Sonntag, 12. April 2015

Ein Spiel dauert 90 Minuten - das war ein Mal



Das EM-Qualifikationsspiel der U19-Juniorinnen aus England und Norwegen stellt die alte Fußballerweisheit von Sepp Herberger auf den Kopf. Anpfiff 22:45 Uhr. Abpfiff 22:48 Uhr. Anstatt Anstoß geht es los mit einem Elfmeter - so geht Fußball heute.

Eine kuriose Schiedsrichterentscheidung die deutsche Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichterin Marija Kurtes macht es möglich.  Kurtes hatte beim Spiel am vergangenen Samstag in der Nachspielzeit den Elfmeter-Ausgleichstreffer der Engländerin zurückgepfiffen, weil eine Spielerin zu früh in den Strafraum gelaufen war. Zur Überraschung aller ließ Kurtes den Elfmeter nicht widerholen, sondern es ging mit Freistoß für Norwegen weiter. Dies zwang die UEFA nach Protest der Engländer zur Ansetzung des kuriosen Wiederholungsspiels am Donnerstagabend. 

Die Verantwortung für den Elfmeter übernahm Leah Williamson und versenkte die Kugel zum 2:2. Kurze Zeit später war Schluss und klar, dass nunmehr die Engländerinnen anstelle der Norwegerinnen zur EM fahren.

Das "komplette" Spiel gibt es hier zu sehen.

Samstag, 4. April 2015

Schüsse auf den Teambus von Fenerbahçe (Update 11.4.)

Einen vorläufigen Höhepunkt von Gewalt im Zusammenhang mit Fußball gab es wohl am Sonnabendabend in der Türkei. Nach dem 5:1 Sieg des Istanbuler Süperligisten Fenerbahçe Istanbul beim Schwarzmeerclub Rizespor befanden sich die Istanbuler auf dem Weg zum Flughafen nach Trabzon. Auf der Strecke dorthin wurde der Teambus von Fenerbahçe mit scharfer Munition beschossen. Der Fahrer wurde durch Schüsse auf die Frontscheibe schwer getroffen.

Nach ersten Zeugenaussagen per Internet und dem vereinseigenen TV-Sender FBTV, soll mit einer Pumpgun gezielt auf den Fahrer des Busses geschossen worden sein. Der Bus fuhr zur Tatzeit über eine Straßenüberführung und wurde in einer Kurve Ziel des oder der Schützen. Der Fahrer soll aufgrund der Schüsse sein Bewußtsein verloren haben und der Bus konnte nur durch das Eingreifen von Mitfahrern gebremst werden. Der Fahrer wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Laut FBTV soll keine Lebensgefahr bestehen.

Eine Feindschaft mit Geschichte

Für Fenerbahçe Fans ist der/die Täter schnell ausgemacht, so polterte der Präsident von Trabzonspor İbrahim Hacıosmanoğlu in der Vergangenheit wiederholt gegen Fenerbahçe. Der Präsident soll mit seinen Äußerungen Fans aufgehetzt haben und Fenerbahçe zur Zielscheibe erklärt haben. Schon zuvor wurde der Bus der Istanbuler in Trabzonspor von Fans angegriffen. Da blieb es noch bei Steinen, doch zu mindestens einmal soll auch schon eine Waffe auf die Delegation von Fenerbahçe gerichtet worden sein. Hintergrund der aktuellen Feindschaft der beiden ist die Saison 2010-2011. Hier soll Fenerbahçe bei Spielverschiebungen beteiligt gewesen sein. Von der UEFA wurde der Meister von 2011 aufgrund von Verschiebungen für drei Jahre von allen Spielen gesperrt. Trabzonspor, damals Zweiter fordert seitdem die offizielle Zuerkennung des Titels. Fenerbahçe hingegen, betrachtet die Anschuldigungen, als eine große Verschwörung und sieht den Klub und den Präsidenten zu Unrecht verurteilt. Aufgrund dieser Vorgeschichte ist bei Fenerbahçe klar: Dies war ein gezielter Anschlag auf Fenerbahçe, von einer Verbindung der Täter zu Trabzonspor wird ausgegangen. Zurückgeführt wird dies auf die Hasssprache des Klubpräsidenten von Trabzonspor.

