Zwei Explosionen
erschütterten Samstagabend Istanbul. Im Anschluß an die Süperlig Partie
zwischen Beşiktaş und Bursaspor kam es kurz nach dem Abzug der Gästefans aus
dem Stadion zu zwei lauten Explosionen in unmittelbarer Stadionnähe.
Offiziellen zu Folge soll es mindestens 44 Tote und 155 Verletzte gegeben
haben, darunter auch Vereinsmitarbeiter von Beşiktaş. Die Explosionen werden auf ein explodiertes Fahrzeug und einen
Selbstmordattentäter zurückgeführt.
Um 21 Uhr war rings um die
Vodafone-Arena in Beşiktaş in Istanbul noch die Freude tausender Fußballfans
Ton angebend. Beşiktaş besiegt Erzrivalen Bursaspor in einer dramatischen Begegnung
mit 2:1. Und ist jetzt punktgleich mit Tabellenführer Başakşehir, die
gleichzeitig bei Gençlerbirliği über ein 0:0 Unentschieden nicht hinauskamen.
Freude wohl auch beim Fußballverband, der Polizei und den Verantwortlichen
beider Vereine. Denn das erste mal nach sechs Jahren durften wieder Fans aus
Bursa ins Stadion und alles blieb friedlich. In den Jahren vor dem Gästefanverbot
zwischen Beşiktaş und Bursa gab es regelmäßig heftige Fanauseinandersetzungen
vor und nach dem Spiel. Doch die Freude über die friedvolle Durchführung der Süperlig-Partie, wich nur knapp
zwei Stunden später blankem Entsetzen.
Anschlag reisst Istanbul aus dem Wochenende
Zwei Explosionen
erschütterten die Umgebung des Stadions. Die Schallwellen breiteten sich über
das Meer durch die ganze Stadt aus und waren sogar im knapp 30 Kilometer
entfernten Stadtteil Kartal noch zu hören und zu spüren. Schnell brachten die
sozialen Medien Meldungen und Videos. Ein Mitschnitt von Beşiktaş TV machte die
Runde, bei dem die Studioreporter Live im Studio erschrocken die
Explosionsgeräusche mitbekamen. Auch ein Video von Gitarre spielenden
Jugendlichen auf der asiatischen Seite der Stadt zeigte die dramatischen
Sekunden. Während die Jugendlichen mit dem Rücken zum Bosporus saßen, filmte
ein Freund ihre öffentliche Jamsession. Plötzlich ist, im Hintergrund auf der
anderen Seite des Bosporusses, eine enorme helle Explosion zu sehen. Während
der Kameramann entsetzt, versucht in
Worte zu fassen was er so eben mit der Kamera eingefangen hat, spielen die nichts sehenden ihren Song weiter.
Noch bevor sie sich umdrehen um zu schauen, was ihren Freund so in Rage bringt,
erreicht die Schallwelle die asiatische Seite. Der Knall wirft alle drei auf
den Boden.
Polizeibeamte als Ziel ?
Offizielle sprachen zuerst
von ca. 20 Verletzten, doch im Laufe des Abends wurden die Zahlen korrigiert
und bekanntgegeben, dass es auch Todesopfer gegeben habe. Über die Anzahl gab
es zuerst keine Angaben. Jedoch wurde bestätigt, dass es sich um zwei
Explosionen gehandelt habe. Eine, die größere, hat sich am Beleştepe, dem
Umsonst-Hügel, ereignet. Ein kleiner Hügel am Rande der Vodafone-Arena, an dem
sich noch vor dem Neubau des Stadions an Spieltagen hunderte von Fußballfans
einfanden, da hier ein Teil des Spielfeldes eingesehen werden konnte. Hier wurde umsonst Beşiktaş gesehen und gefeiert. Mit dem Neubau bot der Hügel keinen Umsonst-Einblick mehr auf das
Spielgeschehen und dann hat die Polizei dort regelmäßig bei Beşiktaş spielen
Stellung bezogen. Ein Wasserwerfer und etliche Beamte gehören an diesem
Standort zum Standard bei Beşiktaş Spielen. Und genau dort, in der Nähe der
Beamten, fand dann die stärkere der beiden Explosionen statt. Der türkische
Innenminister Süleyman Soylu sprach dann auch in seiner ersten Erklärung von
ausschließlich verletzten Polizeibeamten, denen der Anschlag gegolten habe.
Gegen 3 Uhr nachts gab dann das Gesundheitsministerium bekannt, dass es
insgesamt 15 Todesopfer gegeben habe und 69 Verletzte. Eine Stunde später korrigierte das Innenministerium die Zahlen erneut: 29 Tote und 166 Verletzte, davon 27 Polizeibeamte. Sonntagmorgen wurde die Opferzahl erneut korrigiert und mit 38 Todesopfern und 155 Verletzten angegeben.
Anschlag tötet Klubmitarbeiter
So steht die Türkei einmal
mehr unter Schock. Der Putschversuch vom Sommer 2016 ist noch nicht vergessen
und auch blutige Terror-Anschläge verschiedenster Gruppierungen sind schrecklicher
Alltag geworden. Doch der Anschlag an der Vodafone-Arena bedeutet wohl mehr.
Greift er doch genau da an, wo noch die Normalität, der Alltag, - irgendwie
immer weiter ging. Beim Fußball. Bursaspor hat dann noch in der Nacht mit
Rücksprache von Fangruppen vermeldet, dass es keine Bursa-Fans unter den
Verletzten und Opfern gegeben habe. Beşiktaş hingegen muss Opfer beklagen. Ein Kongressmitglied und ein Mitarbeiter des Kinderbereichs befinden sich unter den Opfern. Trauer legt sich über den Fußball. Auch Galatasaray und Fenerbahçe verurteilen den Anschlag und veröffentlichten
Erklärungen auf ihren Homepages und tweeteten Images mit Trauerbekundungen.
