugendarbeit führt.


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Nach Özil & Co.: Die neuen deutschen Trainer kommen

Emre Mor überzeugte beim gestrigen Freundschaftsspiel der Türkei gegen Russland (0:0) erneut im Trikot der rot-weißen. Seine Dribblings und sein Ballgefühl werden von Experten und in den sozialen Medien in schrillen Tönen gelobt. Der türkische Messi, heißt es da. Der erst 19 jährige Dortmund Profi wird jedoch nicht nur gefeiert. Gleichzeitig ist er auch Opfer eines kleinen Shitstorms. Grund: Kaugummikauen während der Nationalhymne. ...
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tumds.blogspot.de - 18 Mai 2015, Montag
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Montag, 5. September 2016

Emre Mor mit Sorry für Kaugummi-Gate

Am Mittwochabend beim Freundschaftsspiel zwischen der Türkei und Russland wurde BVB Youngster Emre Mor beim Abspielen der türkischen Nationalhymne von den Live-Kameras Kaugummi-Kauend eingefangen. Sofort sah er sich nationalistischer Kritik ausgesetzt und erntete einen Shitstorm nicht nur in den sozialen Medien (s. Emre Mor: Lob und Shitstorm). In der türkischen Tageszeitung Hürriyet entschuldigte er sich nun bei allen deren Gefühle er verletzt habe.

Emre Mor überzeugte bei seinem 5. Einsatz im türkischen Auswahldress und wurde von Fans und Kommentatoren schon als der türkische Messi gefeiert. Der türkische Fußball hat mit dem erst 19 Jahre alten in Dänemark geborenen Kicker wieder Hoffnung geschöpft. Doch geriet die Leistung des BVB-Profis schnell ins Hintertreffen und wurde vom Kaugummi-Gate überschattet. Emre Mor sah sich, wohl auf Druck der Öffentlichkeit, gezwungen Stellung zu nehmen und entschuldigte sich öffentlich. Die Hürriyet zitierte ihn exklusiv: „ Beim Abspielen der Nationalhymne habe ich aus Aufregung vergessen meinen Kaugummi herauszunehmen. Vor Spielen bei denen ich aufgeregt bin, esse ich immer einen Kaugummi. Ich entschuldige mich bei allen deren Gefühle ich dadurch verletzt habe. Ich bin ein Teil dieses Landes und werde auf dem Platz in meinem Trikot bis zum Ende kämpfen. Ich bin mir bewusst, dass ich noch vieles zu lernen habe. Es gibt noch vieles an was ich mich anpassen muss. Für mich ist wichtig aus meinen Fehlern zu lernen.“




Emre Mor beim obligatorischen Absingen der Hymne während #TUR vs. #RUS
(screenshot)

Weiterhin zitiert ihn die Tageszeitung mit: „ Kritik lässt den Menschen reifen. Doch haben mich manche Sachen, die ich gelesen habe wirklich verletzt. Mir ist vorgeworfen worden kein Türke zu sein. Ich bin Türke und werde immer Türke bleiben. Wenn ich anders denken würde, hätte ich mich nicht für die Türkei, sondern für Dänemark entschieden.“


Entschuldigungen für Tanz & Kaugummi-Kauen 



Der Fall Emre Mor zeigt analog zum Fall Harting in Deutschland, wie nationalistische Diskurse in den sozialen Medien ihren Widerhall finden und dadurch Druck aufbauen. Sportler, die sich nicht den Normen der nationalen Insignien unterwerfen, werden abgestraft. Die öffentliche Abstrafung nötigt die Sportler dazu ihr Verhalten zu erklären. Dabei wird der Kotau vor dem Nationalismus vollzogen und der nationalistische Diskurs kann sich einmal mehr als Status Qou behaupten. Liberale Geister und Nationalismus-Kritiker schweigen, vielleicht weil sie die „Verfehlungen“ der Sportler eher als lächerlich und damit das Thema als unrelevant verorten. Doch überlassen sie damit dem nationalistischen Diskurs seinen Raum. Der im Jahre 2016 noch immer bei anachronistischen Verhaltenskodexen beim Abspielen von Nationalhymnen hängen geblieben ist.

So wundert es nicht, dass sowohl Harting als auch Mor sich flugs entschuldigen mussten, bei denen deren sie Gefühle angeblich verletzt hatten. Gefühle von Unbeteiligten an einem sportlichen Ereignis an dem sie teilnahmen. Gefühle von Menschen, die verletzt werden, weil ein ihnen unbekannter Mensch, sich bei dem Abspielen eines nationalistisch genutzten Musikstückes nicht so verhalten hat, wie es sich die Rezipienten vorstellen. Hier diktiert die Gefühlswelt der Zuschauer, nicht die Protagonisten der Sportveranstaltung, nicht die Sportler.

Auffällig wie ähnlich die beiden Protagonisten in den aktuellen Fällen auf die Anfeindungen reagierten. Die Entschuldigungen von Mor und Harting fanden über die Medien statt und inhaltlich hätten sie aus dem selben Haus kommen können. Harting stellte klar, das seine Tanzeinlage keineswegs Missachtung vor der Hymne gewesen sei und aus Aufregung passiert sei. Ebenso wie bei Mor wird hier mit Aufregung entschuldigt. Mor muss als tri-kultureller Sportler noch weiter gehen und ein abermaliges Bekenntnis zur Nation abliefern. Zu der Nation, zu der er sich schon vorher durch das Tragen des Trikots bekannt hatte.