Gewalt zurück auf der Tagesordnung

Immer wieder wird die Gesellschaft mit Gewaltaktionen im Rahmen von Fußballspielen konfrontiert. Mit verschiedenen Maßnahmen wird seit Jahren versucht die im Rahmen von Fanfeindschaften zwischen den vier großen Vereinen (Fenerbahçe, Galatasaray, Beşiktaş und Trabzonspor) aufkommende Gewalt einzudämmen. Mit Sicherheitspakten, Vereinsstrafen und zuletzt mit der Einführung einer personalisierten Ticketvergabe (Passolig) ist die Gewalt in den Stadien der Profi-Ligen erstmals erheblich zurückgegangen. Nebeneffekt der Passolig: ein immenser Zuschauerschwund, oft erreicht das Zuschauerinteresse nun nicht mal mehr bundesdeutsches Zweitliganiveau.

Mit dem Anschlag von heute Abend wird die Diskussion um Fanatismus und Gewalt im türkischen Fußball neu beginnen. Fenerbahçes Pressesprecher, Mahmut Uslu, kündigt an das der Klub nicht mehr schweigen wird. „Eine Passolig einzuführen reiche nicht“ kritisierte er die bisherigen Maßnahmen gegenüber Gewalt im Rahmen von Fußball. Viele Vereine in der Türkei reagierten schon in der Nacht schnell. So haben u.a. Galatasaray, der heutige Gegner Rizepsor, als auch Trabzonspor den Anschlag scharf verurteilt. Der türkische Fußballverband reagiert noch in der Nacht und bezeichnet den Anschlag als Anschlag auf den gesamten Fußball und fordert Medien und Klubs zur Besonnenheit auf. Ein vorübergehendes Aussetzen des Spielbetriebes ähnlich wie in Griechenland ist nun im Bereich des Möglichen.

Fenerbahçe Fans rufen im Internet derweil dazu auf zum Istanbuler-Flughafen Sabiha Gökçen zu fahren um dem in der Nacht dort erwarteten Team Solidarität zu zeigen. Die Ankunft des Teams wird gegen 2 Uhr nachts Ortszeit erwartet. FBTV überträgt live.


UPDATE 11.4.2015

Wie geahnt, hat der türkische Fußballverband nach den Schüssen auf den Fenerbahçe - Teambus mit Spielabsagen reagiert. Zuerst wurden die Pokalspiele für Mitte der Woche abgesagt, daraufhin auch der komplette Spieltag der Süperlig dieses Wochenende.Zudem kündigte Fenerbahçe mehrmals an nicht am Spielbetrieb teilzunehmen bis der Fall aufgeklärt sei. Ganz andere Konsequenzen zog die Familie von Mustafa Sow. Die Angehörigen des Fenerbahçe-Stars haben die Türkei erst einmal verlassen. Türkische Zeitungen berichten zudem von spanischen Medien die Fußballer davor warnen in die Türkei zu gehen. Ein weiteren gewalttätigen Angriff im Rahmen von Sportveranstaltungen gab es dann noch Mitte der Woche, als ein Bus vom Beşiktaş-Handball-Team in der südtürkischen Stadt Mersin mit Steinen beworfen wurde.

Der ehemalige Fenerbahce Präsident Ali Şen ließ derweil Medien gegenüber verlauten, dass er die Schüsse als terroristischen Akt versteht. Vom Fußball-Verband und den Vereinen werden die Schüsse als Angriff auf den türkischen Fußball in seiner Gesamtheit gewertet. Obwohl bis jetzt alles nur reine Spekulation ist. Es gab zwar vorläufige Festnahmen aufgrund von Facebookeinträgen. Doch ohne neue Erkenntnisse. Zudem erfreuen sich in der Türkei Verschwörungstheorien hoher Beliebtheit. Die Verfasser dieser Theorien haben jetzt Hochkonjunktur.

Am morgigen Sonntag um 18 Uhr Ortszeit empfängt Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan eine Delegation bestehend aus Verbandsfunktionären und den Kapitänen der türkischen Superlig. In Anbetracht der Tatsache das Erdoğan, obwohl er ja eigentlich nur Staatspräsident ist, immer noch erheblichen Einfluß auf das politische Tagesgeschehen nimmt, wird mit Spannung erwartet, ob bei diesem Treffen weitere Maßnahmen, die über die Absage der Spiele diese Woche hinausgehen, angekündigt werden.