Ein verzweifelter Hilfeschrei der Klubs, deren Freude über Tore und Siege
drohen unterzugehen in Tränen und Blut.
Die Zahl der Opfer wurde von offizieller Seite noch einmal aktualisiert. Es wird jetzt von 38 Toten und 155 Verletzten ausgegangen. Über die Tätergruppe gibt es weiterhin Spekulationen, von Seiten der Regierung wird eine Täterschaft der PKK, oder ihr nachstehender Gruppen thematisiert. Für die Opfer aus Polizeikreisen, wurde am frühen Sonntag eine Gedenkveranstaltung durchgeführt. Für 15 Uhr Ortszeit ist ein Trauermarsch von Besiktas aus zum Vodafone-Stadion angekündigt worden. Für einen Tag ist Staatstrauer ausgerufen worden. Der türkische Fußballverband (TFF) hat angekündigt, das alle Spiele der professionellen Ligen am heutigen Sonntag und Montag, jedoch stattfinden werden. Die Fahnen an den Stadien werden auf Halbmast gesetzt, mit einer Schweigeminute soll an die Opfer erinnert werden. Musik wird in den Stadien nicht gespielt werden.
Update: Staatstrauer
Die Zahl der Opfer wurde von offizieller Seite noch einmal aktualisiert. Es wird jetzt von 38 Toten und 155 Verletzten ausgegangen. Über die Tätergruppe gibt es weiterhin Spekulationen, von Seiten der Regierung wird eine Täterschaft der PKK, oder ihr nachstehender Gruppen thematisiert. Für die Opfer aus Polizeikreisen, wurde am frühen Sonntag eine Gedenkveranstaltung durchgeführt. Für 15 Uhr Ortszeit ist ein Trauermarsch von Besiktas aus zum Vodafone-Stadion angekündigt worden. Für einen Tag ist Staatstrauer ausgerufen worden. Der türkische Fußballverband (TFF) hat angekündigt, das alle Spiele der professionellen Ligen am heutigen Sonntag und Montag, jedoch stattfinden werden. Die Fahnen an den Stadien werden auf Halbmast gesetzt, mit einer Schweigeminute soll an die Opfer erinnert werden. Musik wird in den Stadien nicht gespielt werden.
Update 2: TAK bekennt sich zu Anschlag
Die Terrorgruppe Freiheitsfalken Kurdistans bekennen sich zu Anschlag an der Vodafone-Arena. Der Anschlag reiht sich somit in eine Serie von Anschlägen der TAK, die allein 2016 über 100 Menschen das Leben kosteten. Zuvor war die Terrorgruppe besonders bis 2006 aktiv. Danach gab es nur vereinzelt Anschläge. 2016 ist nunmehr zum Höhepunkt der Gruppe geworden, die sich zum Zeil gesetzt hat mit spektakulären Aktionen auch gegen Touristen für Aufsehen zu sorgen. Die TAK ist eine Abspaltung der PKK, denen die PKK zu soft ist.
Update 3: Fußballfans planen Demo gegen Terror
Der türkische Gesundheitsminister hat die Zahlen nach dem Anschlag an der Vodafone-Arena erneut nach oben korrigieren müssen. Er spricht nun von 44 Todesopfern und 155 Verletzten. Im Gegensatz zu den vorherigen Anschlägen in Istanbul im Jahr 2016 wird öffentliche bekundete Anteilnahme diesmal nicht unterbunden. Tausende von IstanbulerInnen machen davon Gebrauch und finden sich am Anschlagsort ein und demonstrieren u.a. mit türkischen Fahnen und Nelken gegen den Terror. So hatte u.a. die sozialdemokratisch-kemalistische Partei CHP am Sonntag mit einem Schweigemarsch von Beşiktaş zum Stadion den Opfern gedacht. Für den heutigen Montag hat die Fangruppen Çarşı zu einem Trauerzug ebenfalls von Beşiktaş zum Stadion aufgerufen. Start des Marsches soll um 19:23 das Adler-Denkmal im Zentrum von Beşiktaş sein. Auch Fangruppen von Fenerbahçe und Galatasaray rufen zu der Demonstration auf.
Aufruf zur Fandemonstration gegen Terror, am Montag um 19:23 Uhr |
Die Fußballspiele vom Sonntag standen ganz unter dem Eindruck der blutigen Anschläge. In verschiedenen Stadien solidarisierten sich Fans und Spieler mit der Polizei. Sei es mit Handshakes mit den Sicherheitskräften wie bei Galatasaray beim Einmarsch in die Telekom Arena, oder beim Torjubel. Hier gingen Spieler, nach dem erzielten Treffer, auf die am Spielfeldrand stehenden Polizisten zu und umarmten sie. Auch die spanische La Liga gedachte der Opfer von Istanbul mit Schweigeminuten im Vorfeld der Ligaspiele vom Sonntag. Die UEFA veröffentlichte eine Beleidesbekundung.
Am Mittwoch soll dann in der Vodafone-Arena wieder Fußball gespielt werden. Beşiktaş trifft dann auf Kayserispor. Klubchef Fikret Orman kündigte an mit den Familien der Opfer im Stadion zu sein. Zudem erklärte er, dass der Klub am Mittwoch die Dauerkarten für einen Tag einfrieren werde, die Einnahmen aus der Partie sollen den Familienangehörigen der Opfer gespendet werden. Auch hierzu rufen Fangruppen anderer Klubs auf, um Solidarität zu zeigen und sich am Mittwoch im Stadion einzufinden.