Der Kaugummi-Gate zu sehen hier im Video ab 0.25 





Sportler allein gelassen



Dieser Diskurs ist so etwas von letztes Jahrhundert und deshalb bemerkenswert. Denn wäre bei offenen liberalen Gesellschaften nicht eine Diskussion von Sinn und Unsinn von nationalen Zeichen bei Sportveranstaltungen angesagt gewesen? Oder eine Diskussion über das Dogma des ehrfürchtigen Strammstehens? Müssen alle Menschen gleich reagieren, sich gleich verhalten im Angesicht von Nationalfahnen und der zugehörigen Musik?  Und wer legt  letztendlich fest, wie sich bei Hymnen und Fahnenhissung zu verhalten ist? All diese Punkte sind verhandelbar. Sie sind nicht natürlich, wie ein Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Sie sind von Menschen geschaffene Rituale und wie damit umzugehen ist müssen die Gesellschaften selbst bestimmen und sollten einem ständigen Wandel unterzogen sein. Doch diese Diskussionen werden nicht geführt.  So werden die Sportler zu prominenten Opfern und sind sich selbst und ihren Beratern überlassen, dem nationalistischen öffentlichen Druck zu begegnen.


Harting und Mor haben sich mit ihren öffentlichen Entschuldigungen aus der Kritikzone gebracht. Doch die nationalistische Kritik ist bleibend. Sportler weltweit sind sensibilisiert und werden in Zukunft schon im Vorfeld das adäquate Verhalten im nationalistischen Gewand trainieren. Gebrochen wird dies wohl nur noch vereinzelt, wie bei Colin Kapernick, der beim Abspielen der US-Hymne Ende August beim NFL-Preseason-Game zwischen San Francisco und Green Bay sitzen blieb. Jedoch nicht aus Aufregung, sondern aus Protest. Protest gegen Alltagsrassismus in den USA. Nationalistische Musikliebhaber, deren Gefühle auch hier verletzt wurden, werden auf eine Entschuldigung in diesem Fall wohl ewig warten müssen.

Emre Mor: Lob und Shitstorm

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tumds.blogspot.de - 1 September 2016, Donnerstag
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дружба means Dostluk

Seit dem Abschuss eines russischen Jets über Syrien seitens der türkischen Armee am 24. November 2015 lagen die türkisch-russischen Beziehungen auf Eis. Boykotte, Schuldzuweisungen und verbale Angriffe bestimmten das Verhältnis. So schnell die Krise kam, so schnell nähern sich nun die beiden Staatschefs und damit auch die beiden Länder wieder aneinander an. Der plötzliche Wandel und die zarte neue türkisch-russische Freundschaft soll jetzt mit einem eiligst geplanten Fußball-Freundschaftsspiel zwischen den Auswahlteams beider Länder am Mittwoch in Antalya öffentlichkeitswirksam begangen werden. ...
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tumds.blogspot.de - 30 August 2016, Dienstag
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Sport wird zum Spielball in türkisch-russischer Krise

Sport kann Menschen zusammenbringen, Sport kann ein Vorreiter auch für die Politik sein. All zu oft gerät der Sport aber zum Spielball der Politik. So sind die türkisch russischen Beziehungen nach dem Abschuß eines russischen Kampfjets über Syrien durch die türkische Armee, zutiefst gestört. Beide Länder belegen sich gegenseitig mit den unterschiedlichsten Sanktionen. Darunter leidet auch der Sport. Wir haben die aktuellen Auswirkungen der türkisch-russischen Krise auf die Sportwelt kurz zusammengefasst. ...
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tumds.blogspot.de - 2 Dezember 2015, Mittwoch
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Russischer Verband bestraft verbrennen türkischer Flagge

Knapp eine Woche ist es her, das beim letzten Hinrundenspiel der russischen Premjer Liga zwischen Spartak Moskau und Krylia Sovetov Samara die Gastgeber 1:0 gewonnen haben. Doch von dem Ergebnis redet heute niemand mehr. Vor Spielbeginn haben Fans von Spartak Moskau türkische Fahnen im Stadion verbrannt. Damit wurde die Kriegsstimmung zwischen beiden Ländern, die seit dem Abschuß eines russischen Kriegsflugzeuges durch das türkische Militär herrscht weiter angefeuert. Nach nur sechs Tagen hat der russische Fußball-Verband nun eine Strafe wegen rassistischen und Hassäußerungen gegenüber Spartak Moskau verhängt. ...

tumds.blogspot.de - 11 Dezember 2015, Freitag



Antalya-Arena: Sonnenstadion in der Touri-Hochburg


Der türkische Erstligist Antalyaspor hat ab Montag ein neues zu Hause. Der Liga-Achte empfängt dann den Tabellenführer Beşiktaş in der frisch fertiggestellten Antalya Arena. Die ovale Sportarena im Zentrum der Tourismusregion der Türkei, wurde in knapp zwei Jahren erbaut und ist weltweit das  Stadion, welches am meisten Energie produziert. In Antalya natürlich per Sonnenenergie. ...

tumds.blogspot.de - 25 Oktober 2015, Sonntag



Hier wird zu Emre Mor getwittert