Dienstag, 31. März 2015

Berliner Fırat Suçsuz debütiert bei RB Leipzig


Das 18jährige Nachwuchstalent Fırat Suçsuz hat am vergangenen Wochenende sein erstes Spiel bei den Profis von RB Leipzig  absolviert. Beim 2:2 im Test gegen Udinese Calcio am Freitagabend wurde der Linksverteidiger in der 46. Minute eingewechselt.

 
Schon unter der Woche hatten Fırat und weitere seiner U19 Mannschaftskollegen beim Training der ersten Herren mittrainiert. Trainer Achim Beierlorzer gibt dem eigenen Nachwuchs in der Länderspielpause die Möglichkeit sich zu präsentieren.

Fırat Suçsuz ist in der Jugendabteilung von Hertha BSC ausgebildet worden. Im Sommer 2014 wechselte er zur U19 von RB Leipzig und ergatterte sich von Beginn an einen Stammplatz beim Tabellendritten der A-Junioren Bundesliga Nord/Nordost. Im Sommer folgt der Wechsel in den Herrenbereich.


Ayhan Erusta Sportlicher Leiter von VAHA war mit dem ersten Einsatz von Fırat bei dem Profis sehr zufrieden. "Man hat nicht erkannt, dass da ein U19 Spieler in der zweiten Halbzeit hinten links verteidigt hat. Fırat hat sich super eingefügt", resümierte er nach der Analyse des Spiels.

Hier können Sie das komplette Spiel RB Leipzig - Udinese Calcio sehen. (Fırat Suçsuz #14)

Samstag, 21. März 2015

Tracky, smarte Stoppuhr 2.0 in deinem Sportjersey



Wer kennt sie noch? Die runden metallenen Uhren mit drei Knöpfen am oberen Ende. Um Hälse gehangen und in den Händen von Millionen von TrainerInnen und SportlerInnen. Ein Stück Vergangenheit aus der analogen Sportwelt. Stoppuhren sind heute nur noch integrierter Bestandteil von Smart-Produkten, die mit ihrer schier unbegrenzbaren Sammelwut helfen das Training zu zählen.


Auf der Crowfunding-Page indiegogo.com kämpft nun Arul Balaji Radhakrishnan vom in Indien beheimateten Start-Up ProjectPOLE um die Verwirklichung seines Traums einer auf Motion Capture basierenden Trainingsbekleidung. Die Stoppuhr 2.0 heisst Tracky und ist die laut Selbstdarstellung auf indiegogo weltweit erste Motion Capture Sportbekleidung. Hier soll nun komfortabler und umfangreicher als je zuvor direkt in Trainings-Short und Shirt analysiert und gemessen werden. Die direkt am Körper liegenden Sensoren messen dann nicht nur Leistung, sondern auch Körperfunktionen, kontrollieren Zielsetzungen und berechnen Optimierungen einzelner Trainingsprozesse. Umfangreiche Software für Android und iOS macht Tracky auch zu deinem Begleiter wen man ihn mal nicht anhat. Tracky würde den Alltag vieler Sportenthusiasten nachhaltig verändern.



Nur noch 8 Tage läuft die Kampagne und erst 39% der angepeilten 30.000 $ die zur Realisierung von Tracky fehlen, wurden dem Start-Up zugesagt. Falls auch du mit Tracky losstarten möchtest, dann kannst du auf https://www.indiegogo.com/projects/projectpole-world-s-first-motioncapture-sportswear zur Verwicklichung von Tracky beitragen.

Montag, 16. März 2015

Endspiel in Leipzig

Für die Düsseldorfer-Presse ist die 2.-Liga Partie am heutigen Montagabend (20:15 Red Bull Arena) zwischen Fortuna Düsseldorf und RB Leipzig ein Endspiel. Ein Endspiel um die letzte theoretische Chance am Aufstiegsrennen in die Bundesliga teilzunehmen. Genau diesen hohen Zielen wurde erst vor gut drei Wochen der Trainer Oliver Reck geopfert. Nun steht, zumindestens übergangsweise, der 47-jährige Berliner Taşkın Aksoy an der Seitenlinie.

