Sonntag, 22. Februar 2015

Verrückte Regeln - Wenn ein Elfmeter über die Dauer einer Sperre entscheidet




Das Berliner Katzbachstadion bietet im idyllischen Viktoria Park gelegen an einem sonnigen Tag den perfekten Ort für Fußballphilosophen und ihre Geschichten. Als ich letzte Woche auf meinen alten Trainer traf, wollte dieser mich mit einer Erinnerung an eine Kuriosität aus unser Vergangenheit vom Comeback überzeugen. 

Von Zeit zu Zeit vertrieben wir uns gemeinsam unsere spielfreien Wochenenden mit Einsätzen in der Freizeitmannschaft unseres Vereins. In einem dieser Spiele merkten wir schnell, dass die Gegner das Fußball-Einmaleins nicht sicher beherrschten, so nutzen wir des Gegners Unkenntnis darüber, dass es beim Einwurf kein Abseits gibt, eiskalt zum Torerfolg aus. Noch heute amüsieren wir uns köstlich über die verdutzen Gesichter und wilden Diskussionen unserer Hobbyfußballkollegen. 

Tiefergehende Comeback-Überzeugungsversuche stoppte ich damit, dass ich die Diskussion aufs Thema Regeln lenkte und die Frage in den Raum stellte, welche Regeln denn wohl die unbekannteste ist. Wir schwadronierten über Abseits beim Abstoß und Abschlag, über die Rolle der Eckfahne, was passiert wenn ein Fan oder ein Auswechselspieler den Ball auf der Linie wegschlägt und vieles mehr.

Doch beim heutigen Doppelpass rief Thomas Strunz im Rahmen der "Dreifachbestrafungs-Diskussion" die aktuell wohl absurdeste Regel in Erinnerung. Nach einer Verhinderung einer klaren Torchance im Strafraum, gibt es Elfmeter und Rot inklusive anschließender Sperre. Die Diskussion ob die Rote gerechtfertigt ist, hin oder her, es  wird noch kurioser. Denn was bitte soll es, dass der Elfmeter darüber entscheidet, wie lange der Rotsünder gesperrt wird. Trifft der Schütze, gibt es ein Spiel Sperre. Trifft er nicht, sind es zwei. "?". Wer bitte denkt sich sowas aus. Soll der Trainer, im Fall eines Spiels welches schon entschieden ist, seinem Torwart zurufen, dass er den Ball rein lassen soll, damit der Mitspieler nur ein Mal aussetzen muss? 

Für März hat die FIFA das Thema immerhin auf die Tagesordnung gesetzt. Bleibt zu hoffen, dass die Herren in Nadelstreifen  nicht probieren ihre Fehler mit neuen Absurditäten zu korrigieren.

Sonntag, 15. Februar 2015

Never change a winning team - Reus und Juno mit neuen Trend?


Erfolg im Fußball hat oft mit Kontinuität zu tun. Nur leider hat Fußball sehr oft auch was mit Geld zu tun. So fällt es manchem Verein schwer, Kontinuität in seinen Kader zu bekommen, da die besten Spieler dem Ruf des Geldes folgen. Umso erfreulicher sind daher die Meldungen der letzen Woche. Marco Reus verlängert trotz Lockrufen aus Madrid, Manchester und München in Dortmund und - weniger spektakulär aber mit gleicher Signalwirkung  - Zlatko Junuzovic bleibt Werder Bremen erhalten.

Die Hoffnung besteht, dass die beiden damit einen Trend setzen der zum Umdenken bei anderen Spielern einsetzt. Natürlich ist es nicht immer falsch den Verein zu wechseln, auch der Reiz mehr Geld zu verdienen ist verständlich, doch zeigen etliche Beispiele, dass nicht jeder Wechsel einen Spieler weiterbringt. Reus hat gleich zwei gute Beispiele als Mitspieler. Nuri Sahin wechselte 2011 als gefeierter Stratege der Dortmunder Meisterelf zu Real Madrid, ein Jahr später zum FC Liverpool und kam im Januar 2013 mit der "Erfahrung" von vier Primera Division und sieben Premier League Einsätzen zurück zum BVB. Ähnlich erging es Shinji Kagawa bei Manchester United.