Vor dem Endspiel ist dann noch einmal Konzentration angesagt. RB Leipzig und die Fortuna aus Düsseldorf sind Tabellennachbarn und mit einem Dreier könnten beide Teams noch einen Anschluss an die Spitzengruppe halten. Fortuna käme bei einem Sieg auf 6 Punkte auf den Tabellendritten heran, RB Leipzig auf 8. Die Leipziger trainierten heute intensiv und unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Fortuna Coach Taşkın Aksoy, gibt sich cool. Und meldet gegenüber der Presse drei Punkte für Düsseldorf an. Dabei steht für den ehemaligen Fußballer, der bevor er zu Fortuna Düsseldorf den damaligen Regionalligisten Türkiyemspor Berlin trainierte, einiges auf dem Spiel. Nur sportlicher Erfolg könnte ihm langfristig den Trainerjob bei Düsseldorfs 1. Herren sichern. Sein Einstieg mit einem Auswärtssieg und einem Unentschieden zu Hause, ist beachtenswert, doch den aufstiegsorientierten Machern im Verein, wohl zu wenig. Ein Sieg bei RB Leipzig könnte auch Skeptiker überzeugen.

Zwei Ligen höher: Erneut RB vs. Aksoy

Schon einmal trat Taşkın Aksoy in seiner Trainerkarriere gegen RB Leipzig in Leipzig an. Zum Auftakt der Regionalligasaison 2010/2011 und der ersten Saison des RB Leipzig im Profifußball, war Taşkın Aksoy mit Türkiyemspor Berlin zu Gast. Der mit bescheidenen Mitteln geführte Kreuzberger Kiezclub schaffte unter Leitung Aksoys ein vielbeachtetes 1:1 Unentschieden. Das vermieste den Roten Bullen nicht nur den Saisonauftakt, sondern ließ auch erahnen, dass es mit einem Durchmarsch in der Regionalliga nichts werden wird. Damals brachte Christian Schalle die Berliner erst in Führung ehe Lewerenz ausgleichen konnte. Das Team um Aksoy überraschte jedoch nicht nur mit dem Ergebnis, besonders die muntere Spielweise der Kreuzberger blieb Augenzeugen in Erinnerung.

Für eine weitere Parallele zum Spiel 2010 sorgen die Fortuna Fans, so protestieren die Fans gegen das Modell RB Leipzig, als einem Konzern angegliederten Fußballklubs, mit einem Boykott des Auswärtsspiels. Ohne Fanunterstützung in der Red Bull Arena? Auch damit kennt sich Aksoy aus, denn unter den gut 4000 Zuschauern in der Red-Bull Arena im Jahr 2010 fanden sich nur ein knappes Dutzend Berliner Fans ein.

weiterführende Links
Berliner Taşkın Aksoy Interims-Chef bei Fortuna Düsseldorf
Türkiyemspor ärgert RB Leipzig
Klasse 1:1 bei RB Leipzig

Donnerstag, 26. Februar 2015

Syriza untersagt Fußballspiele

Im Vorfeld der griechischen Parlamentswahl am 25.1. wurde viel spekuliert, was alles schlimmes passieren könne, wenn die neue Linkspartei Syriza unter Führung von Alexis Tsipras gewinnen würde. Nun ist die Wahl schon seit gut einem Monat gelaufen. Die neue Regierung schon längst im Amt und Griechenland weiterhin in der EU, das Zahlungsmittel weiterhin der Euro und auch in Resteuropa hat sich die anfängliche hektische Aufregung gelegt. Doch die aktuelle Maßnahme von Syriza hatte keiner der Analysten vorhergesagt. Der neue griechische Regierung hat gestern bis auf weiteres den Spielbetrieb der griechischen Superleageu untersagt.


Auf einer Pressekonferenz teilte Fussballpräsident Yorgo Borovilo mit, das dem Verband von Regierungsseite mitgeteilt wurde, dass der Spielbetreib auszusetzen sei. Zudem kündigte er an, das die neue Regierung das Thema Gewalt im Fußball öffentlich diskutieren wolle und Gesetzesänderungen herbeiführen wolle. Der stellvertretende Sportminister Stavro Kontonis erklärte hingegen, das der Ball beim Verband liege, dieser hätte nun eine Woche Zeit Maßnahmen zu planen, dann könne man auch wieder über einen Spielbetreib nachdenken. Vorausgegangen waren dem am Wochenende schwere Ausschreitungen im Vorfeld des Derbys zwischen Olympiakos und Panathinaikos, bei denen sowohl dem Präsidenten und Trainer von Olympiakos Bengalos bedrohlich nahe kamen.

Gewalt im griechischen Fußball ist in den letzten Monaten ein aktuelles Problem, welches nun auch zu einem Problem für die junge Regierung werden könnte. Allein in den letzten sechs Monaten kam es schon zweimal zu Spielabsagen im griechischen Fußball. Auch hier waren Gewalttätigkeiten der Auslöser. So wurde im September der Spielbetrieb der 3. Liga nach dem durch Ausschreitungen bedingten Todes eines Fans, ausgesetzt und erst im November gab es einen generellen Spielstopp, nachdem ein Schiedsrichter auf offener Straße angegriffen wurde. (siehe: Profifußball nach Gewaltattacke bis auf weiteres ausgesetzt )

Erste Bewährungsprobe für Syriza?

Im Gegensatz zu der aktuellen Entscheidung waren die Entscheidungsträger hier jedoch die unterschiedlichen Sportverbände. Erstmals hat nun die Regierung solch einen rabiaten Schritt gewagt. Durchaus brisant, denn so sehr die Syriza auch in den letzten Wochen kaum an Popularität im Land eingebüßt hat, ist der Fußball neben dem Basketball jedoch ein enthusiastisch gefeiertes Massenereignis. Ob da Verbotsaktionen bei den Wählerinnen und Wählern einer linken Partei, besonders gut angekommen? Und wenn man den Agenturen glauben darf, wird hinter den Kulissen schon der nächste Wähleraffront begangen. So werden als Lösung der Gewaltproblematik konservative Lösungsansätze, wie einst in Italien oder jetzt in der Türkei angestrebt. Elektronische personalisierte Ticketvergabe, bis hin zu kompletter Videoüberwachung, scheinen Priorität zu haben. Das hier bis dato keine Pläne über sozialpädagogische Ansätze wie Fanarbeit an die Öffentlichkeit an die Öffentlichkeit gelangten, nährt die Befürchtung das von der linken Partei ausschließlich eindimensional vorgegangen wird. Ob, das die griechische Fanszene so mit sich machen lässt? Die durchaus ausdifferenzierte Szene an der Ägäis ist nicht dafür bekannt sich leicht einschüchtern zu lassen. Der Fußball könnte somit für die Syrzia eine größere Bewährungsprobe dar stellen, als die Wirtschaftskrise. Denn mit einer harten Gangart, wird die neue Partei Proteste provozieren.


In dem Bericht von mynet spor „Yunan derbisinde ortalık karıştı" ist ein Video zu sehen von den Ausschreitungen im Vorfeld des Derbys zwischen Olympiakos und Panathinaikos.

Dienstag, 24. Februar 2015

Türkei: Gesellschaftliche Realität holt Sport ein

Seit nunmehr über einem Jahr sind in türkischen Fußballstadien politische Äußerungen verboten. Zumeist wird dieses Verbot nur auf oppositionelle Gruppen angewendet wird, der Regierung nahestehende Bekundungen wie Unterstützung der Opposition in Ägypten oder großosmanische Träume bleiben von diesem Verbot unberührt. Doch trotzdem finden sich immer wieder gesellschaftspolitische Äußerungen in den Stadien wieder.

Wie zuletzt bei den Grubenunglück in Soma (siehe: Grubenunglück in Soma: Fußballklubs helfen), dem twitter-Verbot (siehe. Galatasaray setzt sich für twitter ein ) kann sich der Sport nicht komplett in einen von der Gesellschaft abgekapselten Raum zurückziehen. Zu groß ist die emotionale Entrüstung bei aktuellen Themen, so groß dass ein Nicht-Verhalten den Vereinen, Spielern oder Fans negativ entgegenschlagen würde.