Auch beim SV Werder gibt es genügend negativ Beispiele für die Stagnation eines Spielers nach einem Wechsel. Aktuelles Beispiel ist Aaron Hunt, schon im Winter gab es heftige Spekulation über eine Rückkehr an die Weser. Verständlich, dass ein Spieler der jahrelang Stammspieler war, nicht zufrieden ist, wenn er bei seinem neuen Club auf der Bank versauert. Da hilft dann auch das Plus auf dem Konto nix. Und seien wir doch mal ehrlich, es sollte den Herren Bundesligaspielern doch eigentlich egal sein, ob Sie an der Weser ein bis zwei Millionen oder in Wolfsburg vier plus X Millionen verdienen und selbst mit dem Gehalt eines Mainzer Fußballjecken lebt es sich wohl derzeit besser als mit Hamburger Millionen. Wir könnten ja mal Nicolai Müller fragen. Letztes Jahr klopfte er mit neun Toren noch bei Jogi Löw an, aktuell schlägt er sich mit dem Hamburgern im Abstiegskampf rum und erzielte bisher nur ein mageres Tor. Glücksmomente? Fehlanzeige!

Diese Liste kann man unendlich weiter führen. Also liebe Tim Borowskis, Andi Herzogs, Sidney Sams, Ailtons, Marcell Jansens der Zukunft, bevor ihr wechselt, denkt immer daran, dass eine Million im Jahr schon sehr viel Geld ist und "Never change a winning team".

Mittwoch, 21. Januar 2015

Sport und Migration. Eine Bildergeschichte.

Der Twitter-Account @diaspora_turk erzählt die über 50-jährige Geschichte der Migration aus der Türkei in die Bundesrepublik. Täglich werden hier Bilder getweetet, die einprägsam ein Stück moderner europäischer Geschichte dokumentieren. Wir haben die besten sieben sportbezogenen Tweets für euch herausgesucht, für eine Bildergeschichte von Türk Gücü über Fortuna Düsseldorf bis zu İlyas TÜFEKÇİ.





Der erste Transfer aus der Türkei
Tweet zum Bild:Tor von Çoşkun Taş beim Spiel zwischen dem FC Köln und FK Pirmasens (1960). Çoşkun Taş war der erste Transfer aus der Türkei in die Bundesrepublik.

Viele neue Teams in Europa. Eins davon: Türk Gücü Futbol Takımı
Tweet zum Bild: Das aus in die Niederlande eingewanderten Arbeitern gegründete Fußballteam Türk Gücü (1966)

MigrantInnen sind in Bewegung. Die Liebe zu Fortuna Düsseldorf wurde von diesem Schüler in die Türkei importiert. Am ersten Schultag in der neuen Heimat fand sich so sein Fortuna-Shirt zwischen türkischen Schuluniformen wieder.
Tweet zum Bild: Der erste Schultag eines Kindes nach der Rückkehr der Familie in die Türkei, mit dabei das T-Shirt von Fortuna Düsseldorf (1983)

Pioniere auf europäischen Ground
Tweet zum Bild: Zwei Spieler des ältesten türkischen Klubs in Europa, Türk Futbol Kulübü FC Ankara, Seyfi und Mete (1969-Deutschland)

Ringen: Ein Volkssport in der Türkei. Ehrfurchtsvoll werden die Ringer "Pelihvan" genannt.
Tweet zum Bild: Mini-Ringer beim Ringen auf den Straßen von Herne (1985-Deutschland)

Sport gehört zum Alltag. Die Ausbildung dazu ist bisweilen interkulturell.
Tweet zum Bild: Fahrraduntericht (1990-Niederlande)

Fehlen darf auch nicht der Multi-Kult Klub aus Berlin. Hier ein Foto aus dem Katzbachstadion in Kreuzberg.
Tweet zum Bild: Fanbegeisterung während eines Spiels von Türkiyemspor Berlin (1988-Deutschland)

Bonus: In Berlin startete Ilyas Tüfekci seine Fußball-Karriere beim BBC Südost und Türkspor Berlin. Danach spieltet er u.a. bei Hertha BSC, Schalke 04, dem VfB Stuttgart und bei den beiden großen Klubs Fenerbahçe und Galatasaray in der Türkei. Der heutige 54-jährige leidet seit Herbst 2014 an ALS. Diren İlyas!
Tweet zum Bild:İlyas TÜFEKÇİ| VfB Stuttgart (1980-81 - In 24 Liga-Spielen schoß er 13 Tore, der VfB beendete die Saison als Dritter.(İlyas: unterste Reihe, von rechts der Dritte)


Auf der Nachrichten-Plattform onedio.com finden sich zum Thema Migration aus der Türkei weitere zeitgeschichtliche Dokumente. Der komplette Beitrag "Çok Özel Fotoğraflarla Avrupadaki Türk Diasporasının 50 Senelik Hikayesi" mit viel Bild- und Videomaterial kann unter http://onedio.com/haber/cok-ozel-fotograflarla-avrupadaki-turk-diasporasinin-50-senelik-hikayesi-437723 eingesehen werden.