Vergewaltigung und anschließender Mord schockt das Land

Mit der Vergewaltigung und dem anschließenden Mord an der Studentin Özgecan Aslan im der südtürkischen Stadt Mersin, wurde die Öffentlichkeit in der Türkei erneut schmerzlich mit der zunehmenden Gewalt gegenüber Frauen konfrontiert. Und diese Tat scheint der berühmte Tropfen zu sein, der das Faß zum überlaufen brachte. Denn in den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Opfer erheblich gestiegen, oder zu mindestens die Wahrnehmung dieser Taten, wie Familienministerin Islam der Presse gegenüber anmerkte. Zahlen veröffentlichte die Webseite „dogruluk payı“, die politische Äußerungen von Politikern untersucht und auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft. Demzufolge sind nur in den Jahren 2002-2013 allein 13381 Frauen infolge von Gewalteinfluß verstorben. (Siehe: http://www.dogrulukpayi.com/beyanat/54e44aa24f8cc )

Nun, seit dem Mord an Özgecan gibt es täglich im Land Erinnerungsmärsche und Demonstrationen gegen Gewalt von Männern, bei twitter und dem türkischen online-Dictionary „ekşi sözlük“ posten unter dem Hashtag #sendeanlat Frauen aus der Türkei ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen.

Auch Sportscene geschockt

Der Tod von Özgecan Aslan hat das Land erschüttert, so sehr erschüttert, dass dies auch in der Fußballscene seinen Ausdruck fand. Den Anfang machte einer der erfolgreichsten Trainer des Landes. Mustafa Denizli zur Zeit als Kommentator bei dem Pay-TV Sender Lig TV tätig, äußerte sich Live on air. Angesprochen auf das Spiel Gaziantepspor gegen Fenerbahçe antwortete er: „ Meine Gedanken beschäftigen sich nun nicht mit Fenerbahce oder so. Meine Gedanken sind bei Özgecan Aslan.“ Danach führte er die Abscheulichkeit der Tat aus und betitelte sie als mittelalterlich. Daraufhin übte er scharfe Kritik an den Medien und schloß seine Ausführungen mit der rhetorischen Frage. „Nach solch einer Tat, wie können wir in unserem Land da noch über Fußball reden?“ Auch der berühmte Ex-Nationalstürmer und Parlamentsabgeordnete Hakan Şükür unterstützt die Äußerungen Denizlis per twitter. Zudem haben viele Fans in der Türkei ihre Trauer und ihre Wut per Transparenten in den Stadien getragen, sei es bei den großen Vereinen in Istanbul, aber auch bei Spielen in Anatolien und an den Küsten wurde Özgecans Aslan gedacht. Auch Spielerinnen und Spieler beteiligten sich. Galatasaray lief mit einem Transparent auf und in der Heimatstadt Özgecans, Mersin , lief der ansässige Klub Mersin İdmanyurdu in T-Shirts auf, auf denen ein Foto Özgecans abgebildet war.

Die Eingang von gesellschaftspolitischen Ereignissen in den sportlichen Alltagsdiskurs in der Türkei wird aufgrund der repressiv ausgelegten Regierungspolitik immer seltener. Aber das Beispiel Özgecan Aslan zeigt, das Politik nie ganz aus den Stadien raus zu bekommen ist.

Querpässe ins Abseits

Wohin diese Diskurse führen können wenn sie von der Sportwelt adaptiert werden, oder bzw. auf welchen Niveau diese Diskurse dann geführt werden zeigt folgendes Beispiel. „Beyaz Futbol“ ist eine der unzähligen Talkshows zum Thema Fußball, welche an Spieltagen die Sendeplätze der großen und kleinen TV-Stationen besetzen. Hier sitzen dann hauptsächlich Männer zusammen, die teils informativ und sachlich, jedoch auch oft provokativ und laut die aktuellen Szenen des Spieltages kommentieren. Auch gesellschaftspolitische Themen finden hier zuweilen Eingang in die Produktionen. So auch bei „Beyaz Futbol“ letztes Wochenende. Im Hintergrund wurde regelmäßig ein Bild Özgecans eingeblendet, mit trauriger Musik unterlegt und die TV-Show Protagonisten legten ihre ernstesten Minen auf. Bis dahin alles ganz normal. Bis mitten in der Sendung Pop-Star und Ex-Survivor Kandidat Nihat Doğan im Studio anrief und durchgestellt wurde. Zuvor war Nihat Doğan öffentlich scharf kritisiert worden, für einen Tweet der sexuelle Übergriffe auf Frauen indirekt als Folge der laizistischen Politik bezeichnete. Dies wollte er nun bei „Beyaz Futbol“ klar stellen. Doch er kam kaum zu Wort. Minutenlang wurde auf ihn energisch eingeredet. Besonders Ahmet Çakar, ehemaliger Schiedsrichter, schrie den Musik-Star an. „Entschuldige Dich und leg auf. Du sollst Dich nur entschuldigen und auflegen.“ Irgendwann murmelte Nihat, in Tränen aufgelöst, so etwas wie einige Entschuldigung. Doch gerade die lautstarke Echauffierung des Ex-Schiedsrichters brachte nun ihn selbst in die Kritik. Hat Ahmet Çakar doch in der gleichen Sendung vor ein paar Jahren noch, im Zusammenhang mit einer anderen Missbrauchs-Diskussion, die entsetzliche These aufgestellt, dass eine Frau die nicht wolle, auch nicht vergewaltigt werden könne. Nun steht er selbst wieder im Kreuzfeuer der Kritik.

Fenerbahce Fangruppe 12numera.org prangert Äußerungen von Ahmet Çakar an:

Doch auf für Nihat Doğan ist noch keine Ruhe angesagt. Der leidenschaftliche Galatasaray-Fan ist auch Mitglied bei den Löwen. Doch einen offensichtlichen sexistischen Atatürk-Feind will der Verein dann doch nicht haben. Flugs wurde auf einer Vorstandssitzung der Ausschluß von Nihat Dogan eingeleitet. Er selbst schießt nun zurück und fordert die Rückzahlung von Beträgen die er zur Unterstützung des Vereins geleistet habe. Die Reaktion von Galatasaray kam prompt und fragt öffentlich, von welchen Geldern denn hier gesprochen würden und fordert indessen noch ausstehende Mitgliedsbeiträge ein.

Fotos von Protesten der Fußballfans findet ihr hier.
Türkische Fussballfans gegen Gewalt gegen Frauen
Istanbul-Fans gedenken Özgecan Aslan

Montag, 23. Februar 2015

Berliner Taşkın Aksoy Interims-Chef bei Fortuna Düsseldorf

Die Rückrunde hat gerade erst begonnen, da dreht sich gleich wieder das Trainerkarussell. Das ambitionierte Team von Fortuna Düsseldorf reagierte heute auf den Rückrundenfehlstart (1 Unentschieden, 2 Niederlagen) in der 2. Bundesliga unter Cheftrainer Oliver Reck mit dessen sofortiger Beurlaubung. Als Nachfolger wurde interimsweise der bisherige U23 Coach Taşkın Aksoy präsentiert. 

Der 47-jährige Fußballlehrer arbeitet in seiner dritten Saison in Düsseldorf. Unter Aksoys Regie hat sich die U23 erfolgreich stabilisiert und mittlerweile in der Regionalliga etabliert. Schon als Spieler sammelte Aksoy internationale Erfahrungen. Der ehemalige Profi stand für Hertha und TeBe  in der 2. Bundesliga auf dem Platz und schnupperte mit Kocaelispor Europapokalluft. Diese Erfahrungen gepaart mit seiner akribischen Vorbereitung machten ihn nach Absolvierung der Ausbildung zum Fußballehrer in Berlin gefragt. Bei seiner ersten Profistation als Trainer bastelte er 2009/10 bei Türkiyemspor Berlin in der damals noch dreigleisigen Regionalliga mit bescheidensten Mittel ein Team zusammen, welches sich erfolgreich in der Regionalliga halten konnte. Bekanntester Schützling Aksoys ist der Paderborner Bundesligaspieler Süleyman Koç. Koç ist mit seinem seinem Einsatzwillen und technischen Fähigkeiten Sinnbild für das von Aksoy bevorzugte Spiel.