Falls ihr interessantes Material dem Projekt @diaspora_turk zu kommen lassen wollt. Könnt ihr das über den Twitter-Account direkt tun, oder über die Mail-Adresse diasporaturk@yandex.com.

Montag, 19. Januar 2015

Extremsport Fußballprofi - „Ab heute bin ich also Sportinvalide“


Patrick Helmes und Mike Franz sind die aktuellsten Beispiele, wie herausfordernd der Profifußball ist. Fußball ist ein Hochleistungssport, für den man nicht nur das nötige Talent braucht, sondern auch einen äußerst belastbaren Körper.

Im Fußball sind die Belastungen so extrem, da sie so unterschiedlich sind. Die ständigen Richtung- und Geschwindigkeitswechsel sind pures Gift für Muskeln, Bändern und Knorpel. Im Gegensatz zu Sportarten wie Fahrradfahren und Schwimmen ist das Verletzungsrisiko und vor allem das Invalidenrisiko daher sehr hoch. Die Schaltzentrale der menschlichen Fortbewegung ist das Knie. Durch Dribblings und Tacklings ist dieses ständigen Gefahren ausgesetzt. Knorpelschäden und Kreuzbandrisse kann nicht jedes Knie verarbeiten, so dass die Gefahr eines plötzlichen Karierendes immer mitspielt.

Aktuelle Beispiele sind Mike Franz, dem auch sein Ruf als Eisenfuß nicht vor dem Invalidendasein schütze und Patrick Helmes, dessen Rückkehr auf den Platz nach aktuellen Berichten mehr als Fraglich erscheint. Auch Bayerns Holger Badstuber kann in diesem Atemzug genannt werden. Bei Badstuber ist derzeit wieder Licht am Ende des Tunnels, doch wie schnell es gehen kann, sah er bei seinem letzten Comebackversuch, als er sich sofort wieder das gerade genesene Kreuzband riss.

Franz Worte zu seinem Karierende sind schwer einzuordnen. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er „Ab heute bin ich also Sportinvalide“. Mich beindruckten diese Worte und ich wünsche Ihm an dieser Stelle alles Gute für die Zukunft.

Montag, 17. November 2014

Genial. Spendenlauf in Wunsiedel gegen Nazis

Charity-Läufe gehören zum Standardpaket des social-Sponsoring. Sei es, das man für den guten Zweck auf einer Mottoveranstaltung schwitzt, oder mit einer Handy-App für die gute Sache ganz individuell und privat rennt. Doch das gab es noch nie. Neonazis aus ganz Deutschland sammelten unfreiwillig am Sonnabend in Wunsiedel für die Neonazi-Aussteiger Organisation "Exit".

Die Schnauze voll haben Anwohner und Aktivisten schon seit Jahren. Denn einmal im Jahr gerät Wunsiedel zum Zentrum der bundesdeutschen Neonazi Scene. Dann wollen hier Alt- und Neonazis dem Stellvertreter Adolf Hitlers, Rudolf Heß, Gedenken. Gegenaktionen begleiten die Neonazis seit ihrem ersten Auftritt 1987, doch damit könnte vielleicht bald vorbei sein. Denn Anwohner und antifaschistische Aktivisten wandelten den Neonaziaufmarsch kurzerhand um in einen Spendenlauf „Rechts gegen Rechts“. Unfreiwillig sammelten so die braunen Horden mit jedem gelaufenen Meter Geld für die gute Sache und damit gegen Rechts. Die Demoroute war geschmückt mit ironischen Transparenten, wie „Wenn das der Führer wüsste“. Damit den Neonazis auch klar wird wofür sie hier laufen, war die Laufroute präpariert mit Erfolgsmeldungen, in klassischer Lauf-Charity Manier. In großer Schrift wurde auf der Laufstrecke der jeweils erreichte Spendenstand verkündet. Auch für die Verpflegung war gesorgt, an „Mein Mampf“-Ständen lagen Bananen für die rechten Deutschen bereit.
Eine erfolgreiche Aktion, die sportlich fit Neonazis der Lächerlichkeit preisgab und nebenbei über 10.000 Euro für „Exit“ einbrachte. Ob die Nazitruppen nun auch nächstes Jahr wieder an „Rechts gegen Rechts“ teilnehmen bleibt abzuwarten.




Sonntag, 16. November 2014

Profifußball nach Gewaltattacke bis auf weiteres ausgesetzt

Sportliche Erfolgslosigkeit und Spielverschiebungen, - der griechische Fußball hat einiges zu erleiden. Nun, nach einem Gewaltangriff auf den ehemaligen Schiedsrichter Christoforos Zografos in der griechischen Hautstadt Athen, ruht bis auf weiteres der Spielbetrieb in allen Profiligen des Landes.

Presseberichten zu Folge wurde der 45- jährige Ex-FIFA Referee Zografos im West-Athener Stadtteil Kolonos von zwei unbekannten Motorradfahrern mit Holzknüppeln am Freitagabend auf offener Straße verprügelt. Der Verband beschloß nun bis auf weiteres keine Schiedsrichter mehr für die Profiligen des Landes bereit zu stellen. Eine erneute Entsendung von Schiedsrichtern machen sie von Maßnahmen zum Schutze der Schiedsrichter abhängig, die von öffentlichen Stellen und der Polizei einzuleiten seien.

Zografos arbeite zuletzt als zweiter Mann im vom Fußballverband eingesetzten zentralen Schiedsrichterkomitee. Das Komitee unter Führung des international renommierten Ex-Schiedsrichters Hugh Dalles ist neben der Kontrolle von Schiedsrichtern, Spielansetzungen auch mit der Aufklärung von mutmaßlichen Spielverschiebungen betreut.

Zuletzt kam es erst im September in Griechenland zu einer einwöchigen Zwangspause der 3. Liga. Auslöser war auch hier Gewalt. Ein Fan kam bei Ausschreitungen ums Leben.

Klubpräsident ordnet Bartverbot an

Vollbärte ob gepflegt oder ungepflegt sind international im Trend. Der natürliche Gesichtsschmuck ist sowohl bei Hipstern, als auch Religiösen in Mode. Und genau das paßt İlhan Cavcav nicht. Deshalb verbot der Dino-Präsident, seit 1977 fast ununterbrochen im Amt beim türkischen Süperligisten Gençlerbirliği, kurzerhand seinen Spielern die Zotteln im Gesicht.

Wie die Nachrichtenagentur DHA berichtet, begründet das Enfant terrible der türkischen Fußballpräsidenten Elite, dies mit der Zunahme von Bärten bei Spielern und Trainern der Süperlig. Als schlechte Beispiele prangerte er den Beşiktaş Trainer Slaven Bilic, Fenerbahçe Torwart Volkan Demirel sowie den Galatasaray Spieler Selçuk İnan an. „Hey Leute, sind wir in einer Imam-Hatip-Schule?“ wird er erbost zitiert. Pikant, denn die Imam-Hatip-Schulen, die in der Vergangenheit nur die Ausbildung zum Imam ermöglichen sollten, sind seit Jahren ein Zankapfel in der türkischen Politik. Sie gelten als ein Lieblingskind der regierenden AK Partei und ersetzen unter ihrer Regierungszeit immer mehr die normalen Regelschulen.

„Wir haben genug von der UEFA“

Doch der letzte Anstoß zu diesem außergewöhnlichen Verbot war wohl persönlicher Natur. Er selbst sei 80 Jahre alt und rasiere sich jeden Tag.
„Ich habe einen 23 jährigen Enkel und der läßt sich einen Bart wachsen. Ich sage zu ihm: ´Mein Sohn, rasier den Bart weg.` Wisst ihr was er sagt? `Opa, alle Sportler tragen einen Bart, warum sagst du zu denen nichts?“ Des weiteren gibt Cavcav gegenüber DHA an, dieses Thema auch schon mit dem Verbandschef, Yıldırım Demirören, besprochen zu haben. Dieser habe jedoch auf Regeln der UEFA verwiesen. Diese Begründung bringt den Klubboss auch gegenüber der Nachrichtenagentur noch mal richtig in Wallung. “Wir haben genug von der UEFA. Wenn es doch bloß einen Platz geben könnte wo man ohne die UEFA Fußball spielen könnte“. Seine Entscheidung fällte er dann schließlich aufgrund eines Tipps Demirörens, der ihm bedeutete, dass die Vereine selbst solch Regelungen treffen könnten. Gesagt, getan. Bei einer Strafe von 25.000 TL ist ab sofort den Spielern von Gençlerbirliği das Tragen von Bärten verboten.