Nachdem Türkiyemspor finanziell kollabierte, geriet auch Aksoys Trainerkarriere kurzfristig ins Stocken. Zur Saison 2012/13 bekam der seit 2007 mit der UEFA-Prolizenz ausgestattete Fußballlehrer erstmals die Möglichkeit sich unter professionellen Bedingungen zu beweisen und das mit Erfolg. Nunmehr vertrauen ihm die Verantwortlichen der Fortuna die Geschicke der 1. Mannschaft an. Wie lange sein Intermezzo dauern wird, wird wohl wie so oft im Fußball vom Erfolg abhängen. Von Vereinsseite heißt es erstmal klassisch: “Taşkın Aksoy übernimmt bis auf Weiteres”.

Doch mit dem sympathischen Berliner könnte sich die Fortuna nicht nur das Glück auf dem Platz zurück holen, sondern setzt auch auf einen nervenstarken und durch seine Berliner Zeit krisenerfahrenden und innovativen Coach. Auch in seiner Heimatstadt und dem deutsch-türkischen Fußball-Berlin wurde die Berufung Aksoys als Interimschef erfreulich registriert. Denn mit dem sportlichen Niedergang der Migrantenklubs wie Türkiyemspor und SV Yeşilyurt, stehen, mehr denn je, individuelle Erfolge im Fokus. So ist schon die Karriere von Sülyeman Koç Tagestehma in Kreuzberg, Wedding und Neukölln. Da könnte mit Taşkın Aksoy schon bald das nächste Kreuzberg Märchen erzählbar werden. Gut möglich, dass bei entsprechendem Erfolg auch die Fortuna dem neuen Trainertrend folgt und langfristig auf den Mann aus den eigenen Reihen baut. Taşkın Akosy wäre es zu wünschen.




Sonntag, 22. Februar 2015

Verrückte Regeln - Wenn ein Elfmeter über die Dauer einer Sperre entscheidet




Das Berliner Katzbachstadion bietet im idyllischen Viktoria Park gelegen an einem sonnigen Tag den perfekten Ort für Fußballphilosophen und ihre Geschichten. Als ich letzte Woche auf meinen alten Trainer traf, wollte dieser mich mit einer Erinnerung an eine Kuriosität aus unser Vergangenheit vom Comeback überzeugen. 

Von Zeit zu Zeit vertrieben wir uns gemeinsam unsere spielfreien Wochenenden mit Einsätzen in der Freizeitmannschaft unseres Vereins. In einem dieser Spiele merkten wir schnell, dass die Gegner das Fußball-Einmaleins nicht sicher beherrschten, so nutzen wir des Gegners Unkenntnis darüber, dass es beim Einwurf kein Abseits gibt, eiskalt zum Torerfolg aus. Noch heute amüsieren wir uns köstlich über die verdutzen Gesichter und wilden Diskussionen unserer Hobbyfußballkollegen. 

Tiefergehende Comeback-Überzeugungsversuche stoppte ich damit, dass ich die Diskussion aufs Thema Regeln lenkte und die Frage in den Raum stellte, welche Regeln denn wohl die unbekannteste ist. Wir schwadronierten über Abseits beim Abstoß und Abschlag, über die Rolle der Eckfahne, was passiert wenn ein Fan oder ein Auswechselspieler den Ball auf der Linie wegschlägt und vieles mehr.

Doch beim heutigen Doppelpass rief Thomas Strunz im Rahmen der "Dreifachbestrafungs-Diskussion" die aktuell wohl absurdeste Regel in Erinnerung. Nach einer Verhinderung einer klaren Torchance im Strafraum, gibt es Elfmeter und Rot inklusive anschließender Sperre. Die Diskussion ob die Rote gerechtfertigt ist, hin oder her, es  wird noch kurioser. Denn was bitte soll es, dass der Elfmeter darüber entscheidet, wie lange der Rotsünder gesperrt wird. Trifft der Schütze, gibt es ein Spiel Sperre. Trifft er nicht, sind es zwei. "?". Wer bitte denkt sich sowas aus. Soll der Trainer, im Fall eines Spiels welches schon entschieden ist, seinem Torwart zurufen, dass er den Ball rein lassen soll, damit der Mitspieler nur ein Mal aussetzen muss? 

Für März hat die FIFA das Thema immerhin auf die Tagesordnung gesetzt. Bleibt zu hoffen, dass die Herren in Nadelstreifen  nicht probieren ihre Fehler mit neuen Absurditäten zu korrigieren.